Öffentlicher Verkehr

Limmattalbahn: Dietiker Standort «Müsli» für Depot rückt näher

Links auf dem Dietiker Acker Müsli soll das Limmattalbahn-Depot entstehen. Zur Rechten befindet sich der Rangierbahnhof Limmattal. Für das Depot hier sind die Politiker von SP, FDP, GLP, CVP, EVP und BDP.

Links auf dem Dietiker Acker Müsli soll das Limmattalbahn-Depot entstehen. Zur Rechten befindet sich der Rangierbahnhof Limmattal. Für das Depot hier sind die Politiker von SP, FDP, GLP, CVP, EVP und BDP.

Das geplante Limmattalbahn-Depot im Dietiker Gebiet Müsli gleich neben dem Rangierbahnhof wird von der Kantonsratskommission empfohlen. Auch der Kantonsrat dürfte Ja stimmen

Das Tramdepot für die Limmattalbahn soll auf dem Dietiker Gebiet Müsli gebaut werden: Zu diesem Schluss kommt die kantonsrätliche Kommission für Energie, Verkehr und Umwelt (Kevu). Sie hat dem Eintrag im kantonalen Richtplan mit neun zu sechs Stimmen zugestimmt. Der Entscheid fiel vor einer Woche und wurde der Presse am Montag mitgeteilt.

In der Kommission dafür gestimmt haben Vertreter von SP, FDP, GLP, EVP und BDP. Dagegen ausgesprochen haben sich hingegen SVP, Grüne und EDU. Diese drei Parteien gewichten den Schutz des Ackers Müsli höher als eine rasche Realisierung des Bahndepots. Darum beantragen sie dem Kantonsrat eine Rückweisung des Geschäfts an den Regierungsrat.

Ein Zückerchen für die Kulturlandschützer gibt es aber: Auch die Kommissionsmehrheit hält daran fest, dass die wegfallende Ackerfläche wie geplant in Maschwanden zu kompensieren ist.

«Richtig glücklich mit dem Entscheid ist wahrscheinlich niemand. Aber die Limmattalbahn ist die Bebauung am Rande des Müsliswert», sagt Mehrheitssprecherin und Kommissionspräsidentin Rosmarie Joss (SP, Dietikon). Sie ist zwar der Meinung, dass der Standort Asp in Spreitenbach besser wäre. «Eine Ablehnung des Standorts Müsli würde aber zu Verzögerungen führen, die die Limmattalbahn als Gesamtprojekt infrage stellen», sagt Joss. Die SP werde dieser Argumentation in der entscheidenden Abstimmung im Kantonsrat folgen.

Minderheit hofft auf Abweichler

Die SVP-Fraktion hat sich dagegen für ein Nein entschieden. «Die verschiedenen Standorte wurden zwar evaluiert. Mit der Gewichtung der einzelnen Kriterien sind wir aber nicht einverstanden», sagt Christian Lucek (SVP, Dänikon), Sprecher der Kommissionsminderheit. «Wenn es keine Alternativen gäbe, könnten wir über den Kulturlandschutz hinwegsehen», so Lucek. Doch mit dem Standort Asp habe man eine echte Alternative. «Es kann nicht sein, dass man mitten im besten Kulturland auf demMüsli baut, das zudem im Richtplan als Freihaltegebiet eingetragen ist.»

Wie Lucek bestätigt, gibt es aber auch in der SVP Befürworter des Standorts Müsli . Dabei handle es sich um einzelne Kantonsräte aus dem Limmattal. Lucek glaubt jedoch daran, dass die Kritiker im Parlament eine Mehrheit erlangen können. Die Hoffnung ruht auf Abweichlern anderer Parteien, insbesondere der GLP.

Diese hat dem Richtplaneintrag nur zähneknirschend zugestimmt und stört sich an der Überbauung des Kulturlandes. «Angesichts der Wichtigkeit der Limmattalbahn für die Weiterentwicklung des Limmattals verzichten die Grünliberalen aber trotz aller Kritik darauf, die Notbremse zu ziehen», teilte die Partei gestern mit. «Den Rückweisungsantrag unterstützen wir nicht. Und den Richtplaneintrag werden wir nicht scheitern lassen», sagt Barbara Schaffner (GLP, Otelfingen). Noch offen ist, ob die GLP ganz oder teilweise zustimmt oder sich enthält.

Grüne wollen Standort Niderfeld

Vollumfänglich dagegen sind die Grünen. Sie sind die Erstunterzeichner des Minderheitsantrags und berufen sich insbesondere auf einen Zweitmeinungsbericht zur Standortfrage. Darin schreibt die Planpartner AG, dass der Standort Niderfeld in Dietikon «grundsätzlich machbar» sei. Schon 2016 hat der Dietiker Gemeinderat Lucas Neff (Grüne) gefordert, dass das Depot in die künftige Niderfeld-Überbauung integriert werden soll – ähnlich dem Tramdepot in der Zürcher Kalkbreite. Das fordert nun auch die Kantonalpartei.

Die Grünen ärgern sich zudem darüber, dass die Aargauer und die Zürcher Regierung keine Strategie zur Sanierung der vielen Altlasten im Limmattal hätten. Gerade der Standort Asp in Spreitenbach kam nicht infrage, da die Sanierung der Altlasten, die sich dort unter der Erde befinden, zu viel gekostet hätte. «Es wird nötig sein, die Regierung politisch dazu aufzufordern, dass sie endlich eine Altlasten-Strategie für das Limmattal vorlegt», sagt dazu Thomas Forrer (Grüne, Erlenbach). «Wir hätten uns zudem gewünscht, dass für SP und GLP der Kulturlandschutz gleiche Priorität hat wie für uns», so Forrer.

Nicht alle Bauern sind dagegen

Dem Standort Müsli zugestimmt hat auch Gerhard Fischer (EVP, Bäretswil). Er ist selber Landwirt und damit am Schutz von Ackerflächen interessiert. Da es aber um ein riesiges Projekt geht und das Ackerland kompensiert wird, hat er «mit gutem Gewissen» Ja gestimmt, wie er sagt. «Wer das Bahndepot ablehnt, um Kulturland zu schützen, müsste konsequent sein und sich auch gegen jeden Strassenbau einsetzen», so Fischer.

Die CVP-Fraktion – in der Kevu nicht vertreten– unterstützt ebenfalls den Standort Müsli . Die AL mit ihren fünf Stimmen hat noch keine Parole. Die Abstimmung ist im Kantonsrat noch nicht traktandiert, soll aber in den nächsten Monaten über die Bühne gehen. SVP, Grüne und EDU kommen zusammen auf 72 Stimmen, SP, FDP, GLP, CVP, EVP, BDP auf 103 Stimmen.

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