Mobilität im Limmattal

Neuer Rekord bei Bike to work: Limmattaler Angestellte radeln immer fleissiger

Auch Professorin Ulrike Lohmann vom ETH-Institut für Atmosphäre und Klima macht jeweils bei Bike to work mit.

Auch Professorin Ulrike Lohmann vom ETH-Institut für Atmosphäre und Klima macht jeweils bei Bike to work mit.

Der nationale Wettbewerb Bike to work ruft jedes Jahr dazu auf, mit dem Velo zur Arbeit zu fahren. Dieses Jahr gab es wieder Rekord-Teilnehmerzahlen. Diese zeigen: Auch im Limmattal schwingen sich je länger je mehr Arbeitnehmer auf den Sattel. Die Arbeitgeber sehen darin einen Gewinn.

Veloförderung muss nicht immer politisch umstritten sein: 64'680 Angestellte aus 2114 Betrieben haben im Mai und im Juni in der ganzen Schweiz an der Aktion Bike to work teilgenommen. Das ist neuer Rekord. Bei Bike to work geht es darum, den Arbeitsweg wahlweise ein oder zwei Monate lang wenn immer möglich mit dem Velo zu bestreiten. 15'970'071 Kilometer wurden in diesem Zusammenhang zurücklegt. Ist ein Betrieb genug gross, schliessen sich die Teilnehmer zu verschiedenen Teams zusammen.

Die Limmattaler Zeitung hat die Bike-to-work-Zahlen mit Fokus auf die Region ausgewertet. Das Fazit: Auch im Zürcher Limmattal nehmen immer mehr Betriebe an der Aktion teil: 19 waren es dieses Jahr. Ihre 727 teilnehmenden Mitarbeiter legten total 174'127 Velo-Kilometer zurück. Zum Vergleich: Letztes Jahr waren es noch 565 Teilnehmer aus 16 Betrieben mit total 139'058 Kilometern. Und nochmals ein Jahr davor, anno 2016, spulten 465 Angestellte aus 15 Betrieben 89'055 Kilometer auf dem Arbeitsweg ab. Der Trend zeigt also klar nach oben.

Stadt Schlieren erstmals dabei

Erstmals überhaupt hat dieses Jahr die Stadtverwaltung Schlieren mitgemacht. Die Idee dazu hatte ein Mitarbeiter. 19 seiner 300 Kolleginnen und Kollegen waren dabei. Total spulten die 20 Stadtangestellten 3440 Kilometer ab. Eine grosse Zahl, aber es gibt noch Luft nach oben, zumal die Teilnehmerquote bei der Stadtverwaltung 7 Prozent betrug.

«Bei uns waren es am Anfang auch weniger. Mit der Zeit wirkt aber die Mund-zu-Mund-Propaganda unter den Mitarbeitern immer stärker», sagt der stellvertretende Dietiker Stadtschreiber Uwe Krzesinski. Die Stadt Dietikon macht schon seit Jahren bei Bike to work mit, zuletzt mit einer Teilnehmerquote von 16 Prozent. Waren es 2014 noch 36 Stadtangestellte, radelten dieses Jahr 70 mit, also fast doppelt so viele. Das kommt nicht von ungefähr.

Zwar ist die Teilnahme freiwillig. «Wir weisen die Mitarbeiter aber gezielt auf die Aktion hin, zum Beispiel mehrmals per E-Mail», sagt Krzesinski. «Es geht ums Gemeinschaftsgefühl. Ein Team zusammenstellen, den Teamgedanken leben und gemeinsam etwas erreichen: Das ist einfach eine gute Sache», so Krzesinski weiter. Der Stadt sei es auch recht, wenn sich das Gesundheitsbewusstsein und die Fitness der Angestellten verbessere. «Vor allem aber macht Bike to work einfach Spass», hält Krzesinski fest.

Am meisten Teilnehmer in der Region verzeichnet das Spital Limmattal (siehe Tabelle). Spitaldirektor Thomas Brack freut sich darüber. «Es ist schön zu wissen, dass wir viele Mitarbeitende haben, die sich umweltbewusst verhalten und sich bei der Wahl des Transportmittels Gedanken machen», sagt Brack. Es sei nicht selbstverständlich, dass Mitarbeitende, die bereits körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten ausüben, auch noch bereit sind, den Arbeitsweg mit eigener Energie zu bewältigen.

Organisiert wird die Bike-to-work-Teilnahme von den «Limmi»-Mitarbeitern selbst, dafür gibt es eigens ein Komitee. Als Spitaldirektor sieht Brack in der ganzen Sache einen Gewinn. «Ich denke, dass eine tägliche sportliche Aktivität viel zur persönlichen Gesundheit, Fitness und Zufriedenheit betragen kann», so Brack. «Insofern profitieren wir von gesunden, körperlich gut trainierten Mitarbeitern», fügt er mit einem Schmunzeln an. Insgesamt sei durchaus zu beobachten, dass während der Bike-to-work-Zeit mehr Mitarbeiter mit dem Velo zum Spital fahren, wie Brack sagt.

