Schlieren
Richtplanknatsch: Schrebergärtner holt zum zweiten Schlag gegen Stadtrat aus

Betschenrohr-Präsident Erwin Trindler hat einen offenen Brief an den Schlieremer Stadtrat geschrieben. Darin fordert er diesen auf, mit dem «Versteckspiel» aufzuhören.

Lukas Elser
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Ist es mit der Idylle bald vorbei? Das fragt man sich im Betschenrohr.

Ist es mit der Idylle bald vorbei? Das fragt man sich im Betschenrohr.

Alex Spichale

Nächste Runde im Kampf zwischen den Richtplan-Gegnern und der Stadt Schlieren: Nachdem ein Hausbesitzer und zwei Schrebergärtner öffentlich gegen den kommunalen Richtplan der Stadt protestiert haben, will einer der Gärtner den Stadtrat nochmals in den Ring zerren.

In einem offenen Brief beklagt sich Erwin Trindler, Präsident des Familiengartenvereins Betschenrohr, über die stadträtliche Kommunikation. Er schreibt: «Wir versuchen seit rund zwei Jahren, einen sachlichen Dialog mit den Verantwortlichen der Stadt Schlieren in Gang zu bringen. Bisher sind wir dabei aber kläglich gescheitert.»

Trindler über Gespräche: «Nicht mehr als Kaffeeklatsch»

So seien Anfragen unbeantwortet geblieben und ein Gespräch mit einem Stadtratsmitglied abgelehnt worden. Aus Treffen mit Abteilungsleitern «sei nicht mehr als Kaffeeklatsch» resultiert. Zudem seien diese Gespräche immer nur auf seine eigene Initiative hin entstanden, moniert Trindler. Ein weiteres negatives Erlebnis hatte er gemäss Brief mit dem Ressortvorsteher Bau und Planung. Trindler schreibt:

«Stefano Kunz habe ich auf einer Parkbank im Freien eine Stunde lang unser Leid geklagt. Er fühlte sich von mir ‹überfahren›. Ein Dialog ist daraus nicht entstanden.»

Besonders stört Trindler in diesem Zusammenhang, dass die Stadt in der Vergangenheit mehrfach gesagt habe, dass sie mit den Betroffenen im Gespräch sei. Neulich etwa im jüngsten Bericht der «Limmattaler Zeitung», in dem bereits ein anderer Schrebergärtner die Kommunikation des Stadtrats kritisiert.

Verbindliche Kommunikation der Stadt Schlieren

Im damaligen Artikel hiess es von Seiten der Stadt, dass man mit Trindler diverse Gespräche geführt habe. Über den Inhalt des Gesprächs hat sich die Kommunikationsbeauftragte Astrid Romer detailliert geäussert: «Es wurde klar festgehalten, dass das erwähnte Familiengartenareal nicht vollständig aufgehoben werden soll. Das war nie die Absicht, da dem Stadtrat sehr bewusst ist, dass Familiengartenareale einen hohen Wert mit entsprechenden Qualitäten aufweisen, auch wenn die Flächen nur bedingt öffentlich zugänglich sind.»

Familiengarten Betschenrohr vom Dach des Bio-Technoparks aus gesehen.

Familiengarten Betschenrohr vom Dach des Bio-Technoparks aus gesehen.

Florian Niedermann

Solche Aussagen sind für Trindler offenbar nicht genug. Er schreibt: «Wir verstehen unsererseits unter einem Gespräch ein Treffen von Vertragspartnern, an welchem beide Seiten bemüht sind, verbindliche Aussagen zu machen, welche auch protokolliert werden (wie das in der Geschäftswelt eigentlich üblich ist).»

Trindler betont, dass er sich mit seiner Kritik an den Gesamtstadtrat wendet. So spricht er zum Schluss auch dieses Gremium an, wenn er fordert:

«Wir erwarten, dass sie ihr Versteckspiel aufgeben und es noch in diesem Herbst zu einem Gespräch kommt, im Sinne obiger Definition.»

Auf der Stadtverwaltung bestätigt man den Empfang des Briefs. Vom Stadtrat gibt es derzeit aber noch keine Stellungnahme. Er muss die Angelegenheit erst an der nächsten Sitzung besprechen.

Der Streit um den Richtplan

Darum geht es

Im Zentrum des Streits steht der kommunale Richtplan Siedlung und Landschaft, den das Schlieremer Parlament im Sommer beschlossen hat. Anwohner des Quartiers Zelgli und Schrebergartennutzer haben das Referendum dagegen ergriffen. Während sich Hausbesitzer Max Zollinger gegen eine Siedlung vor seiner Haustür wehrt, fürchten die Schrebergärtner um ihre Existenz. Sie glauben, dass ihnen die Stadt Schlieren künftig kein Land mehr für ihre Gärten zusprechen könnte. (lue)

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