Dietikon
Stadtrichter zum Littering-Fall: «Es war eine Zigarette, kein Zältlipapier»

Der Rentner Erich Lüscher wehrte sich gegen eine Busse von 250 Franken, die er wegen Litterings zahlen sollte. Er sagt, er habe ein Zältlipapier nicht wieder aufheben können, weil ihm ein Polizist zuvor kam. Das Stadtrichteramt dementiert dies.

Florian Niedermann
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Erich Lüscher sagt, er habe keine Zigarette weggeworfen, sondern es sei ihm ein Zältlipapier runtergefallen.

Erich Lüscher sagt, er habe keine Zigarette weggeworfen, sondern es sei ihm ein Zältlipapier runtergefallen.

Florian Niedermann

Die Geschichte des Dietiker Rentners Erich Lüscher wirft hohe Wellen. Der 76-Jährige wehrte sich dagegen, 250 Franken bezahlen zu müssen. Von einem Beamten der Stadtpolizei bekam er eine Busse aufgebrummt, weil er Abfall zu Boden geworfen haben soll. Lüscher sagt, er habe das fragliche Zältlipapier wieder aufheben wollen, allerdings habe der Polizist so schnell reagiert, dass er keine Gelegenheit dazu hatte. Auf der Website der Limmattaler Zeitung empörten sich viele Leser über das Verhalten der Stadtpolizei.

Stadthalter meldet sich zu Wort

Im Fall Lüscher meldet sich nun auch das Statthalteramt zu Wort. Im Zeitungsartikel bezüglich des «Litteringvorfalles» vom Donnerstag wurde Erich Lüscher dahin gehend zitiert, dass er eine Entschuldigung des Statthalters erwartet. «Ich möchte an dieser Stelle festhalten, dass ich in keiner Art und Weise in diesen Fall involviert war. Mir ist die Angelegenheit lediglich aus der Zeitung bekannt», sagt Statthalter Adrian Leimgrübler auf Anfrage. Aus dem Artikel könne man schliessen, dass Lüscher in seinem Schreiben an die Stadt eine Aufsichtsbeschwerde erhoben habe. Damit wäre gemäss § 12 des Bezirksverwaltungsgesetztes das Statthalteramt zuständig, so Leimgrübler. «Weder die Stadträte Otto Müller und Heinz Illi noch das Stadtrichteramt sind jedoch in dieser Sache auf mich zugekommen.» Zum Sachverhalt, so wie er im Artikel wiedergegeben wurde und wie er darin von den zuständigen Stellen unwidersprochen geblieben sei, könne er sagen, dass das Verfahren mit einer Einstellung hätte enden müssen, beziehungsweise dass die Busse zu Unrecht erlassen wurde, sagt der Statthalter. Denn das unbeabsichtigte Fallenlassen eines Gegenstandes könne nicht gebüsst werden. «Der Vorwurf, jemand habe dies absichtlich getan, müsste in einem ordentlichen Verfahren dem Beschuldigten nachgewiesen werden», so Leimgrübler.

Zältlipapier oder doch Zigarette?

Nun reagiert das Stadtrichteramt: Es dementiert Lüschers Aussage. «Nach Rücksprache mit der Polizei und gemäss dem Original des ausgestellten Bussenzettels hat Herr Lüscher am 9. Juli eine Zigarette weggeworfen, und kein Zältlipapier», sagt Thomas Winkelmann, Stadtrichter und Leiter der Sicherheits- und Gesundheitsabteilung. Aussagen von Werkhofmitarbeitern, wonach Lüscher sie in der Vergangenheit am Bahnhof verschiedentlich um eine Zigarette gebeten habe, stützen diese Darstellung, erklärt er.

Weiter stellt Winkelmann auch Lüschers Aussage in Abrede, der fragliche Polizeibeamte habe ihn bei einem zufälligen Treffen dafür kritisiert, dass er die Stadt wegen der Busse angeschrieben hat. «Der Polizist sagt, dass ein solches Treffen nie stattgefunden habe», so Winkelmann.

Corpus Delicti spielt keine Rolle

Für den Tatbestand des Litterings spielt es keine Rolle, ob es sich im Fall Lüscher um ein Verpackungspapier oder um eine Zigarette handelte, sagt Winkelmann: «Grundsätzlich macht es keinen Unterschied. Aber wer eine Zigarette wegwirft, hebt diese in den seltensten Fällen auf. Da wären empörte Reaktionen der Öffentlichkeit wohl ausgeblieben.»

Mit den Aussagen des Stadtrichteramts konfrontiert, reagiert Lüscher enttäuscht: «Die Darstellung des Polizisten und der Werkhofmitarbeiter ist nicht richtig. Ich bin seit Jahren Nichtraucher und leide unter chronischer Bronchitis.» Er habe nie Zigaretten von Werkhofangestellten erhalten, so Lüscher. Dass das Stadtrichteramt den Aussagen des Polizisten Glauben schenkt, wonach das zufällige Treffen nie stattgefunden habe, erzürnt ihn: «Klar, einem Mann in Uniform glaubt man eher als einem alternden Bürger.»

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