Urdorf

Nach Sanierung: Der Bärenweiher erwacht zu neuem Leben

Nach eineinhalbjähriger Sanierung ist der Bärenweiher in Urdorf wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Auf einem Rundgang zeigt Umweltabteilungsleiter Janick Frei, was die Gemeinde alles für Natur und Mensch unternommen hat.

Ein Stockentenpaar landet auf der Wasseroberfläche. Feine Wellen wandern ans Ufer des Bollweihers in Urdorf. Janick Frei steht auf einer Anhöhe und blickt auf die Vögel im Gewässer. «Für mich ist es das Schönste, wenn ich sehe, dass Tiere vorbeikommen und den Ort nutzen. Es zeigt, dass sich die Arbeit gelohnt hat», sagt der Abteilungsleiter Umwelt der Gemeinde Urdorf. Frei kümmerte sich um die Sanierung und Renaturierung des Bollweihers, der im Volksmund Bärenweiher genannt wird. Im Frühling 2019 startete das Projekt. Nun, gut eineinhalb Jahre später, ist der Weiher samt Nebenteich und neuem Spazierweg für die Öffentlichkeit wieder zugänglich.

«Von einem Weiher konnte man bei Baubeginn eigentlich gar nicht mehr sprechen. Das Gewässer wurde nicht unterhalten und war stark verlandet», sagt Planungs-, Bau- und Umweltvorstand Danilo Follador (CVP). Er besichtigt an diesem Morgen gemeinsam mit Frei den neu zum Leben erweckten Bärenweiher und lässt sich alle Arbeiten und Massnahmen erklären. «Die Abteilung Umwelt überprüfte den Zustand verschiedener Naturschutzgebiete und Gewässer in der Gemeinde Urdorf und stellte fest, dass hier Handlungsbedarf besteht», erzählt Follador. Eine Sanierung mache zudem auch Sinn, weil der Ort ein Naherholungsgebiet sei und im kommunalen Naturschutzinventar stehe.

Die Hälfte des 200'000 Franken teuren Projekts zahlt der «naturemade star»-Fonds des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich (ewz). Je rund die Hälfte des verbleibenden Anteils übernehmen die Gemeinde und der Kanton.

Vom geteerten Veloweg führt ein Natursteinpfad aus Kalksteinschotter runter zum Bärenweiher. «Davor gab es hier nur einen Trampelpfad», sagt Frei und bleibt neben einer hellen Holzbank stehen. Die Gemeinde hat insgesamt drei neue Sitzbänke rund um das Gewässer und den oberen Folienteich aufgestellt. «Die sind einladender als die alten zwei Bänke. Hier kann man schön Zeit verbringen», sagt Follador.

Um dem Bärenweiher mehr Licht zu geben und um zu verhindern, dass zu viel Laub darin landet, wurde das Gehölz ausgelichtet. Dazu mussten ein paar Bäume gefällt werden. Auch die Rohrkolben, die sich auf der ganzen Fläche ausgebreitet hatten, wurden nach der Trockenlegung des Teichs grosszügig entfernt. Am Ufer wurde aber ein Streifen übrig gelassen. «Er dient Wasservögeln und Amphibien als Rückzugsort. Eine Woche nachdem wir den Teich mit Wasser gefüllt hatten, war bereits alles wieder am Quaken», sagt Frei und lacht. Erdkröten, Gras- und Seefrösche, aber auch Teichhühner und Blessrallen sind im Bärenweiher zu Hause.

Asthaufen liegt als Brutstätte der Ringelnattern bereit

Und nicht nur sie. Der Bollweiher beherbergt auch Ringelnattern. Frei zeigt auf einen Asthaufen, der vor dem abfallenden Gelände lagert. «Den hat der Natur- und Vogelschutzverein Urdorf extra hier platziert. Es ist wichtig, dass die Sonne darauf scheinen kann. Ringelnattern legen ihre Eier gerne in solche Haufen. Die Wärme der Sonne hilft bei der Entwicklung der Reptilien.» Frei kann sich zudem gut vorstellen, dass im Frühjahr auch ein paar Tümpel erstellt werden, die Amphibien zusätzlich als Laichgewässer dienen. «Doch zuerst muss das Material, das wir aus dem Weiher entnommen haben, trocknen können», sagt er und blickt auf die schlammige Masse, die im Nebenweiher angehäuft wurde.

