Mein Ding: Kuration
«Ich möchte auch die Menschen erreichen, die sonst nichts mit Kunst am Hut haben» – Kim Bassens Leidenschaft ist das Ausstellen

Die Studentin steht hinter dem «Dietikon Projektraum», der bereits eine Kunstausstellung auf die Beine gestellt hat. Dieses Jahr sollen noch zwei bis drei weitere Projekte zu Stande kommen.

Virginia Kamm
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Kim Anni Bassen hat bereits in Zürich, Helsinki, Lissabon und Kiel ausgestellt.

Kim Anni Bassen hat bereits in Zürich, Helsinki, Lissabon und Kiel ausgestellt.

Chris Iseli

Die Kunst ist ihre Welt: Kim Anni Bassen steht gemeinsam mit Lourenço Soares hinter dem «Dietikon Projektraum», der im Herbst die Kunstausstellung «Oops a daisy (urban management remix)» im alten Dietiker Bauamt realisiert hat. Bassen, die seit Sommer 2019 in Dietikon wohnt, studiert im Master Curatorial Studies, also Kuration, an der Zürcher Hochschule der Künste. Im Lauf des Jahres will der «Projektraum» in der alten Metzgerei in Dietikon, seinem neuen Ausstellungsraum, zwei bis drei weitere Projekte auf die Beine stellen.

«Ich freue mich, gemeinsam mit den Dietikerinnen und Dietikern herauszufinden, was Kunst eigentlich alles kann», sagt Bassen. Ein Ziel des «Dietikon Projektraums» ist nämlich, eine Plattform zu bieten, um sich über Kunst auszutauschen. «Ich möchte auch die Menschen erreichen, die sonst nichts mit Kunst am Hut haben.»

Ursprünglich wollte sie Medizin studieren

Schon immer habe sie gerne gezeichnet und fotografiert, erzählt Bassen. Ursprünglich habe sie Medizin studieren wollen, es habe sie aber frustriert, wie das Gesundheitssystem funktioniere. «Ich dachte, dass ich nicht gut genug sei, um Kunst zu studieren», sagt sie. Schliesslich hat sie sich aber an der Muthesius Kunsthochschule Kiel für ein Bachelorstudium in Kunst beworben und ist angenommen worden. «Das Zeichnen war für mich immer etwas Freies, bei dem ich nicht nachdenken musste», sagt Bassen. «Das Kunststudium war aber mit viel Nachdenken verbunden und schon fast ein Studium meiner selbst und von strukturellen Zusammenhängen.» In der Kuration sieht sie Potenzial, über ihren eigenen Standpunkt hinaus gemeinsam Perspektiven zu entwickeln.

Auf die Idee des «Dietikon Projektraums» sei sie gekommen, weil die Stadt so divers sei und viele leerstehende Räume habe, sagt Bassen, die zusätzlich in einer Galerie in Zürich arbeitet. Es habe trotz grossem Freiraum in Dietikon noch kein zeitgenössisches Kunstangebot gegeben. «Ich sehe den ‹Dietikon Projektraum› als Chance für mich wie auch für die Stadt.»

Am meisten Freude am «Dietikon Projektraum» bereite ihr die Kollaboration mit verschiedenen Menschen, sagt Bassen. «Ich teile mein Wissen gerne mit anderen und mag die gemeinschaftliche Arbeit.» Für sie sei die Kuration auch eine Art Kunstpraxis, die sich mit wichtigen Fragen der Welt auseinandersetze. Ihr liege es am Herzen, Politisches anzusprechen und zum Beispiel feministische Themen in die Projekte einfliessen zu lassen.

«Der ‹Dietikon Projektraum› schafft zwar viel Aufwand, die Arbeit macht aber Spass und fühlt sich darum gar nicht wirklich wie Arbeit an», sagt Bassen, die bereits in Zürich, Kiel, Lissabon und Helsinki ausgestellt hat. In Zukunft möchte sie weiterhin in Dietikon einen Austausch über Kunst ermöglichen und mit vielen Leuten zusammenarbeiten. «Ich wünsche mir für die Zukunft einen kleinen Raum, in dem ich Kunst so ausleben kann, wie ich es möchte», sagt sie. Auch in einer grösseren Institution zu arbeiten, fände sie spannend. «Im Moment fühlt sich der ‹Dietikon Projektraum› gut an, so, wie er ist.»

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