Aesch

«Switzerland’s next Topmodel»: Nayla Joy will vom Stall auf den Laufsteg

Die 21-jährige Aescherin hofft, mit der Teilnahme an der Casting-Show ihrem Traum von einer Modelkarriere einen Schritt näherzukommen. Begeistert ist sie aber nicht nur vom Modeln, sondern auch von ihrem Pferd und ihrem Pony.

Regentropfen fallen auf den Asphalt, Regenschirme strömen durch die Bahnhofstrasse in Zürich. Nayla Joy Dubs schreitet über das Tramtrassee, als wäre es ein Laufsteg. Mit ihrer wallenden Mähne und den Batik-Jeans zieht die 21-Jährige viele Blicke auf sich. «Es würde wohl niemand denken, dass ich heute Morgen um 6 Uhr im Pferdestall stand, um auszumisten», sagt sie und lacht. Eigentlich sei sie ein Landei und laufe lieber in Reithosen und -stiefeln rum. «Doch manchmal habe ich auch Lust, mich so richtig aufzustylen», sagt Dubs.

Ihre Wandelbarkeit stellt die Aescherin heute Abend in der ersten Folge der zweiten Staffel von «Switzerland’s next Topmodel» auf Pro Sieben Schweiz unter Beweis. Sie ist eine von 20 Kandidatinnen und Kandidaten. In der Sendung sucht Moderatorin und Model Manuela Frey mit Influencerin Zoë Pastelle und wechselnden Gastjuroren nach Modelnachwuchstalenten. Dubs ist bereits die zweite Kandidatin, die aus der Limmattaler Gemeinde Aesch stammt. Die Aescherin Vivienne Oesch war bei der ersten Staffel mit dabei. «Es hat wohl mit der Landluft und den Kühen zu tun», erklärt Dubs die Modeldichte im kleinen Dorf und schmunzelt.

Es ist nicht das erste Mal, dass sie an einer Casting-Show teilnimmt. Anfang Jahr versuchte sie, Heidi Klum bei «Germany’s next Topmodel» von sich zu überzeugen. Sie schaffte es jedoch nicht über die Top 40 hinaus. Kein Grund für Dubs, klein beizugeben. «Ich habe die erste Staffel von ‹Switzerland’s next Topmodel› verfolgt und das Format sagte mir zu, deshalb bin ich ans Casting der zweiten Staffel gegangen.» Als sie eine Zusage erhielt, überkamen die Aescherin jedoch Zweifel. «Meine beste Freundin musste mich schliesslich dazu überreden.»

Rückblickend eine gute Entscheidung: «Es war eine tolle Erfahrung. Die Dreharbeiten haben mir im Vergleich zu ‹Germany’s next Topmodel› viel besser gefallen. Es war familiärer, das Modeln stand im Vordergrund und nicht etwa Streitereien und Zickendramas.» Man habe sich Zeit für die Kandidaten genommen. «Ich war keine Nummer wie in Heidi Klums Sendefabrik.»
Zudem sei sie beim Schweizer Format ganz anders an die Sache herangegangen. «Ich habe mich nicht so unter Druck gesetzt und sehr wenigen Leuten davon erzählt. Nur meine Familie und einige Kollegen wussten davon.» Die Reaktion ihrer Mutter sei herrlich gewesen: «‹Oh je, schon wieder? Was kommt als Nächstes? ‹Deutschland sucht den Superstar›?, hat sie mich gefragt, als ich ihr davon erzählte.» Doch auf die Unterstützung ihrer Mutter könne sie zählen. Mit ihr wohnt Dubs seit ihrer Geburt in Aesch. «Ich kann mir nicht vorstellen, nach Zürich in die Stadt zu ziehen. Ich liebe das Landleben, die Natur und die Ruhe in Aesch.»

