Limmattaler Schulen
Stosslüften und Lüftungssimulatoren helfen durch die Pandemie

Es braucht in Coronazeiten viel frische Luft in den Schulzimmern: Die Schulen im Limmattal wenden unterschiedliche Methoden an.

Carmen Frei
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Bei der Kantonsschule Limmattal kann auf die gute Mitarbeit der Schülerinnen und Schüler gezählt werden. (Archivbild: 1.4.2020)

Bei der Kantonsschule Limmattal kann auf die gute Mitarbeit der Schülerinnen und Schüler gezählt werden. (Archivbild: 1.4.2020)

David Egger

Die Corona-Aerosole sollen in den Limmattalern Schulzimmern keine Chancen erhalten. Darum heisst es in den Schulen: Regelmässig lüften.

Probleme bereitet dies an der Kantonsschule Limmattal in Urdorf nicht, wie Rektor Werner De Luca sagt. «Unsere Schülerinnen und Schüler sind bereits in einem Alter, in dem sie verständnisvoll und pflichtbewusst mithelfen.» An der Schule sei zudem das vorhandene Belüftungssystem stärker eingestellt worden. Und das gesamte Haus werde regelmässig gelüftet.

«Die Kippfenster in den Zimmern haben wir zeitweise sogar durchgehend offen», sagt De Luca. Zusätzlich zu den Kippfenstern im oberen Bereich der Räume werden die unteren Fenster regelmässig geöffnet. Nach jeder Lektion werde ebenfalls gelüftet, über Mittag werden die Zimmer zusätzlich zum Lüften durch ein externes Putzinstitut gereinigt. «Am Abend geht der Hausdienst dann durch das Haus und lüftet. Auch am Morgen – vor Unterrichtsbeginn – wird das Schulhaus durchlüftet», sagt De Luca.

Trotz der Kälte funktioniert das Lüften

«Ich glaube, bei uns läuft es gut», meint De Luca. Es gebe aber schon Schülerinnen und Schüler, die in der Jacke im Klassenzimmer sitzen. «Sie ziehen jeweils die Jacke kurz an, während gelüftet wird, und danach wieder aus», erklärt De Luca. Allgemein würden alle gut mitmachen. Somit könne die Luftqualität garantiert werden. Messgeräte brauche es zurzeit noch keine. «In dieser Hinsicht gibt es auch keinerlei Weisung von Seiten der Bildungsdirektion», erklärt De Luca.

«Es hustet in der Regel auch kaum jemand bei uns im Klassenzimmer», hält der Rektor weiter fest. «Schülerinnen und Schüler mit Symptomen kommen gar nicht erst zur Schule.»

Die Schulen sollen sich individuell schützen

Das Mittelschul- und Berufsbildungsamt verweist auf die Empfehlungen des Bundesamts für Gesundheit (BAG). Da die Voraussetzungen bei den Schulen überall anders seien, habe man sie aufgefordert, schulspezifische Schutzkonzepte zu entwickeln. Die Belüftung der Schulräume sei Bestandteil davon. Zudem würden die Schulen aufgefordert, Fragen zu den Lüftungsanlagen und dem Lüftungskonzept mit Experten für Raumluft beziehungsweise Lüftungstechnik zu prüfen.

Auf die individuellen Bedürfnisse der Schulen verweist auch das kantonale Volksschulamt. Die Verantwortung liegt in diesem Fall bei den Gemeinden. Auf der Website des Amtes wird daher nur darauf verwiesen, wie richtig gelüftet werden soll. Eine mögliche Hilfe ist der Lüftungssimulator Simaria, mit dem ein Plan für optimale Lüftung der Schulzimmer erstellt werden kann.

Der Lüftungssimulator als Alternative zum Messgerät

Miriam Rohner, Leiterin Bildung der Primarschule Oetwil-Geroldswil, verweist auf diesen Lüftungssimulator, der vom BAG online zur Verfügung gestellt wird. Bei der Schulleitungskonferenz sei beschlossen worden, dass für die optimale Luftqualität damit gearbeitet werde. Dass die Frage des Lüftens im Winter zusätzlich an Bedeutung gewinnt, bestätigt Rohner. Es gebe auf der Website des BAG ein Video mit Empfehlungen für Schülerinnen und Schüler.

Rohner findet es wichtig, dass gezielt gelüftet wird und nicht nach Gutdünken. «Ob man das mit einem Messgerät oder mit einer Berechnung macht – beide Varianten sind eine gute Sache», meint sie. Darum werde bei ihnen vorerst mit dem Lüftungssimulator gearbeitet. Die Anschaffung von Messgeräten schliesst sie nicht aus. «Im Moment gehen wir aber nach der Empfehlung des Volksschulamts vor», erklärt Rohner.

Die Schulglocken fungieren als Timer

Pier A. Chalfajew, Leiter Bildung der Schule Dietikon, setzt auch auf Lüften ohne Messgeräte: «Die Messgeräte sind für die Überprüfung der Luftqualität da. Mit regelmässigem Lüften können wir eine gute Luftqualität erreichen.» Ein Timer sei nicht nötig, dafür hätten sie die Schulglocken. Eine Nachrüstung mit CO2-Messgeräten sieht er kritisch, da sie mit hohen Auslagen verbunden wäre.

Laut Petra Loser, Leiterin Schulliegenschaften bei der Stadt Dietikon, ist beim neuen Kindergarten Steinmürli ein solches CO2-Messgerät eingebaut. «Bei Sanierungen wird dies in Betracht gezogen», sagt sie. Bei Neubauten und Sanierungen würden nach Möglichkeit zudem Lüftungen eingebaut.

«Durchlüften ist Priorität Nummer eins»

«Die Schüler sind auch leistungsfähiger, wenn frische Luft in den Zimmern ist», betont Chalfajew. Die Lehrpersonen hätten die Schulzimmer darum schon vor dem Coronavirus immer gelüftet. In den Wintermonaten würden die Schülerinnen und Schüler schneller sagen, dass es kalt sei. «Aber das Kälteempfinden ist etwas sehr Individuelles», meint er. Durchlüften sei im Moment einfach Priorität Nummer eins.

Die Forderung des kantonalen Lehrerverbands nach Lüftungsanlagen kann er nachvollziehen. «Das Einbauen von Lüftungen ist aber nicht überall zweckmässig», sagt er. Da es ein längerer Prozess sei, müsse überlegt werden, wo man in einem halben Jahr mit der Pandemie stehe. «Wir hoffen natürlich alle, dass sich die Situation bis dahin verbessert.»