Dietikon

Neuer Chindsgi neben dem Lozziwurm: In einem Monat stimmt das Volk ab

So soll dereinst das neue Kindergarten-Gebäude an der Gjuchstrasse aussehen.

So soll dereinst das neue Kindergarten-Gebäude an der Gjuchstrasse aussehen.

Am 9. Februar kommt der Gjuch-Kindergarten und -Quartierpark an die Urne. Die Bevölkerung hat bis dahin noch Zeit, sich im Foyer des Stadthauses darüber zu informieren. Die Limmattaler Zeitung beantwortet die wichtigsten Fragen vor der Abstimmung.

Im Sommer 2021 soll der neue Doppelkindergarten Gjuch auf der Lozziwiese realisiert werden. Damit will die Stadt auf das markante Bevölkerungswachstum reagieren. Denn Dietikon hat zu wenig Schulraum. Die bestehenden Schulhäuser stossen an ihre Kapazitätsgrenzen.

Prognosen zeigen, dass die Anzahl Schülerinnen und Schüler in den nächsten 15 Jahren um knapp 50 Prozent ansteigen könnte. Das heisst, bis im Jahr 2034 wären es 1300 Schülerinnen und Schüler mehr als bisher. Das stellt die Stadt vor logistische und personelle Herausforderungen. Der Handlungsbedarf ist dringend.

Es überrascht daher nicht, dass das Projekt von allen Seiten her Anklang findet. Das zeigte sich unter anderem auch an der Projektausstellung im Foyer des Stadthauses. Rund 20 Vertreter der Behörden wurden am Donnerstagabend eingeladen, sich ein Bild des ­Gesamtprojekts zu machen.

Schul­vorstand Reto Siegrist (CVP), Hochbauvorstand Anton Kiwic (SP) und Projektleiterin Daniela Saxer stellten die Pläne detailliert vor und stellten sich den Fragen der Anwesenden. Die Bevölkerung hat noch bis zum Abstimmungssonntag vom 9. Februar Zeit, sich anhand der aufgestellten Infotafeln über den geplanten Kindergarten und den Quartierpark zu informieren. Die Limmattaler Zeitung beantwortet hier die wichtigsten Fragen vor der Abstimmung:

Weshalb braucht es den Doppel­kindergarten im Gjuch in Dietikon?

Der geplante Kindergarten wird den nebenan stehenden Einfachkindergarten Gjuch ersetzen. Dieser weist laut Stadtrat betriebliche Mängel auf, ist zu klein, schlecht nutzbar, veraltet und nicht erweiterbar. Nötig sind grössere Räume, weil die Bevölkerung rasant gewachsen ist und somit in den nächsten Jahren mehr Kinder eingeschult werden. «Wir brauchen den Schulraum dringend», sagte Reto Siegrist an der Informationsveranstaltung. «Der Leidensdruck hat massiv zugenommen.» Die Prognosen zeigen, dass die Anzahl Schülerinnen und Schüler in den nächsten Jahren stark ansteigen wird. Mehr Schulraum wird deshalb unabdingbar. Im September 2019 wurde deswegen bereits der neue Doppelkindergarten Steinmürli eingeweiht. Ein Provisorium auf dem Hunziker-Areal soll zudem bis zur Entstehung des neuen Schulhauses Stierenmatt überbrücken. Das Volk stimmt am 17. Mai 2020 über den Kredit für die vorübergehende Schulanlage ab. Über den Gjuch-Kindergarten wird am 9. Februar 2020 abgestimmt.

Wie wird der Kindergarten gestaltet?

