Dietikon

Neues Jahr, neuer Besitzer: Fondlihof setzt komplett auf solidarische Landwirtschaft

Ortoloco auf dem Dietiker Fondlihof gehört zu den Pionieren unter den Gemüsekooperativen. Jetzt stellt der ganze Hof auf das Modell um.

Es tut sich wieder etwas auf dem Fondlihof. Nachdem Tina Siegenthaler und Finn Thiele vor drei Jahren die Bewirtschaftung des Hofes von Samuel Spahn und Anita Lê übernahmen, wird nun der ganze Hof in ihren Besitz übergehen. «Die Idee ist mit der Zeit gewachsen. Es hat sich so ergeben», sagt Noch-Besitzer Samuel Spahn. Finn Thiele sei ja bereits zuvor lange sein Mitarbeiter gewesen. Per Ende Jahr soll der Hof von der GmbH Fondlihof, deren Gründer Siegenthaler und Thiele sind, übernommen werden.

Erfolgreiches Konzept wird erweitert

Bereits seit 10 Jahren baut die Genossenschaft Ortoloco vor Ort mit drei Gärtnerinnen und Gärtnern und 500 Konsumentinnen und Konsumenten auf gut eineinhalb Hektaren Gemüse an. Thiele und Siegenthaler gehören zu den Mitgliedern der Genossenschaft. Das Bewirtschaftungsmodell, das die Genossenschaft dabei anwendet, nennt sich solidarische Landwirtschaft (Solawi). Bei der Genossenschaftsversammlung im Herbst 2019 beschlossen die Mitglieder, ein Konzept auszuarbeiten, um das Modell der solidarischen Landwirtschaft auf den gesamten Hof anzuwenden. An der ausserordentlichen Genossenschaftsversammlung am 20. September 2020 wurde dieses Konzept angenommen. Nun wird die Umsetzung geplant.

Samuel Spahn sagt, er sei nun im Pensionsalter, daher sei die Zeit reif, den Hof abzugeben. «Ich bin glücklich, dass der Hof biologisch weitergeführt wird», sagt er. Es werde auch weiter ein sozialer Ort bleiben, an dem Leute sich treffen können. Die Hofübernahme durch Siegenthaler und Thiele ist aufwendig. Die Genossenschaft Ortoloco kann und will den Hof nicht kaufen, da dies das bäuerliche Bodenrecht nicht zulässt. Darum wird Ortoloco der GmbH Fondlihof Darlehen zur Verfügung stellen, mit denen der Hofkauf getätigt wird. Mit Anteilscheinen für Mitglieder und privaten Darlehen wird die Finanzierung möglich.

Damit der Fondlihof eine Zukunft habe und finanziell gut aufgestellt sei, sei die solidarische Landwirtschaft eine gute Lösung, sagt Siegenthaler. «Wenn Konsumentinnen und Konsumenten die Landwirtschaft direkt mittragen, ist das ein viel stabileres Fundament.» Sonst seien Produzenten stark vom Markt abhängig. Das wirke oft auch einer ökologischen Bewirtschaftung entgegen.

Geplant sind Jahresabonnemente von Lebensmitteln, die in drei verschiedenen Varianten abgeschlossen werden können. Dadurch erhält der Hof Betriebsbeiträge, zudem kann bei der Vermarktung gespart werden. Von den Konsumierenden wird ausserdem erwartet, dass sie im Betrieb mithelfen. Die landwirtschaftliche Arbeit soll so die Wertschätzung für die Arbeit der Produzenten fördern und die Produzierenden und Konsumierenden näher zusammenbringen.

Der Gemüseanbau ist damit schon lange erfolgreich

Das Konzept der solidarischen Landwirtschaft ist beim Gemüseanbau auf dem Fondlihof bereits seit einem Jahrzehnt so erfolgreich, dass Neumitglieder zunächst auf Wartelisten kommen. Auch darum hat sich die Genossenschaft Ortoloco zur Ausweitung des Konzepts auf den gesamten Hof entschieden. Die Mithilfe der Mitglieder gestalte sich im Moment zwar schwieriger als sonst, erklärt Siegenthaler. «Abstandsregeln müssen eingehalten werden, und wir müssen darauf achten, dass sich nicht zu viele Leute auf dem Feld aufhalten.»

Aber sonst sei es nicht mit grossen Einschränkungen verbunden. Auch der Hofladen konnte mit Maskenpflicht offenbleiben. Bereits jetzt vertreibt der Fondlihof laut Siegenthaler relativ viel über die Direktvermarktung. Aber auch über den Hofladen und per Lieferung ab Hof werde einiges verkauft. Trotzdem fliesse momentan ein grosser Anteil noch in den Handel. Davon möchten Siegenthaler und Thiele nun wegkommen und den Hof ab 2021 komplett mit solidarischer Landwirtschaft bewirtschaften.

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