Ein bisschen riecht es im Neubau des Spitals Limmattal bereits nach Krankenhaus. Auch ein bisschen nach Baustelle und ein bisschen nach Kaffee. Gestern Freitag hat das Bauunternehmen Losinger Marazzi den Neubau dem Spitalverband Limmattal übergeben – ab jetzt wird gezügelt. Am 23. Oktober soll das Spital schon im Vollbetrieb sein. Noch stehen die meisten Räume leer, wie der Medienrundgang am Freitag zeigte.

Das momentane Treiben im Spital kann man gut mit einem Bienenstock oder einem Ameisenhaufen vergleichen. Überall wird gewerkelt, geschraubt, verziert, dekoriert – die letzten Vorbereitungen für die offizielle Einweihungsfeier, die heute Samstag stattfindet. Rund 10 000 Besucher werden erwartet. In der Luft liegt Vorfreude, gemischt mit Stress. Ein ganzes Spital zu zügeln, ist keine einfache Aufgabe: «Während über eines Jahres wurde der Umzug geplant», sagt Spitaldirektor Thomas Brack. Keine Minute soll der Betrieb unterbrochen werden: «Verteilt über sechs Wochen wird zuerst die ganze Logistik, zum Beispiel die Küche, gezügelt, dann folgen die Ambulatorien. Zuletzt sind der Notfall und die Patienten in ihren Betten an der Reihe.» Noch ist es nicht soweit.

Von der Decke der Eingangshalle baumeln grosse, runde Lampen, wie Tropfen oder Schneeflocken. Sie tauchen die Umgebung in ein sanftes Licht. Hinter einer kleinen Glasfassade blickt man in einen Innenhof, in dem Bäume aus Metall aufgestellt sind. «Zu Beginn der Vorprojekte wollten wir das Spital komplett in eine Glasfassade hüllen», sagt Brack. Eine solche wäre aber, da sie aufwendige Unterhaltsarbeiten mit sich gebracht hätte, zu teuer gewesen. Doch auch ohne Glasfassade macht das Spital einen modernen und ausgeklügelten Eindruck.

Violett, Blau und viel Weiss

Spitaldirektor Brack beginnt den Rundgang mit einer Liftfahrt. Auf einem Touchscreen gibt man dort den gewünschten Stock ein. Eine blecherne Frauenstimme warnt mehrmals: «Türen werden geöffnet.» Im dritten Obergeschoss findet sich die neue Bettenabteilung. Aus dem Lift geht es raus auf die insgesamt 4,1 Kilometer langen Korridore. Dort laufen die Besucher momentan noch auf einer weissen Schutzunterlage.

Trotz emsigem Treiben in der Eingangshalle ist es im Innern des neuen «Limmis» noch sehr ruhig. Zwischen den weissen Gängen zeugt allein eine violette Orchidee von ein bisschen Leben und Farbe. Die Patientenzimmer sind da schon bunter, es stehen blaue Stühle darin. Alle Zimmer haben eines gemeinsam: den Blick ins Grüne. Die Bäder, im Block aus Italien geliefert, besitzen rote Töne. Auch sind die Türen teilweise mit bunten Ziffern angeschrieben. «Wir sind ja noch nicht ganz fertig», sagt Brack. «Es kann gut sein, dass noch mehr Farbe dazukommt.»

In 40 Sekunden in den OP

Über eine futuristisch gestaltete Treppe geht es einen Stock tiefer in den Operationsbereich und die Geburtenabteilung. «Die Beziehungen zwischen den verschiedenen Bereichen wurden genau untersucht und geplant», erklärt Brack. «So müssen Patienten der Geburtenabteilung innerhalb von 40 Sekunden in den OP gebracht werden können.»

Der Operationsbereich umfasst drei kleine und fünf grosse Säle. Im Jahr 2017 wurden im alten Spital 3757 Chirurgie-Patienten behandelt. Die Operationsräume sind bereits jetzt klimatisiert, es herrschen dort nur knapp 18 Grad. Das summende Geräusch der Lüftungen fällt auf. «Hier ist es kälter, weil die Chirurgen sehr anstrengende Arbeit ausführen. Auch können sich Keime bei kalten Temperaturen schlechter vermehren», sagt Brack.

Ein Teil der blauen OP-Räume ist bereits ausgestattet, die Möbel fehlen noch. Weisse Operationsgeräte ranken ihre Arme durch die Säle, tragen grosse Leuchter oder Bildschirme. «Der Bau und die Einrichtung jedes Operationssaals kostet rund eine Million Franken», erklärt Brack. Viele Operationsgeräte seien aus dem alten Spital übernommen worden. «Die Installation der Technik nahm pro OP-Saal knapp zwei Wochen in Anspruch.»

«Ein dreidimensionales Puzzle»

Neben den Beziehungen zwischen den verschiedenen Spital-Bereichen mussten auch die Patientenströme genau koordiniert werden, erklärt Brack weiter. So besitzt das Spital drei Eingänge, die die Patienten nach den ambulanten oder stationären Angeboten trennen. Die rund 1400 Angestellten des Spitals bewegen sich hinter den Kulissen: Für sie wurden extra Treppen, Lifte und Gänge eingebaut. «Das ist wie ein riesengrosses dreidimensionales Puzzle», sagt Brack. «Bis alle Teile am richtigen Platz sind, braucht es viel betriebliches, planerisches und bauliches Wissen.» Ein weiteres Ziel beim Bau des Spitals war es, möglichst flexibel zu bleiben. So wurden in mehreren Bereichen strategische Freiflächen eingebaut. Wie Brack erklärt, sind das Rohbau-Räume, die nach Bedarf ganz einfach verändert werden können.
Flexibilität: Das ist für Brack ausschlaggebend für ein zukunftsorientiertes Spital. «Mit 188 Betten ist der stationäre Bereich im Neubau kleiner als jener im Altbau. Dafür steht dem Ambulatorium mehr Platz zur Verfügung.» So passe man sich dem Trend «ambulant statt stationär» an.

Boden für MRI verstärkt

Die Blech-Stimme aus dem Lift kündigt das erste Obergeschoss an. Im Korridor steht auch hier eine violette Orchidee. Im ersten Geschoss sind die Radiologie, der Rettungsdienst und der Notfall mit den Schockräumen untergebracht. «Auch das sind zwei Bereiche, die unmittelbar nebeneinanderliegen müssen», sagt Spitaldirektor Brack.

Neben allerlei Röntgengeräten wird in der Radiologie das MRI, der Magnetresonanztomograph, untergebracht. Dieser wird von einem Faradayschen Käfig umhüllt und steht auf verstärktem Boden – das Gerät wiegt sechs Tonnen. «Nicht nur der Boden im Raum, sondern der ganze Weg durchs Spital, auf dem das MRI gezügelt wird, wurde verstärkt.»

Noch ist das MRI im alten Spital. Im neuen steht nur ein grosses Abbild des Gerätes aus Karton.