Der Doppelkindergarten besteht aus einem zweigeschossigen Holzbau mit je einem Kindergarten pro Geschoss. Er umfasst zwei 77 Quadratmeter grosse Haupträume, dazu zwei 26 Quadratmeter grosse Gruppenräume, Garderoben, Toiletten und Haustechnik. Das Bauprojekt stammt aus der Feder des Badener Architekturbüros BEM und eines Landschaftsarchitekten. Das Gebäude verfügt über gut beleuchtete Klassenzimmer mit Sichtbezug in den Park und wird in Minergie-P-Eco erstellt. Zudem macht ein Lift den Kindergarten komplett behindertengerecht. Der Bau des Kindergartens ermöglicht auch separate WC-Anlagen für den angrenzenden Park. «Der Kindergarten wird doppelstöckig, damit wir Platz sparen können», erklärte Anton Kiwic an der Infoveranstaltung. «Damit wird auch möglichst wenig Natur geschädigt.» Mit dem Neubau wird die bisherige Parkfläche um 14 Prozent kleiner.

Was geschieht mit dem Lozziwurm im Park?

Projektleiterin Daniela Saxer beruhigte: «Der Lozziwurm bleibt bestehen.» Aufatmen bei den Anwesenden am Infoanlass. Die farbigen Plastik-Rohre des Künstlers Yvan Pestalozzi aus den 1970er-Jahren, die der Wiese ihren Namen gaben, haben schliesslich schon so manches Kinderherz höherschlagen lassen. Die anderen Spielgeräte auf der Wiese werden hingegen ersetzt. «Die heutige Wiese ist hauptsächlich auf kleine Kinder ausgerichtet», sagt Saxer. Das soll sich ändern: Künftig soll die Lozziwiese für alle Altersschichten attraktiv sein. «Wir wollen mehr als nur einen Spielplatz», sagt Saxer. «Deshalb wird die Wiese nun auch ‹Quartierpark› genannt.» Der Park soll nicht von der Öffentlichkeit abgegrenzt werden, sondern dem Volk mehr Spielmöglichkeiten bieten. Gleichzeitig dient er auch als Pausenplatz für den Kindergarten.

Wie wird auf die Natur Rücksicht ­genommen?

Weil der Quartierpark aufgrund einer Wasserschutzzone nicht bebaut werden darf, wird der zweigeschossige Bau darauf so weit wie möglich zur Siedlung hin platziert. Dort wurde der Neubau so gestaltet, dass möglichst wenig Bäume gefällt werden müssen. So bleibt etwa der grosse, prägende Silberahorn erhalten. «Um den Wurzelbereich nicht zu belasten, wurde kein Untergeschoss geplant», sagt ­Daniela Saxer. «Zudem ist in diesem Bereich eine kleine Brücke statt eines Wegs geplant.» Diese sei aber bislang nicht bewilligt. Weitere Bäume und Sträucher werden rund um den Kindergartenneubau gepflanzt.

Wo steht das Projekt derzeit?

Der Gemeinderat bewilligte den ­Ausführungskredit in der Höhe von 3,2 Millionen Franken im No­vember 2018 ohne Gegenstimme. Am 9. Februar stimmt nun das Volk ab.

Wie ist die Stimmung bei der Bevölkerung?

Der Gemeinderat kritisierte in seiner Debatte im November 2018 die Lösung eines «Päcklis» von Kinder­garten und Quartierpark. Das bedeutet aber nicht, dass der Quartierpark ­ungern gesehen wird. Der Park werde aufgewertet und so gebe man dem Quartier ­etwas ­zurück, lautete das Fazit. Dass es den Kindergarten braucht, war im Gemeinderat zudem unumstritten. Auch die Besucher der Informationsveranstaltung vom Donnerstag im Stadthaus kamen zu diesem Schluss: «Man muss den Beteiligten ein grosses Kompliment zu diesem ­Projekt aussprechen», sagte einer der Anwesenden. Eine Anwohnerin des Gjuch-Quartiers ­äusserte sich stellvertretend für die vielen Familien rund um die Lozziwiese: Man habe etwas Angst, dass der Kindergarten zu viel Platz wegnehme. «Aber mit dem ­Projekt holt man die ­Anwohner gut ab», fand sie nach der Präsentation. Die ­Referierenden sind zufrieden. «Ich habe noch keine kritischen ­Stimmen gehört», sagte Reto Siegrist am Schluss. «Wir sind zuversichtlich, dass die ­Bevölkerung das Projekt ­genehmigt.»

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