Limmattal

Nachts wird auf dem Rangierbahnhof kürzer gearbeitet

Auf dem Rangierbahnhof Limmattal wird es ab dem 11. Dezember neu zwei grosse Rangierphasen am Tag geben.

Auf dem Rangierbahnhof Limmattal wird es ab dem 11. Dezember neu zwei grosse Rangierphasen am Tag geben.

SBB Cargo verlegt die Rangierphasen vermehrt in den Tag hinein – für die lärmgeplagten Anrainergemeinden ist das ein Schritt in die richtige Richtung.

Von nichts weniger als «dem grössten Fahrplanwechsel im Güterverkehr seit Bähnlergedenken» spricht Nicolas Perrin, der CEO von SBB Cargo. Ab dem 11. Dezember werden grosse Standorte nicht mehr wie heute nur einmal, sondern bis zu drei Mal täglich bedient.

Dafür ist die Einführung eines Taktfahrplans notwendig. Wie dieser ausgestaltet ist, präsentierten Perrin und Jon Bisaz, Leiter Produktion bei SBB Cargo, gestern vor den Medien. Und zwar auf dem Rangierbahnhof Limmattal, dem «Herz des Schweizer Binnengüterverkehrs», wie sich Perrin ausdrückte.

SBB Cargo fährt bald nach Taktfahrplan

SBB Cargo fährt bald nach Taktfahrplan

Dietikon – 28.10.2016 – Ab 11. Dezember werden grosse Kundenstandorte nicht mehr nur einmal, sondern bis zu dreimal täglich von der SBB Cargo bedient. Zudem können Kunden neu konkrete Abhol- und Zustellzeiten buchen. Die Neuerung bringt jedoch nicht nur Vorteile.

Für die Abläufe auf der Anlage zwischen Dietikon und Spreitenbach bringt das neue System massive Änderungen mit sich. Denn der Gütertransport wird nun nicht mehr nur über Nacht abgewickelt wie bisher, sondern über 24 Stunden.

Damit will SBB Cargo effizienter arbeiten und die Auslastung der Bahninfrastruktur verbessern. Gleichzeitig führt das Unternehmen ein Buchungssystem ein, mit dem konkrete Abhol- und Zustellzeiten gebucht und verbindlich zugesagt werden können.

Von diesen Änderungen sollen nicht nur die Kunden, sondern auch die umliegenden vom nächtlichen Rangierlärm geplagten Gemeinden profitieren. Die neuen Zeiten sind so gelegt, dass der Pendlerverkehr in den Morgen- und Abendstunden möglichst nicht tangiert wird.

Konkret heisst das, dass in der einen Phase von etwa 22 Uhr bis um etwa 2 Uhr rangiert wird und nicht mehr die ganze Nacht hindurch. Eine zweite Rangierphase ist während der Stosszeiten des Personenverkehrs am Morgen, von 7 bis 10 Uhr und eine dritte am Nachmittag zwischen 15 und 18 Uhr vorgesehen. Dazwischen werden die Güter abgeholt oder zugestellt.

Für die umliegenden Gemeinden bedeutet das, dass «die Rangierphase in der Nacht kürzer wird und mehr in den Tag verlegt wird», wie Bisaz sagte. Allerdings, so Perrin, werde es auf dem Rangierbahnhof nie total ruhig sein.

Kürzer Nachtphase erwünscht

Für Oetwils Gemeindepräsidenten Paul Studer ist der neue Taktfahrplan dennoch «ein Schritt in die richtige Richtung», wie er auf Anfrage sagt. «Am Tag nimmt man den Rangierbahnhof wegen des anderen Lärms nicht so stark wahr wie in der Nacht», so Studer. Für ihn wäre es allerdings wünschenswert, wenn die nächtliche Rangierphase noch stärker verkürzt werden könnte. «Die beste Lösung wäre jedoch eine Einhausung des Rangierbahnhofs, um den Lärm so ganz einzudämmen», sagt Studer.

Dem pflichtet auch Spreitenbachs Gemeindepräsident Valentin Schmid bei. «Am Tag haben wir mit dem Rangierbahnhof keine Probleme. Mit dem neuen Taktfahrplan ist das nächtliche Lärmproblem aber nicht gelöst. Der Lärm ist immer noch vorhanden, nur weniger lang als bisher», sagt Schmid. Die einzige Möglichkeit, das Problem in den Griff zu bekommen, sehe deshalb auch er in der Einhausung des Rangierbahnhofs. Diese könnte man zudem nutzen, um darauf etwa Sportplätze zu erstellen analog zu Autobahnüberdeckungen.

In Dietikon hat man die Pläne der SBB positiv aufgenommen. «Wir begrüssen alle Massnahmen, die den Lärm eindämmen, auch technische wie neue Bremssysteme oder neues Rollmaterial», sagt Stadtpräsident Otto Müller. Dennoch halte auch er das Zeitfenster für die Rangierphase in der Nacht immer noch für sehr lange.

Der Lärm rund um den Rangierbahnhof ist schon seit Jahren ein Thema. Nebst Oetwil, Dietikon und Spreitenbach wehrt sich auch Geroldswil gegen die «störenden Quietschgeräusche». Deshalb wurde im Sommer 2011 das Komitee «Rangierlärm Nein!» gegründet. Im Herbst 2010 wendeten sich überdies 227 Einwohner von Oetwil in einem Brief an die SBB, um eine Lärmsanierung des Rangierbahnhofes zu fordern.

Rangierbahnhof Limmattal

Die Quitschgeräusche des Rangierbahnhof Limmattal

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