Die Geschichte des 35-jährigen Kosovaren, der gestern vor dem Bezirksgericht Dietikon erschien, begann damit, dass er im Alter von sechs Jahren in die Schweiz kam. Dies im Rahmen eines Familiennachzugs, denn sein Vater lebte und arbeitete schon über zehn Jahre in der Schweiz.

Der Sohn absolvierte einen Deutschkurs, wurde in die dritte Primarschulklasse eingeschult und schien sich in seiner Wohngemeinde im Luzerner Rontal gut zu integrieren.
Der junge Einwanderer spielte im Fussballclub, engagierte sich später jahrelang als Angehöriger der lokalen Feuerwehr und wurde von seinem Arbeitgeber geschätzt.

Doch dann hatte er plötzlich die falschen Freunde um sich, wie er gestern gegenüber Einzelrichter Bruno Amacker angab. Und mit diesem neuen Freundeskreis kam der Kosovare auf den falschen Weg. Ein Auto-Unfall und eine fahrlässige Körperverletzung sind nur die Spitze des Eisbergs.

2014 widerrief das Migrationsamt des Kantons Luzern die Niederlassungsbewilligung. Zudem belegte ihn das Bundesamt für Migration mit einer Einreisesperre, geltend vom 25. Februar 2014 bis zum 24. Februar 2019. Der Mann, nunmehr 30 Jahre alt, musste zurück in den Kosovo. Seine beiden Söhne, der älteste 2010 geboren, blieben bei der Ex-Frau in der Schweiz.

Im Kosovo kam er zwar bei einem Onkel unter, aber nie richtig an. Er arbeitete zuerst in einem Callcenter des Schweizer Telekom-Anbieters Sunrise und später als Gerüstbauer, fühlte sich aber stets fremd im eigenen Land, wo ihm die Mischung aus viel Korruption und wenig Arbeitnehmerrechten zu schaffen machte.

Der Landesverweis begann zu wirken, der Mann kam zur Besinnung. «Ich will nichts mehr zu tun haben mit meiner Vergangenheit. Wir hatten nur dummes Zeug im Kopf. Ich war mir nicht darüber im Klaren, was ich mache. Gott sei Dank bin ich es mir heute bewusst», sagte er gestern zu Richter Amacker, in einer Mischung aus kosovarischem Akzent und breitem Luzernerdeutsch.

Die neue Reue machte den Aufenthalt im Kosovo nicht einfacher. Vor allem, als sein Sohn anrief. «Papi, du fehlst hier sehr», soll er gesagt haben. Dreimal beantragte er vergeblich ein Visum.

Am Geburtstag seines Sohns reiste der verlorene Vater dieses Jahr nachmittags über Chiasso ins Luzerner Rontal. Nach der Feier nahm ihn sein Bruder, der in Dietikon einen albanischen Verein besuchen wollte, mit ins Limmattal. Doch auf Unterengstringer Gemeindegebiet stand die Polizei zur richtigen Zeit am richtigen Ort und nahm den illegalen Schweiz-Rückkehrer mit auf den Posten in Urdorf. Von der dortigen Zelle wurde er in eine Zelle in der Stadt Zürich verlegt, ehe er das Land verlassen musste.

Fünf Monate Gefängnis verlangt

Die Staatsanwaltschaft hatte ihn per Strafbefehl wegen illegaler Einreise und illegalen Aufenthalts zu fünf Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Das Gericht verurteilte ihn nun wie vom Verteidiger verlangt nur wegen illegaler Einreise. Denn hätte die Polizei ihn nicht inhaftiert, hätte er das Land innerhalb von 24 Stunden wieder verlassen.

Anders als vom Anwalt verlangt, sprach das Gericht aber keine bedingte, sondern eine unbedingte Geldstrafe aus – 60 Tagessätze zu 30 Franken. Zudem muss er mehrere tausend Franken Verfahrenskosten zahlen. «Sie sind nicht gekommen um zu delinquieren. Und von der menschlichen Seite her können wir Sie gut nachvollziehen», sagte Richter Amacker.

Da der Beschuldigte aber eine behördliche Anweisung gebrochen hatte, könne man ihm keine günstige Prognose stellen. «An der Geldstrafe werden Sie noch eine Zeit nagen. Aber das ist vom Gesetzgeber so gewollt», machte Amacker zudem klar.

Um der Gerichtsverhandlung beizuwohnen, hatte der Mann ein mehrtägiges Visum erhalten. Nach seiner Rückkehr in den Kosovo muss er noch bis 24. Februar 2019 dort ausharren. Dann will er zurück in die Schweiz, bei seiner neuen Ehefrau im Aargau wohnen und als Gerüstbauer ein anständiges Leben führen.