WSL holt sich Top-Platzierung

Neben dem Spital Limmattal sticht insbesondere auch die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in Birmensdorf hervor, die im Limmattal bei de Anzahl Kilometer an der Spitze steht. Mit einer Teilnehmerrate von 20,8 Prozent holte sich die WSL zudem den fünften Platz bei den Unternehmen mit 500 bis 999 Mitarbeitern. «Bei uns hat es Tradition und ist schon fast ein Selbstläufer. Die Teams bilden sich schnell, wenn wir die nächste Bike-to-work-Aktion ankünden», sagt WSL-Sprecher Gottardo Pestalozzi. Sowohl fürs Zwischenmenschliche und die Gesundheit habe die Aktion eine Bedeutung. Für die Teilnehmer liegt zudem eine Belohnung drin. Unter den teilnehmenden Teams wird jeweils ein feines, mehrgängiges Mittagessen vom WSL-Chefkoch verlost. Mit dabei in den Zahlen ist neben dem WSL-Hauptsitz Birmensdorf auch das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) in Davos.

Wie bei der Stadtverwaltung Schlieren kam auch beim Alterszentrum am Bach in Birmensdorf die Idee aus dem Kreis der Angestellten, wie Zentrumsleiter Andreas Grieshaber sagt. Er, der selber lieber über den Mittag joggen geht, freut sich über radelnde Mitarbeiter. «Bei den Teilnehmern merke ich während den Bike-to-work-Monaten schon am Morgen eine aufgestellte Stimmung, wenn sie mit Velo-Kilometern in den Beinen und frisch geduscht die Arbeit beginnen. Das ist lässig und fördert den Zusammenhalt», sagt Grieshaber. Die Teilnehmer seien nicht nur jene, die sowieso immer mit dem Velo kommen. Die Aktion sei auch ein Ansporn, ausserhalb der Bike-to-work-Monate mit dem Velo zu kommen. «Man sieht, dass es darüber hinaus wirkt», so Grieshaber.

Das grösste teilnehmende Unternehmen mit Sitz im Bezirk Dietikon sind die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ). Sie verzeichnen wie andere Betriebe auch ein sehr grosses Teilnehmerwachstum. Waren es 2011 noch 27 Angestellte, schwangen sich dieses Jahr im Rahmen der Bike-to-Work-Aktion 65 auf den Sattel. Wie bei der WSL gibt es auch bei den EKZ etwas zu gewinnen. «Dieses Jahr ging es um ein Wellness-Weekend», sagt EKZ-Sprecher Noël Graber. Bike to work ist zudem ein offizieller Bestandteil des EKZ-internen Gesundheits- und Präventionsprogramms EKZ-vital.

Weiter fällt unter den teilnehmenden Limmattaler Betrieben auch das Unternehmen Optotune mit Sitz im Dietiker Reppischhof auf, das 2014 mit dem Gewinn des Swiss Economic Award in der Kategorie Hightech von sich reden machte. Von den Betrieben mit 10 oder mehr Mitarbeitern im Limmattal hat es die höchste Teilnehmerquote, nämlich 64 Prozent. 16 von 25 Angestellten radelten im Rahmen von Bike to work zur Arbeit. Eine höhere Teilnehmerquote hat im Limmattal nur noch die E-motion E-Bike-Welt, ebenfalls aus Dietikon. Da 4 von 6 Mitarbeitenden mitmachten, erzielte der E-Bike-Laden eine Teilnehmerquote von 67 Prozent.

Bike to school ebenfalls mit Rekord

Eine weitere Veloförderungsaktion, die ebenfalls vom Verband Pro Velo Schweiz getragen wird, ist Bike to school. Die Mitmach-Aktion für Schulklassen funktioniert ähnlich wie Bike to work. Während eines Monats sollen Schülerinnen und Schüler ab der vierten Klasse so oft wie möglich mit dem Velo zur Schule fahren. Auch hier wurde dieses Jahr ein Rekord verzeichnet, wie Pro Velo gestern mitteilte. So nahmen in diesem Frühjahr 3000 Kinder und Jugendliche teil. Alle zusammen haben 293 000 Kilometer zurückgelegt auf dem Velo. 1829 davon fielen im Zürcher Limmattal an. Total nahmen zwei Klassen aus der Region teil. Eine Klasse vom Schulhaus Letten in Oetwil legte 1125 Kilometer zurück. 704 Kilometer waren es zudem bei einer Klasse der Oberstufenschule Weiningen.

Das Teilnehmerfeld ist in den letzten Jahren sowohl bei Bike to work als auch bei Bike to school stetig gewachsen. Vor diesem Hintergrund ist es nicht unwahrscheinlich, dass 2019 erneut Rekorde vermeldet werden. Und sich das Velo-Fieber weiter ausbreitet im Limmattal. Insbesondere könnte es sich auch noch in anderen Ortschaften als Dietikon, Schlieren und Birmensdorf durchsetzen. Denn in früheren Jahren gab es bei vereinzelten Arbeitgebern in Urdorf, Oberengstringen und Uitikon bereits erste Teilnahmen, ohne dass diese Betriebe langfristig vom Bike-to-work-Virus angesteckt worden wären.

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