Dietikon

«Unterschiedliche Vorstellungen und Erwartungen»: Stadt hat Polizeichef per sofort freigestellt

Suchen eine neue Chefin oder einen neuen Chef für eine moderne Stadtpolizei: Michael Weber, Leiter Sicherheitsabteilung, und Stadtrat Heinz Illi (EVP).

Suchen eine neue Chefin oder einen neuen Chef für eine moderne Stadtpolizei: Michael Weber, Leiter Sicherheitsabteilung, und Stadtrat Heinz Illi (EVP).

Der Chef der Stadtpolizei Dietikon muss gehen. Man war sich nicht einig, wie eine moderne Polizei arbeiten soll.

Die Dietiker Stadtpolizei und ihr Chef haben sich getrennt: Der Stadtrat hat das Arbeitsverhältnis mit Rolf Wohlgemuth beendet. Bereits per 18. Juni vollzog er den Abgang. Er wurde für die Dauer der Kündigungsfrist freigestellt. Schon 16 Jahre lang stand Wohlgemuth im Einsatz für die Stadtpolizei des Bezirkshauptorts.

Die Personalie lässt im Limmattal aufhorchen: Im Januar hatte die Gemeinde Uitikon ihrem Dorfpolizisten nach über zwei Jahrzehnten gekündigt; er soll Bussengelder in den eigenen Sack gesteckt haben. «Beim Abgang des Dietiker Polizeichefs, der im gegenseitigen Einvernehmen erfolgte, geht es nicht um Strafrechtliches oder dergleichen, das versichere ich», sagt Heinz Illi (EVP), seit 13 Jahren Stadtrat und fürs Ressort Sicherheit und Gesundheit zuständig.

Hinter dem Bruch mit dem Polizisten stecken offenkundig Strategie- und Führungsfragen. «Unterschiedliche Vorstellungen und Erwartungen über eine moderne und bürgernahe Führung der Stadtpolizei haben eine weitere Zusammenarbeit zwischen dem Polizeichef und der Stadt verunmöglicht», heisst es in einem gestern verschickten Communiqué des Stadtrats.

Direkter Vorgesetzter von Wohlgemuth war Michael Weber, der seit Mai 2017 als Leiter der Sicherheits- und Gesundheitsabteilung arbeitet. Mit ihm ist der Stadtrat sehr zufrieden. Weber, Illi und Polizeichef Wohlgemuth hatten unterschiedliche Auffassungen davon, wie eine moderne Polizei arbeiten soll.

«Die Polizeiarbeit verändert sich ständig. Man muss offen sein für Neues und sich weiterentwickeln», sagt Illi. Und: «Die 24-Stunden-Gesellschaft ist auf dem Vormarsch, da muss sich die Polizei ganz anders organisieren. Das Leben verändert sich schnell, das gilt auch für den Polizeialltag. Es braucht moderne Arbeitsmittel und moderne Polizisten, die sich spezialisieren. Wir haben ein relativ junges und innovatives Team. Ich spüre den Drive und höre viele neue Ideen, wenn ich durchs Büro gehe.» Es sind Ideen, die bisher einer Umsetzung harren mussten. Vor diesem Hintergrund sei nun definitiv klar geworden, dass der Polizeichef ersetzt werden müsse, sagt Illi.

Dem Ex-Chef Wohlgemuth dankt die Stadt für seine Dienste und wünscht ihm alles Gute. Die Stelle als Polizeichef wird die Stadt demnächst öffentlich ausschreiben. Auch interne Bewerbungen sind möglich. Zurzeit leiten die beiden Gruppenchefs Patrik Marty und Patrick Tommer die Stadtpolizei. Für die Auswahl des definitiven neuen Chefs will man sich Zeit lassen. Denn «das Dümmste wäre jetzt ein Schnellschuss», sagt Illi. Herausforderungen für die neue Polizeiführung werden neben der 24-Stunden-Problematik mit der Durchsetzung der Nachtruhe auch die Überarbeitung der Parkierverordnung und der Polizeiverordnung sowie das Verkehrskonzept während der Bauzeit der Limmattalbahn und das Problem aufheulender Motoren auf den Dietiker Strassen.

Sesselrücken in den Chefetagen

Mit Wohlgemuth verlässt eine weitere Führungskraft die Stadt Dietikon. Im laufenden Jahr wechselte bereits die Leitung der Infrastrukturabteilung, der Finanzabteilung und der Sozialabteilung. Bereits 2018 konnte die Leitung der Schulabteilung neu besetzt werden und 2017 wie erwähnt jene der Sicherheits- und Gesundheitsabteilung. Noch offen sind zwei weitere hohe Leitungsfunktionen: So ist derzeit das Stadtschreiber-Büro leer, nachdem Karin Hauser einen Karriereschritt vollzog und per 1. Juni von Regierungsrätin Carmen Walker Späh (FDP) als stellvertretende Generalsekretärin der kantonalen Volkswirtschaftsdirektion angestellt wurde. Ebenso ist noch offen, wer künftig das Alters- und Gesundheitszentrum (AGZ) führen soll, nachdem Christoph Schwemmer im Frühling pensioniert wurde und seine Nachfolgerin noch während der Probezeit kündigte. «Das AGZ wird derzeit von einer Springerin geleitet. Eine definitive Nachfolge soll nächstens kommuniziert werden», sagt der stellvertretende Stadtschreiber Arno Graf, der letztes Jahr auf Uwe Krzesinski folgte, der Gemeindeschreiber im Aargau wurde. Stadtarchitekt Peter Baumgartner ist der einzige Abteilungsleiter, der seit mehreren Jahren im Amt ist. Er leitet die Hochbauabteilung seit 2012.

Auch eine Ebene unter den Abteilungsleitungen werden Führungskräfte heiss diskutiert. So haben zuletzt an der Schule Luberzen 13 Lehrkräfte gekündigt. Ein massgeblicher Teil davon war nicht zufrieden mit der neuen Schulleitung.

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