Seit über zehn Jahren aktiv im Reitsport

Dubs und ihre Mutter sind Pferdenärrinnen. «Meine Mutter hat zwei Pferde, ich besitze ein Pferd und ein Pony.» Ihre Ponystute Qualinka und der Vollblut-Wallach Don Jeumont sowie die Tiere der Mutter leben bei Dubs’ Grosseltern auf einem Bauernhof einige Dörfer weiter in Ottenbach. «Einen grossen Teil meiner Freizeit verbringe ich dort mit meinen Tieren. Ich pflege und trainiere sie.» Dubs reitet, seit sie sieben Jahre alt ist. Mit elf Jahren begann sie mit dem Springsport. «Vor einem Jahr wechselte ich zum Military-Reiten, bei dem die Disziplinen Dressur, Geländeritt und Springen geprüft werden.» Das laufe nicht schlecht. In den vergangenen zwei Monaten habe sie zweimal den vierten Platz an nationalen Turnieren erreicht. «Der Wettkampf auf nationaler Ebene macht Spass. Doch der internationale Sport ist nichts für mich», sagt Dubs. Früher hätte sie alles dafür gegeben, international erfolgreich zu sein. «Doch als mir klar wurde, dass auf diesem Level das Tier nur noch als Maschine betrachtet wird und nicht mehr Pferd sein darf, habe ich das für mich abgehakt.»

Die gelernte Kauffrau arbeitet derzeit als Online-Marketing-Managerin im Social-Media-Bereich. «Ich produziere Bilder für Kunden und kümmere mich um ihre Instagram-Profile», sagt Dubs. Bevor sie nämlich Gefallen am Modeln fand, stand sie lieber hinter der Kamera und fotografierte mit ihrer Spiegelreflexkamera. Gleichzeitig baute sie sich ein zweites Standbein als Model auf. «Das Modeln ist mein Traumberuf», ist sich die 21-Jährige sicher. Dieser Traum hat seinen Ursprung darin, dass sie mit 16 Jahren von einem Fotografen entdeckt wurde. Unterdessen steht sie bei einer Agentur unter Vertrag. Jüngst hat sie in einem Musikvideo des Dietiker Rappers Xen und des Luzerner Rappers Mimiks mitgewirkt. Das Resultat wird Ende November veröffentlicht.

Mobbing und Drohungen in der Schule

Die Teilnahme an der Casting-Show sieht Dubs als Sprungbrett. Am Modeln reizen sie das Reisen und der Kontakt mit ganz unterschiedlichen Menschen. «Es ist zudem toll, das Gesicht einer Marke zu sein», findet sie. Die Tätigkeit habe ihr aber auch über schwierige Zeiten in ihrem Leben hinweggeholfen und ihr Selbstvertrauen gestärkt. «In der Schule wurde ich wegen meines Aussehens oft gemobbt, bis hin zu persönlichen Drohungen», erzählt Dubs. Sie litt deswegen an Depressionen. Das habe sie jedoch stärker gemacht. «Ich bin dankbar für das, was ich erlebt habe. Das hat mich zu der Person gemacht, die ich heute bin.»

Was die Leute von ihr halten, ist Dubs mittlerweile egal. «Jede Castingerfahrung ist eine Lebenserfahrung. Man kommt in einen Raum, in dem sich 200 andere Models befinden, die teilweise grösser, vielleicht auch schöner sind. Es ist wichtig, dass einen das nicht einschüchtert und man trotzdem weiss, wer man ist.» Etwas nervös ist sie vor der Ausstrahlung der ersten Folge heute Abend trotzdem. «Ich habe bisher nichts gesehen ausser den Trailer. Es ist für mich noch nicht real. Ich bin gespannt, ob ich authentisch rüberkomme.» Die neue Staffel ist bereits abgedreht. Wie gut sich Dubs geschlagen hat, darf sie nicht verraten. Sie sagt nur so viel: «Die Teilnahme hat sich gelohnt.»

Autor

Sibylle Egloff

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