Dietikon

Strassensperrung statt Tempo 30: So plant der Stadtrat die Schöneggstrasse

Der Dietiker Stadtrat ist gegen Tempo 30 auf der Schöneggstrasse. Aber eine Strassensperrung in einem gewissen Bereich soll den Durchgangsverkehr verbannen.

Die Schöneggstrasse in Dietikon soll zwischen Post- und Asylstrasse für Autos und Lastwagen unterbrochen werden, damit kein Schleichverkehr fliesst.

SP-Gemeinderat Manuel Peer hatte Ende vergangenen Jahres in einem Postulat ein weiteres Mal angeregt, dass auf der Schöneggstrasse Tempo 30 eingeführt wird. Und wie bereits 2002 und 2008 erteilt der Stadtrat dem Anliegen eine Abfuhr; doch diesmal klingt sie nicht ganz so definitiv.

Grundsätzlich sieht der Stadtrat nämlich Handlungsbedarf. Er favorisiert aber eine andere Massnahme als die Höchstgeschwindigkeit zu drosseln, wie seiner schriftlichen Antwort auf das Postulat zu entnehmen ist. Die 1800 Meter lange Strasse soll vielmehr zwischen den beiden Knoten Post- und Asylstrasse gesperrt werden.

So will der Stadtrat verhindern, dass die Schöneggstrasse zu einem Schleichweg wird. Denn nach dem Bau der Limmattalbahn könnte die Quartierstrasse als «parallele Ausweichroute zur Hauptroute Zürcherstrasse-Bremgartnerstrasse genutzt werden», befürchtet der Stadtrat.

Den westlichen Strassenteil entlasten

Die Schöneggstrasse soll aber als kommunale Sammelstrasse wie bisher überwiegend der Erschliessung der angrenzenden Quartiere dienen. Die Bewohner der Wohnquartiere sollen nicht mit zusätzlichem Durchgangsverkehr belastet werden. Damit der enge Verkehrsknoten Kirchplatz im Stadtzentrum nicht über die Schöneggstrasse umfahren werden kann, soll sie für Autos und Lastwagen unterbrochen werden. Für den Fuss- und Radverkehr bliebe die Schöneggstrasse aber weiterhin durchgängig begeh- und befahrbar, hält der Stadtrat fest.

Dies stuft auch Manuel Peer als «sehr gute Idee» ein. Damit würde der westliche Strassenteil nahe des Stadthauses merklich entlastet, sagt er auf Anfrage. Doch um auch die restlichen Wohnquartiere entlang der Schöneggstrasse aufzuwerten, sei Tempo 30 nötig.

Der Stadtrat gibt sich diesbezüglich zurückhaltend: Er sehe «die Einführung auf der gesamten Schöneggstrasse direkt im Anschluss an den Bau der Limmattalbahn nicht für sinnvoll an». Denn die Einführung der langsameren Geschwindigkeitslimite wäre mit aufwendigen baulichen Massnahmen verbunden. Zudem müsste ein Teil der bestehenden Fussgängerstreifen aufgehoben werden. Und der Bus bräuchte auf der Strasse rund eine Minute länger, womit nicht klar sei, ob die Anschlüsse noch eingehalten werden könnten.

Hohe Investitionen, hoher Gegenwert

Dass auf einer derart langen und bolzengeraden Strasse zahlreiche bauliche Massnahmen notwendig wären, damit die Autofahrer am Ende Tempo 30 einhalten, ist sich auch Peer bewusst. «Es müsste einiges investiert werden, aber der Gegenwert ist auch gross.»

So würde unter anderem der Schulweg – entlang der Schöneggstrasse liegen vier Schulhäuser und drei Kindergärten – für Schüler sicherer. Und dank weniger Lärm würde die Lebensqualität in den Wohnquartieren steigen, hebt Peer hervor.

Ganz schliesst der Stadtrat Tempo 30 an der Schöneggstrasse im Übrigen nicht aus. In einem zweiten Schritt könnte dies durchaus weiterverfolgt werden, hält er fest. Allerdings setzt er – sofern die befürchtete Zunahme des Durchgangsverkehrs überhaupt erfolgt – in einem ersten Schritt auf die Unterbrechung der Schöneggstrasse. Ob die angedachte Sperre zwischen der Post- und der Asylstrasse dauerhaft oder nur zeitweise erfolgt, ist noch offen. Doch für den Stadtrat ist klar, dass diese Massnahme wirkungsvoller als eine Tempo-30-Zone wäre: «Mit diesem Vorgehen kann die Sicherheit auf der Strasse und den dort verlaufenden Schulwegen allein schon durch die reduzierte Anzahl von durchfahrenden Fahrzeugen erhöht werden.»

Postulant Peer interpretiert diese Antwort als eine Art Dogmenwechsel: Der Stadtrat sei seit den letzten Wahlen nicht mehr grundsätzlich gegen die Einführung von Tempo 30. Im Fall der Schöneggstrasse wünschte er sich aber ein forscheres Vorgehen des Stadtrates. «Denn das tiefere Tempolimit hat nichts mit der Schleichverkehrproblematik zu tun, es ist ein Mittel, um die Lebensqualität in den Wohnquartieren zu erhöhen», sagt Peer. Ginge es nach ihm, dann würde er Tempo 30 ab sofort einführen – und nach dem Bau der Limmattalbahn die vom Stadtrat ins Spiel gebrachte Strassensperrung zusätzlich umsetzen.

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