Schlieren

«Stadtplatz funktioniert», sagt der Kanton und kontert Vorwürfen

Wird die Ausfahrt aus der Bahnhofstrasse Schlieren in den späteren Kreisel gesperrt?

Wird die Ausfahrt aus der Bahnhofstrasse Schlieren in den späteren Kreisel gesperrt?

Mit Pascal Kern wagte sich der Leiter Infrastruktur beim Amt für Verkehr nach Schlieren, um den Zentrumsplatz zu präsentieren. Dafür werben müsse die Politik, er könne aber sagen, dass der Stadtplatz kein Stau bringe.

Er wagte sich in die Höhle des Löwen. Pascal Kern, Leiter Infrastrukturplanung bei der Zürcher Volkswirtschaftdirektion. Er war vom Gewerbeverein nach Schlieren eingeladen, um die umstrittenen Pläne seines Amts für Verkehr im Schlieremer Stadtzentrum zu präsentieren.

Gewerbevereins-Co-Präsident Thomas Landis hatte ihm vorgängig erklärt, dass er auf kritische Vereinsmitglieder treffen werde. Landis hatte nicht übertrieben, doch Kern war vorbereitet und Landis war um Sachlichkeit bemüht - und am Ende gabs versöhnlichen Applaus.

Ausbau der Bernstrasse

Pascal Kern stellte am Donnerstagabend zunächst die Bernstrasse - eine Kantonsstrasse - als wichtige Umfahrungsstrasse für die Stadt Schlieren ins Zentrum seiner Ausführungen. Damit sollen die Quartiere von Verkehr geschützt werden. Der zunehmende Verkehr soll auch in Zukunft über die Bernstrasse abgewickelt werden. Es bestünden Kapazitäten, aber nicht in alle Zukunft, so Kern.

Es braucht laut Kern deshalb Massnahmen: Die Kapazität der Bernstrasse will der Kanton ausbauen, nicht nur auf der Engstringerkreuzung sondern auf drei weiteren, was gemäss Kern einer Kapazitätssteigerung um 50 Prozent entspreche. Ein Teil werde realisiert, bevor mit dem Bau des Stadtplatzes 2014 begonnen werde.

Zudem: Die regionale Verkehrssteuerung mit zwei Eingangspfortenanlagen (Schönenwerd, Mülligen) auf der Zürcher-/Badenerstrasse lenke den Verkehr auf die Bernstrasse. Weil nun noch die Limmattalbahn auch die Achse Zürcher-Badenerstrasse gelegt werden soll, müsse darauf geachtet werden, dass die neuralgischen Verkehrsknoten keine Kapazität verlieren.

Damit wird laut Kern der Stadtplatz zu einem Schlüsselpunkt. Hier treffen die Interessen des Kantons für einen flüssigen Verkehr auf jene der Stadt Schlieren für ein fussängerfreundliches Zentrums. Das Resultat: Ein einspuriger Kreisel auf dessen Innenfläche eine Haltestelle der Limmattalbahn und zwei Bushaltestellen zu liegen kommen, liegt als Plan derzeit im Stadthaus Schlieren auf.

Eile sei angebracht

Doch warum die Eile? Der Platz dient laut Kern allen Verkehrsteilnehmern - Auto, öffentlicher Verkehr, Fussgängern - und soll deshalb schnell realisiert werden. Zudem beteiligt sich der Bund mit 35 Prozent an den Kosten, wenn das Projekt innerhalb des Agglomerationsprogramms realisiert wird. Die Gelder für die Projekte müssen mit hoher Wahrscheinlichkeit der Kantonsrat bewilligen. Die Gestaltung des Stadtplatzes (ohne Verkehr) kosten die Stadt veranschlagte 8 Millionen Franken.

"Der Stadtplatz funktioniert", so Kern und konterte damit der bisherigen Hauptkritik aus Wirtschafts- und Gewerbekreisen, die Stau und damit eine Beeinträchtigung ihrer Geschäftsinteressen befürchten.

"Der Stadtplatz kann den Verkehr schlucken", so Kern. Das hätten alle Berechnungen gezeigt. Etwas Stau gebe es nur während einer kurzen Zeit zwischen 17.15 und 18 Uhr. Den brauche es sogar ein Stück weit, um den Verkehr einmal mehr auf die Bernstrasse zu zwingen.

Der Bau der verschiedenen Verkehrsmassnahmen ist laut Kern flexibel. Die Bernstrassenkapazität werde etwas ausgebaut bevor der Stadtplatz erstellt wird. Danach können Limmattalbahn und Engstringerkreuzung zeitlich aufeinander abgestimmt werden, sodass nicht zwei grosse Baustellen Schlieren beeinträchtigen. Kern endete mit der Feststellung, dass die Verkehrsvorhaben einer Chance für Schlieren bedeuten.

Auftritt der Kritiker

Die Kritiker des Stadtplatzes kamen zu ihrem gewünschten Auftritt: FDP-Gemeinderat Markus Weiersmüller erklärte einmal mehr, dass der Kreisel nicht funktioniert. Detaillistenpräsident Philipp Locher wollte explizit wissen, ob der Stadtrat eine Sperrung der Bahnhofstrasse wünschte, was seine Vereinigung vehement bekämpft. Pascal Kern bestätigte dies.

Eine Sperrung der Einfahrt vom Kreisel in die Bahnhofstrasse habe der Stadtrat gewünscht, erklärte der anwesende Stadtpräsident Toni Brühlmann, nicht aber eine Sperrung der Ausfahrt in den Kreisel. Kern wies explizit auf die Mitwirkungsmöglichkeit im Rahmen der Planauflage hin. Einsprachen sind also möglich.

Schlierens Stadtpärsident Brühlmann hatte bereits während der der Präsentation vorausgegangenen eigentlichen Generalversammlung des Gewerbevereins erklärt: "Wir wollen kein Gewerbe verhindern. Wir wollen einzig das Zentrum lebenswerter machen und unsere Probleme auf eine gute Art lösen." Das Projekt Stadtplatz sei eine historische Chance.

"Wenn wir jetzt unser Image ablegen wollen, dann dürfen wir uns nicht zerfleischen, ob der Kreisel ein- oder zweispurig läuft. Wir müssen den Mut haben zum Projekt, das auf ausführlichen Berechnungen basiert." Historisch ist die Chance, weil der Kanton Zürich im Zusammenhang mit dem Bau der Limmattalbahn jetzt Hand für eine Neugestaltung des Zentrums bietet und der Bund sich finanziell beteiligt.

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