Passanten staunten nicht schlecht beim Anblick der Urdorfer Gemeindehausfassade vor rund zwei Wochen. Die weisse Fläche war versprayt mit einem etwa ein Meter grossen Schriftzug. Derartige Sachbeschädigungen sind in Urdorf zwar nichts Neues. Aber sie häufen sich. «Vor allem bei Personenunterführungen treffen wir immer wieder auf Sprayereien. Seit Herbst 2018 haben sie aber stark zugenommen», sagt Claudio Fiechter, Abteilungsleiter Werke der Gemeinde.

Mit Texten versprayt wurden nicht nur Unterführungen, sondern auch neue Bushaltestellenhäuschen, Robidog-Kübel, Stelen und der kürzlich erstellte vierte Kreiselarm bei der Birmensdorfer- und Feldstrasse, der über den Schäflibach führt. Zudem seien auch Schmierereien an privaten Gebäuden bekannt, sagt Fiechter. Hinzu kämen Kleber, vor allem an Bushaltestellen.

40 Stunden Arbeit

Die Gemeinde ist bemüht, die Vandalenakte so schnell wie möglich zu beseitigen. So sind bis auf die Schmierereien am neuen Kreiselarm alle unerwünschten Graffiti bereits entfernt worden. Das bedeutet jeweils viel Mehraufwand für die Mitarbeiter des Urdorfer Werkhofs. «Wir sprechen hier von rund 40 Stunden zusätzlicher Malerarbeit seit Herbst», sagt Fiechter. Überdies hätten für die Entfernung kleinerer Texte und die Beseitigung von Klebern pro Woche durchschnittlich drei Stunden investiert werden müssen.

Um der Verwüstung einen Riegel zu schieben, hat die Gemeinde Anzeige beim Kantonspolizeiposten in Schlieren erstattet. Die Polizei wird in einem Ermittlungsverfahren versuchen, die nötigen Beweise zu erheben und bei ermittelter Täterschaft an die zuständige Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis zu rapportieren. Gemäss Auskunft des Rechtsdienstleiters der Oberstaatsanwaltschaft haben die Verursacher mit einer Freiheitsstrafe von mindestens zwölf Monaten zu rechnen, wenn von einer qualifizierten Sachbeschädigung auszugehen wäre. Eine solche liegt vor, wenn es sich bei den zahlreichen Sprayereien um dieselbe Täterschaft handelt und der verursachte Sachschaden im Bereich von 30 000 Franken oder höher liegt. Gibt es mehrere, unabhängig voneinander handelnde Täter, wird auch die auf eine Person zurechenbare Deliktsumme kleiner. Geringfügige Sachschäden unter 300 Franken werden vom Statthalteramt beurteilt. In solchen Fällen ist mit Bussen von mehreren hundert Franken zu rechnen.

Verdächtiges melden

Die Gemeinde setzt bei der Suche der Vandalen auch auf die Mithilfe der Urdorferinnen und Urdorfer. «Wir bitten die Bevölkerung, allfällige Beobachtungen in diesem Zusammenhang umgehend der Polizei zu melden», sagt Martin Büchi, Bereichsleiter Verwaltung und Sicherheit. Gleichzeitig fordere man betroffene Privatpersonen dazu auf, bei entsprechenden Sachbeschädigungen am Eigentum Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Um es den Vandalen zudem nicht mehr so einfach zu machen, überlegt sich die Gemeinde nun auch Massnahmen. So prüfe man beispielsweise den Einsatz von Graffiti-Schutzmitteln für Oberflächen, sagt Fiechter.

Einen Schritt weiter ist da die Stadt Dietikon. Sie arbeitet schon seit rund zwölf Jahren mit der Geroldswiler Firma PSS zusammen, die sich auf Oberflächenbehandlungen spezialisiert hat. Zur Anwendung auf Brunnen, Unterführungen und bei öffentlichen Toiletten in Dietikon kommt ein sogenanntes Opferschichtsystem, das einen pflanzlichen umweltverträglichen Zellulosefilm auf der Fläche bildet. Graffiti seien auf diesem Film mit Wasser leicht abwaschbar, sagt ein Mitarbeiter der Firma auf Anfrage.