Lokal

Regionale 2025: Limmattaler erzählen aus ihrem Leben für die Serie «Menschen im Limmattal»

Linkes Bild: Tina Siegenthaler führt den Biohof Fondli in Dietikon seit 2018 zusammen mit ihrem Freund. Bild in der Mitte: Nach sechs Jahren als Dietiker Stadtpräsident war Markus Notter von 1996 bis 2010 Regierungsrat. Rechtes Bild: Die Schlieremer Ordensschwester Elisabeth Müggler  initiierte ein Sterbebegleitungsangebot.

Linkes Bild: Tina Siegenthaler führt den Biohof Fondli in Dietikon seit 2018 zusammen mit ihrem Freund. Bild in der Mitte: Nach sechs Jahren als Dietiker Stadtpräsident war Markus Notter von 1996 bis 2010 Regierungsrat. Rechtes Bild: Die Schlieremer Ordensschwester Elisabeth Müggler initiierte ein Sterbebegleitungsangebot.

Mit der Audio-Serie «Menschen im Limmattal» porträtiert die Regionale 2025 zwölf Menschen, die sich in ihrer Region engagieren.

Er kam jeden Tag vorbei und grüsste immer freundlich, aber helfen lassen wollte sich der eigenbrötlerische Heinrich nie. Und das, obwohl er zusehends verwahrloste. Dass er eines Tages nicht mehr auftauchte, machte Elisabeth Müggler stutzig. Dank ihrer Intervention wurde der ältere Mann in schlechtem Zustand auf dem Boden seiner Wohnung gefunden und ins Spital eingeliefert. Dort besuchten Müggler und ihre Mitbewohnerin täglich Heinrich, der seit langem nicht mehr so glücklich und zufrieden wirkte. Nach einer Woche bedankte er sich überschwänglich bei seinen Besucherinnen, als wüsste er, dass seine Zeit gekommen sei. Am nächsten Morgen wachte er nicht mehr auf.

Das Erlebnis prägte Ordensschwester Elisabeth Müggler. Aus ihrem Sterbebegleitungsangebot Wachen und Begleiten (Wabe) entstand 2003 ein Verein mit mittlerweile dutzenden freiwilligen Helfern. Auch die fast 80-jährige Schlieremerin ist noch im Vorstand aktiv. Die berührende Episode ist Teil der Audio-Serie «Menschen im Limmattal». Darin blicken zwölf Limmattalerinnen und Limmattaler auf ihr Leben zurück oder heben prägende Ereignisse hervor. Mit dabei sind etwa der ehemalige Dietiker Stadtpräsident Markus Notter, die Dietiker Ortsmuseumsleiterin Regula Stauber und Fondlihof-Pächterin Tina Siegenthaler.

Besondere Freude für ­Altersheimbewohner

Dahinter steckt der Verein Regionale Projektschau Limmattal (kurz: Regionale 2025). Weil die zwölf Porträts bereits als geschriebene Texte vorlagen, habe das Projekt gut in der Coronazeit umgesetzt werden können, sagt Geschäftsleiter Peter Wolf. Im Herbst 2019 hingen die Kurzgeschichten zum Lesen am Waldrand in der Nähe des Bruno-Weber-Parks. Erschaffen von Studenten der Hochschule Konstanz, war «Story Lines» eine von elf temporären Installationen der Landschaftsausstellung Wachgeküsst.

«Wir wollten den Bewohnern von Alters- und Pflegeheimen eine Freude machen», sagt Carmen Simon, Projektleiterin Gesellschaft und Kultur bei Regionale 2025. Diese seien von der Isolation besonders stark betroffen. Deshalb habe man auch viele Altersheime in der Region ­direkt angeschrieben. Das Feedback sei bisher sehr positiv, sagt Wolf. Der Verein habe auf Wunsch auch schon einige CDs und USB-Sticks verschickt, um interessierten Heimbewohnern den Zugang zu den Episoden zu ermöglichen. Hauptsächlich sind die zwölf Porträts auf der Website der Regionale 2025 und auf Spotify zu finden. Dort besteht die Chance, dass die vielfältigen Kurzgeschichten auch ein jüngeres Publikum erreichen.

Vorgelesen werden die drei- bis fünfminütigen Erzählungen von den Dietikern Hanspeter Müller-Drossaart und Mona Sorcelli, die sofort zugesagt hat: «Bei solchen lokalen Projekten mit Menschen aus der Region ist meist viel Herz dabei. Ich bin nur kurz nervös geworden, als ich hörte, wer die männlichen Geschichten vorliest», sagt Sorcelli. Es sei nicht nur eine grosse Ehre gewesen, zusammen mit so einem begnadeten Schauspieler für das Projekt angefragt worden zu sein. Weil Müller-Drossaart zuerst aufnahm, habe sie sich an seiner routinierten Arbeit orientieren können. Besonders herausfordernd sei gewesen, beim Vorlesen den richtigen Ton zu treffen und die Gefühlslagen der Protagonisten gut rüberzubringen, sagt sie.

Zweite Staffel wird bereits geplant

Dabei habe sie nicht nur viel über die Technik gelernt, sondern auch viele interessante Einblicke in die Leben der Porträtierten erhalten. «Man erfährt spannende Geschichten aus dem Limmattal und fühlt sich der Region verbundener», sagt sie. Offenbar kommt das Projekt so gut an, dass bereits eine zweite Staffel im Raum steht. Dieses Mal sollen bekannte Schauspieler, Musiker oder Sportler zu Wort kommen, verrät Wolf.

Auf dem Weg zur grossen regionalen Projektschau 2025 hat der Verein noch viel vor. So will er laut Wolf etwa beim leidigen Thema Littering an der Limmat zwischen den Gemeinden vermitteln, um zusammen eine Lösung zu finden. Und eine geplante Wanderroute mit Informationsstelen zwischen Wettingen und Killwangen wird wegen Corona zunächst als virtuelle Tour für daheim konzipiert.

Meistgesehen

Artboard 1