Unterengstringen
Neuerung in jahrhundertealter Tradition: Das Kloster Fahr fusioniert seine Rebberge mit Einsiedeln

Ab dem neuen Jahr wird der Fahrer Wein in Einsiedeln gekeltert. Die Zusammenlegung des Rebgebiets entlastet das Kloster Fahr.

Lydia Lippuner
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Der kleine Rebberg zwischen Kloster Fahr und Autobahn liegt auf Unterengstringer Boden.

Der kleine Rebberg zwischen Kloster Fahr und Autobahn liegt auf Unterengstringer Boden.

zvg

Im Januar führt das Kloster Fahr seinen Weinbau mit dem des Klosters Einsiedeln zusammen. Durch die Fusion entsteht eine Klosterkellerei, die künftig eine Fläche von rund 12 Hektaren bewirtschaftet, wie das Kloster Fahr mitteilt. 4,2 Hektaren machen die Rebberge des Kloster Fahrs in Weiningen und Unterengstringen aus, die restlichen 7,8 liegen in Freienbach am oberen Zürisee. Die Fusion kam nicht von ungefähr. Die beiden Klöster Einsiedeln und Fahr gehören seit bald 900 Jahren zusammen.

Der Wein wird künftig in Einsiedeln gekeltert. «Ziel ist, dass das Kloster Fahr die betriebliche Verantwortung abgeben kann und entlastet wird», sagt Verena Gysin, Leiterin Verwaltung und Betriebe Kloster Fahr. Der Weinbau bleibe dem Kloster Fahr aber weiter erhalten. Das mache Sinn, denn die Weinbautradition der Klöster geht weit zurück. «Diese Tradition wollen wir nun auch weiter in die Zukunft führen», sagt sie.

Für die Gäste und Weinkäufer wird sich nichts ändern

Personelle Konsequenzen wird die Fusion keine nach sich ziehen. «Wir müssen niemanden entlassen», sagt Gysin. Die Mitarbeitenden werden lediglich an neuen Orten eingesetzt: Der bisherige Leiter des Weinbaus im Kloster Fahr, Roland Steinmann, wird künftig als Rebmeister die gesamten klösterlichen Weinberge im Limmattal und am Oberen Zürichsee bebauen. Kellermeister Dominic Mathies, der seit zehn Jahren in Einsiedeln die Klosterkellerei führt, wird ab Januar die Kelterung der Einsiedler und Fahrer Weine verantworten.

«Für die Gäste wird sich nichts verändern, ausser dass es ein breiteres Weinangebot gibt», sagt Gysin. Man könne den Fahrer Wein weiter im Restaurant «Zu den Zwei Raben» geniessen und im Klosterladen oder direkt im Weinkeller kaufen. «Wir freuen uns, wenn gerade in diesen Zeiten die lokalen Rebbauern unterstützt werden», sagt Gysin. Als überregional bekanntes Ausflugsziel seien das Kloster Fahr und das Restaurant auch von den ausbleibenden Gästen durch die Coronakrise betroffen gewesen.

Die beschlossene Fusion steht im Zeichen der Veränderungen, die im Kloster Fahr anstehen. Die Entwicklungen auf dem Klosterareal sind Teil eines 2017 angestossenen Veränderungsprozesses, die den Fortbestand des Klosters und seiner Annexgebäude sichern und Investitionen für Renovationen ermöglichen sollen. Im Juli schloss das Kloster beispielsweise einen Pachtvertrag ab und gab die Landwirtschaft ab. Der Weinbau wird aber vorerst noch der Hand des Klosters bleiben. «Der Wein gehört zur Kultur der benediktinischen Gastfreundschaft. Der Weinbau im Limmattal ist fürs Kloster Fahr auch ein Zeichen der Verbundenheit mit der Region», wird Priorin Irene Gassmann in der Klostermitteilung zitiert. Dies zeige sich besonders am Verein Pro Kloster Fahr und den Erntehelferinnen, die jeweils gemeinsam mit den Nonnen im Rebberg stehen zum Weinlesen. «Wir freuen uns, dass wir den Weinbau gemeinsam mit dem Kloster Einsiedeln in die Zukunft führen können», sagt die Priorin.

Die Klosterweine werden laut Mitteilung in erster Linie für den Verkauf produziert. «An Festtagen kommen sie auch im Kloster auf den Tisch», heisst es weiter. Zudem werden sie im Limmattal, in Zürich, sowie in der Region Einsiedeln und am Oberen Zürichsee in Restaurants und im Handel angeboten.