Längst ist Dietikon eine Stadt. Doch an diesem Wochenende besann man sich auf seine Wurzeln und frönte der bäuerlichen Dorftradition: dem Erntedankfest, der «Sichlete». Sichlete in Dietikon bedeutete für 37 Jahre: Gemütliches Beisammensein mit Berner Platte und Ländlermusik.

Vor drei Jahren übernahm eine neue Generation die Organisation des Traditionsanlasses von der Trachtengruppe. Das junge Team um Florian Hunsperger hatte zum 40-Jahr-Jubiläum der Sichlete einen Geistesblitz: Warum nicht die Metzgete, einen weiteren Brauch, der nicht mehr vom Turnverein durchgeführt wurde, an der Sichlete wiederbeleben?

300 Besucher

Gedacht, getan. Auf dem Zentralschulhausplatz erwarteten die Organisatoren am Freitagabend zur Metzgete, die die Sichlete Dietikon nun umfasste, 250 Besucher. Gekommen sind über 300. An der Metzgete wurden Teile vom Schwein gegessen, die sonst nicht verwertet wurden. Othmar Gut von der Metzgerei Hildebrand lieferte 80 Kilo Rösti, 15 Kilo Leberli, 35 Kilo Gnagi, 20 Kilo Leberwurst, 60 Kilo Blutwurst und 100 Bratwürste. «Freude am Anlass ist unser Erfolgsrezept», sagte Gut stellvertretend für sein Küchenteam.

Rund 110 freiwillige Helfer sind am ganzen Sichlete-Wochenende im Einsatz. Unter ihnen ist auch die Lokalprominenz wie Alt-Stadtrat Jean-Pierre Balbiani und einige Gemeinderäte vertreten. Am Freitagabend nahm Pia Siegrist, Präsidentin der Stadtjugendmusik Dietikon, Bestellungen entgegen. Ihr Mann, der Dietiker CVP-Stadtrat Reto Siegrist, servierte zusammen mit dem Bergdietiker Marc Wenger verschiedene Liköre aus der Innerschweiz. «Wir sorgen für eine gute Verdauung», sagte Siegrist und lobte die Liebe zum Detail beim Tischdekor.

Für das Dekor war OK-Mitglied Barbara Vogel zuständig. Dieses Jahr entschied sie sich für das Thema «Waschen wie anno dazumal» und konnte auf die Sammlung ihrer Mutter zurückgreifen. Alte Bügeleisen, Waschbrett und Waschstössel erinnerten an frühere Zeiten. Selbstgestrickte Miniatur-Shirts über Erika-Blumen zierten die Tische.

So schön wie Chalä Chilbi

Das Schwyzerörgeli-Trio «Vollgas» sorgte mit Ländlermusik für Stimmung am Freitagabend. Es wurde beim Tischnachbar eingehakt, gemeinsam geschaukelt und mitgesungen. Auch Techno-Hits wurden lüpfig interpretiert: «Freedom» von DJ Bobo klang auf einmal urchig. Die SVP-Gemeinderätin Karin Dopler sagte: «Meine 83-jährige Mami schwärmte heute gerade: Die Sichlete sei ein Jahrestreffpunkt, so schön wie die Chalä Chilbi». Sie genoss zusammen mit Stefan Schmucki, dem Inhaber der Zeus Music Bar, die ausgelassene Gemütlichkeit.

«Sichlete, das ist Heimatgefühl, Tradition und Menschen treffen, die man sonst das ganze Jahr nicht sieht», sagte die Dietikerin Sonja Giannachi. Venanzio Deflorin war da wegen alten Kollegen: «Dieser Anlass ist etwas Einmaliges», sagte er. Die Präsidentin der Trachtengruppe, Astrid Dätwyler, welche die Sichlete lange präsidierte, fand: «Die Sichlete entspricht einem Bedürfnis, sie wächst». Das Interesse sei überwältigend, bilanzierte auch OK-Präsident Hunsperger. Übers ganze Wochenende, an dem übrigens auch die Dietiker Chilbi stattfand, sind über 1000 Besucher gekommen.

Die AZ war vor Ort und befragte die Gäste, was sie davon halten, dass die Dietiker Sichlete jetzt auch eine Metzgete umfasst. Hier sehen Sie einige der Antworten