Wahlvergleich

SVP Limmattal stoppt Negativtrend: «Die kantonalen Wahlen hatten uns die Augen geöffnet»

Rund 100 Personen waren am Sonnag im Dietiker Stadthaus im Einsatz, um alle Stimmen auszuzählen. Für die SVP kam ein höherer Wähleranteil zusammen als noch bei den Kantonsratswahlen im Frühling.

Während die SVP im Vergleich zu den Kantonsratswahlen im März ein gutes Resultat erzielt, stürzt die SP auch in diesem Vergleich ab.

Nach den nationalen Wahlen herrscht bei den einen Katerstimmung wegen der grossen Verluste und andere sind noch immer in Feierlaune. Doch ob man als Gewinner oder als Verlierer dasteht, hängt auch davon ab, welche alten Resultate zurate gezogen werden.
Vergleicht man die Resultate vom Sonntag mit den Nationalratswahlen 2015, hat die SP am Sonntag im Kanton Zürich 4,1 Prozent eingebüsst. Sie kommt nur noch auf einen Wähleranteil von 17,3 Prozent. 4 Prozent beträgt der Verlust der SVP, die mit 26,7 Prozent noch immer stärkste Kraft im Kanton bleibt. Über einen Zuwachs von 7,2 Prozent auf neu 14,1 Prozent jubelten die Grünen, neu auf 14 Prozent kommt die GLP dank einem Wählerzuwachs von 5,8 Prozent.

Dass es aber auch für vermeintliche Verlierer Grund zum Feiern gibt, zeigt ein Blick in die Ergebnisse der Kantonsratswahlen vom 24. März dieses Jahres. Vergleicht man die Zahlen von damals mit jenen von diesem Wochenende, steht plötzlich die SVP als Gewinnerin da. So erreichte sie im März im Limmattal einen Wähleranteil von nur 29,5 Prozent, derweil sie nun bei den eidgenössischen Wahlen im Limmattal 33,6 Prozent erreichte. Ein Plus von 4,1 Prozentpunkten.

«Die Resultate der kantonalen Wahlen hatten uns ganz klar die Augen geöffnet», sagt Rolf Wyssling. Der Co-Präsident der SVP Bezirk Dietikon verweist auf den grossen Einsatz, den die Nationalratskandidaten und Parteimitglieder mit Stand- und Flyeraktionen geleistet hätten. «Im Frühling waren wir weniger aktiv.» Zudem habe die Partei sicher auch von Ständeratskandidat Roger Köppel als Zugpferd profitiert. «Seine Anlässe im Limmattal waren sehr beliebt und brachten uns wieder ins Gespräch, obwohl unsere Themen wie Zuwanderung und Asylkosten niemanden hinter dem Ofen hervorlockten», so Wyssling. Im Dietiker Hotel und Restaurant Sommerau-Ticino habe man zum Beispiel einen Saal für rund 50 Personen gemietet, schliesslich seien rund 130 gekommen, um den «Weltwoche»-Chefredaktor zu sehen.

Veränderung der Wähleranteile der Limmattaler Parteien

Veränderung der Wähleranteile der Limmattaler Parteien

Neue Grünen-Sektion in Birmensdorf?

Auch die Partei, die national zu den Siegerinnen zählte, machte in der Region einen grossen Sprung nach vorne. Im März erzielten die Grünen im Bezirk Dietikon 6,2 Prozent Wähleranteil. Am letzten Sonntag waren es sogar 9,4 Prozent. «Eine eingehende Analyse haben wir nicht durchgeführt», sagt Dominik Ritzmann, Co-Präsident der Grünen Limmattal. Der Erfolg freue ihn sehr, man habe dafür auch grossen Einsatz geleistet. Beispielsweise seien mehr Standaktionen durchgeführt worden als im Vorfeld zu den Kantonsratswahlen. «An diesen nahmen auch der national bekannte Balthasar Glättli und Ständeratskandidatin Marionna Schlatter teil. Dies hat die Leute wohl auch motiviert, uns zu wählen.» Auch sei er der Klimajugend sehr dankbar für ihr Engagement, dank dem ein grosser Teil der Bevölkerung für Nachhaltigkeit sensibilisiert worden sei. Ganz überraschend kommt der Wählerzuwachs also nicht. So habe man auch einen markanten Anstieg von Neumitgliedern feststellen können. «Eines unserer Ziele ist es, wieder eine Sektion Birmensdorf aufzubauen», sagt er. Dazu passt, dass die Präsidentin der Schweizer Grünen, Regula Rytz, dieses Jahr in Birmensdorf die 1.-August-Rede hielt.

GLP verzeichnet seit März einen geringen Zuwachs

ie zweiten Wahlsieger, die Grünliberalen, konnten seit den kantonalen Wahlen im Bezirk lediglich 0,2 Prozentpunkte dazugewinnen. Im Frühling erzielten sie 12,48 Prozent, am vergangenen Wahlsonntag 12,66 Prozent. Verluste von unter einem Prozent sind bei der BDP, der AL, der EDU, der EVP und der CVP auszumachen.

Die Limmattaler FDP erzielte im vergangenen März ein Ergebnis, das um 2,1 Prozentpunkte besser war als jenes von letztem Sonntag. Dieser Rückgang ist jedoch gering im Vergleich zu jenem, den die SP hinnehmen musste. Diese verzeichnete nicht nur auf kantonaler und nationaler Ebene einen regelrechten Einbruch, sondern auch im Limmattal. Im März wählten noch satte 18,7 Prozent der Wähler in der Region rot. Nun, sieben Monate später, wandten sich 4 Prozent ab, sodass die SP nur noch auf einen Anteil von 14,7 kommt. «Das Wahlergebnis ist für uns nicht so katastrophal, wie es dargestellt wird. Klar hat die SP Stimmen verloren, doch gesamthaft hat das links-grüne Lager klar zugelegt», sagt dazu Sven Koller, Präsident der SP Limmattal. Er verweist auch darauf, dass seine Partei zu wenig deutlich habe aufzeigen können, dass sie für soziale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit einstehe.
Koller sagt, dass die beiden SP-Kandidatinnen Kerstin Camenisch aus Dietikon und Yvonne Apiyo Brändle-Amolo aus Schlieren eher einen umfangreicheren Wahlkampf betrieben hätten, als dies in anderen Wahljahren der Fall gewesen sei. Dies habe einen Effekt auf ihr Ergebnis: «In den Wohngemeinden der Kandidatinnen sind die Verluste im Vergleich zum März deutlich geringer.»

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