Dieser Schlamm stellte für Frei die grösste Herausforderung während des Renaturierungsprojekts dar. «Weil Weihersediment erfahrungsgemäss mit Schadstoffen belastet ist, darf man es nicht einfach irgendwo deponieren oder entsorgen. Wir mussten zuerst Proben nehmen und abklären, wie wir damit verfahren dürfen», erzählt der Umweltabteilungsleiter. Einen Teil des Sediments, das die Gemeinde nicht im Nebenweiher unterbringen konnte, wird sie in einer Deponie abgeben. Die Abklärungen mit verschiedenen Stellen und Ämtern hätten Zeit benötigt und der Ablauf sei ungewiss gewesen. «Da wir noch keine vergleichbaren Projekte hatten, wussten wir nicht, was uns erwartet», sagt Frei. Der Rest der Arbeit sei aber gut planbar gewesen. Dazu gehörte beispielsweise auch die Sanierung des Auslaufs, der sich in einer Kurve des Natursteinwegs befindet.

Kiloweise Goldfische aus dem Teich gefischt

Frei steuert den oberen Teich an, der direkt hinter dem Bärenweiher liegt. Die Wasseroberfläche ist bedeckt mit Seerosenblättern. Eine einzige geschlossene weisse Blüte ragt aus dem Folienteich. Auch diesen liess die Gemeinde trockenlegen.

Dabei kam es zu einer Überraschung. «Beim Abfischen stiess der Fischereipächter auf mehrere Kilo Goldfische. Sie wurden wohl hier ausgesetzt. Es hatte so viele, dass wir jeder Zoohandlung Konkurrenz gemacht hätten», sagt Frei. Goldfische seien invasiv und hätten in Schweizer Gewässern nichts zu suchen. «Daher wurden sie, so gut es ging, aus den Weihern entfernt», sagt Frei.

Beim Überlauf des Folienteichs wurde zudem eine Fischbarriere eingebaut. Man sei nämlich nicht sicher, ob man alle Tiere erwischt habe oder ob noch Fischeier überlebt hätten. So wolle man verhindern, dass sich im Bollweiher künftig Fische ansiedeln. «Es soll kein Fischteich sein, sondern ein Gewässer für Amphibien.»

Die morsche Holzbrücke, die hinter dem oberen Teich über den Zulauf des Allmendbachs führt, hat die Gemeinde Urdorf entfernt. «Wir haben entschieden, dass der Natursteinpfad hier endet und kein neuer Übergang angebracht wird», sagt Frei. Um Umweltvorstand Follador aber zu zeigen, was fernab des Wegs passiert ist, nimmt er einen Satz und springt über den Bach.

Die Böschung ist frisch mit Humus belegt. «Hier wurde der Zulauf des Allmendbachs auf einer Strecke von 60 Metern geöffnet. Zuvor war er eingedohlt gewesen und verlief unterirdisch», erklärt Frei. Das Gewässer zu öffnen, sei sehr förderlich für die Natur und spiele eine wichtige Rolle im gesamten Renaturierungsprojekt. «Die Ausdohlung war die Bedingung für die Subvention des ewz.»

Dem Eisvogel gefällt es am Bärenweiher

Follador zeigt sich beeindruckt von der Aufwertung des Naherholungsgebiets: «Ich freue mich sehr, es wurde hervorragende Arbeit geleistet.» Die Renaturierung steigere die Attraktivität dieses Ortes. «Im pulsierenden Limmattal sind solche Oasen besonders wichtig», ist sich Follador sicher. Ein hoher, durchdringender Ruf hallt durch die Luft. «Das muss ein Eisvogel sein», sagt Frei. Sein Blick richtet sich aufs Ufer des Bollweihers. Und tatsächlich, zwischen den Ästen sitzt der bunte Vogel. Gebannt betrachten die Männer den Gast. «Ich habe schon oft Eisvögel gesehen. Doch dass einer so ruhig und so lange am selben Ort bleibt, habe ich noch nie erlebt», sagt Follador. «Ihm scheint der neue Bärenweiher wohl so gut zu gefallen wie mir.»

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