Schlieren

Trotz Fällung: Die Blutbuche bleibt ein Politikum

Am 25. Juni wurde die Schlieremer Buche gefällt.

Die Schlieremer SVP wirft die Frage auf, ob der Stadtrat in Eigenregie Geld für die Rettung der Blutbuche ausgeben durfte.

Dass bei der ehemaligen Ringstrasse noch vor wenigen Wochen einer der wohl schweizweit bekanntesten Bäume gestanden hat, davon zeugt nur noch ein verwuchertes Loch im Asphalt. Am 25. Juni wurde die Blutbuche, die im letzten Jahr aufwendig versetzt wurde, gefällt, da sie allmählich abstarb. Der Baum ist nun zwar weg, aber politisch ist die Sache noch nicht erledigt.

Der Schlieremer Stadtrat hat seine Antwort auf die Kleine Anfrage des SVP-Gemeinderates Hans-Ulrich Etter. Für ihn steht fest: «Die ganze Sache war eine Verschleuderung von Steuergeldern sondergleichen.» So hätten auch die Aktivistinnen und Aktivisten, die sich für den Erhalt eingesetzt hatten, eine Sammelaktion durchführen können, wie er sagt. «Deren Geld wäre sehr willkommen gewesen.»

Im Juni wurde die Schlieremer Blutbuche gefällt:  

Weiter betont er, dass es sich um ein Wahljahr gehandelt habe, in dem sich Politiker von ihrer besten Seite zeigen wollen. Dabei denkt er besonders an den damaligen Bauvorstand und heutigen Stadtpräsidenten. «Dass Markus Bärtschiger sich als Baumretter präsentieren konnte, brachte ihm sicherlich einige Stimmen», sagt Etter über den Sozialdemokraten.

Zurück zum Vorstoss: Im Rahmen seines Fragenkatalogs wollte Etter Grundsätzliches in Erfahrung bringen. Und zwar, ob dem Kanton bekannt gewesen sei, dass die Blutbuche auf dessen Land verpflanzt worden ist, ohne eine Bewilligung einzuholen. «Im Vorfeld wurden entsprechende Abklärungen getroffen und der Kanton war in Zusammenhang mit der Abmachung zur Gebrauchsleihe stets im Bild», schreibt der Stadtrat. Im Wesentlichen habe die Abmachung darin bestanden, dass der Kanton nicht für die Pflege sorgen muss.

Auch hatte der Baum keinerlei Einfluss auf die Abtretungsverhandlungen, die derzeit zwischen der Stadt Schlieren und dem Kanton laufen. Dabei geht es um den ausser Betrieb genommenen Abschnitt der Badenerstrasse, der dem Schlieremer Stadtpark zugeführt werden soll.

Da er seinen Vorstoss im April einreichte, als die Öffentlichkeit noch über den Gesundheitszustand des Baums rätselte, erkundigte er sich konkret nach den Überlebenschancen, die der Stadtrat in seiner Antwort von dieser Woche naheliegenderweise als schlecht beurteilt.

Etter wollte den finanziellen Aspekt beleuchten und fragte, was denn alles unternommen worden sei, um die Überlebenschancen zu erhöhen und so die damit verbundenen Aufwendungen aus Steuergeldern zu schützen. Gewiss nicht wenig. Neben Bodenmesssensoren, die im Juni vergangenen Jahres installiert wurden, wurde auch ein Baumpflegeexperte konsultiert. Zudem stand der Baum unter konstanter Beobachtung der Mitarbeiter des Bereichs Grünunterhalt der Stadt. Als der Stadtrat Ende Mai entschied, die Blutbuche zu fällen, sei die Überlebenschance als sehr gering eingeschätzt worden. Obwohl kurz vor der Fällung noch ein Angebot vonseiten eines Privaten an die Stadt herangetragen wurde, wonach ein letzter Versuch zur Rettung hätte unternommen werden sollen, hielt der Stadtrat an der Fällung fest.

70'000 Franken für den populären Baum

Insgesamt gab die Stadt im vergangenen Jahr knapp 44'000 Franken für die Versetzung aus, 2017 beliefen sich die Kosten auf 5400 Franken, da ein Fachgutachten eingeholt wurde. Für die Pflege des Baums gab die Stadt zudem 2018 rund 10'600 Franken und 2019 rund 6000 Franken aus. Für das Fällen kamen nochmals 4000 Franken hinzu. Alles in allem: 70'000 Franken.

Etter erwartete solche Antworten des Stadtrates. Besonders ins Auge gestochen seien ihm die Gesamtkosten von 70'000 Franken. «Die Finanzkompetenz eines Ressortvorstandes für einmalige und nichtbudgetierte Ausgaben beträgt 40'000 Franken pro Jahr. Dass sich die Ausgaben so nahe am Maximalwert von 80'000 Franken für zwei Jahre bewegen, ist wohl kein Zufall», sagt er. Immerhin: Der Beteiligungsbetrag von 25'000 Franken, der von der Limmattalbahn AG in Aussicht gestellt wurde, sei geleistet worden.

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