Grossregionen

Warum das Limmattal und das Säuliamt nicht zueinanderfinden

Drohnenflug über das Limmattal für das Sommerquiz der "Limmattaler Zeitung". Im Bild: Blick auf Geroldswil mit der Autobahn A1 im Vordergrund.

Blick aufs Geroldswil: Die Limmattaler Gemeinden sehen wenig Gemeinsamkeiten mit dem Knonaueramt

Drohnenflug über das Limmattal für das Sommerquiz der "Limmattaler Zeitung". Im Bild: Blick auf Geroldswil mit der Autobahn A1 im Vordergrund.

Der Verband der Gemeindepräsidien des Kantons Zürich hat eine Strukturreform angeregt: Die vorgeschlagene Grossregion Limmattal-Säuliamt findet in den beiden betroffenen Bezirken aber keinen Zuspruch. Sie seien zu verschieden, lautet der Tenor.

Im vergangenen März hat der Gemeindepräsidentenverband (GPV) – der neu geschlechterkonform Verband der Gemeindepräsidien heisst – die Idee lanciert, den Kanton Zürich neu aufzuteilen. Aus den zwölf Bezirken sollen acht Regionen werden. Geografisch orientiert sich der GPV an den Planungsregionen. Die Bezirke Dietikon und Affoltern würden in einer Region zusammengelegt. Zusammengeführt zu einer Grossregion würden auch die Bezirke Winterthur und Andelfingen sowie Dielsdorf und Bülach.

Bis im Sommer konnten die Gemeinden, Bezirksräte und Planungsregionen ihre Meinung kundtun. Jetzt hat der GPV die Umfrage ausgewertet: 56 Prozent und damit eine knappe Mehrheit der Gemeinden, die sich beteiligt haben (139 von 162), spricht sich für die neuen Grossregionen aus.

Auf Zustimmung stösst die Reform etwa im Zürcher Oberland, auch die Idee einer neuen Region Glattal kommt dort an. Dafür wird Uster statt zur Region Oberland zur Flughafenregion geschlagen. Auch die Stadt Zürich ist mit der GPV-Idee einverstanden, denn dort bliebe alles beim Alten.

Das Limmattal verbindet wenig mit dem Säuliamt

Wenig überraschend wehren sich vor allem diejenigen Gemeinden gegen eine Neustrukturierung, die am stärksten davon betroffen wären.

So will das Knonaueramt partout nicht zum Limmattal gehören – und umgekehrt wollen sich die Limmattaler nicht in Richtung Säuliamt orientieren. In den beiden betroffenen Bezirken Dietikon und Affoltern haben sich nur gerade vier Gemeinden dafür ausgesprochen, dass die räumliche Gliederung überhaupt angeschaut und allenfalls reformiert werden sollte. Und keine Einzige hat sich für die vorgeschlagene Grossregion Limmattal-Knonaueramt ausgesprochen.

Wenn die Planungsregionen überhaupt zusammengelegt werden müssten, dann schlagen die Knonauer Gemeinden die Region Zimmerberg am linken Zürichseeufer als Partner vor. «Die Bedürfnisse im Limmattal sind absolut anders als im Bezirk Affoltern», hielt etwa die Gemeinde Affoltern fest. Und auch die Dietiker Bezirksgemeinden sehen keine Gemeinsamkeiten: «Das Limmattal und das Knonaueramt sollten je eine separate Region bilden», schrieb die Stadt Schlieren.

Der zweite grosse Widerstand kommt aus dem Weinland. Die Grossregion Winterthur-Weinland stösst zwar in der Grossstadt Winterthur auf Zustimmung, im Weinland aber fast durchgehend auf Ablehnung. Gleich wie der Bezirk Affoltern fürchtet der Bezirk Andelfingen einen Autonomieverlust. Der Vorschlag verstärke die Dominanz der urbanen Gebiete und werde den Besonderheiten der ländlichen Gebiete zu wenig gerecht, heisst es in den Stellungnahmen der Gemeinden.

Das zweite Thema der Umfrage waren die sogenannten funktionalen Räume. Die Arbeitsgruppe des GPV schlägt 31 davon vor. Dabei achtete man auf bestehende Zusammenarbeit wie Kreisschulgemeinden oder topografische Kriterien wie Täler, Flüsse und Hügel. Jeder funktionale Raum soll über ein Zentrum und mindestens 10000 Einwohner verfügen. Sie könnten sich Aufgaben teilen wie etwa die Spitex, Betreibungsämter oder die Feuerwehr.

Dieser Idee stimmen 57 Prozent der Gemeinden zu. Die Gegner wehren sich gegen den starren Rahmen. Je nach Thema soll die Zusammenarbeit flexibel erfolgen. Manche Gemeinden finden die funktionalen Räume zu gross oder halten eine weitere Ebene zwischen Gemeinden und Regionen für unnötig.

Mark Eberli (EVP), Stadtpräsident von Bülach und Leiter der GPV-Arbeitsgruppe, sieht das Umfrageresultat positiv, wie er am Dienstag vor den Medien sagte. Vor allem, dass sich die meisten Gemeinden vorstellen könnten, Aufgaben wie die Planung von Pflegebetten den Regionen zu delegieren. «Da der Kanton als zu grosse Einheit gesehen wird, wären solche Regionen sinnvoll», sagt Eberli.

Diskussion angestossen – erstes Ziel erreicht

GPV-Präsident Jürg Kündig (FDP, Gossau) sieht seine Erwartungen erfüllt: «Unser Ziel war es, die Diskussion zu lancieren. Das ist uns vor allem dort, wo Widerstand aufkam, gut gelungen.» Nun müsse man dafür sorgen, dass die Wellen nicht wieder verebbten. Im Januar will die Arbeitsgruppe die Kantonskarten nochmals überarbeiten. «Alle können wir nicht zufriedenstellen, aber wir versuchen, dort etwas zu verändern, wo es tiefrote Reaktionen gab», sagt Eberli. Man sei auch bereit, die Marke von 10000 Einwohnern pro funktionalen Raum je nach Region zu unterschreiten.

Danach wolle man mit den Gemeinden entscheiden, welche politischen Schritte anstehen. Dies könnte laut Kündig die Übergabe des Projekts an den Kanton Zürich sein. Die Direktion der Justiz und des Innern ist bereits in die Arbeitsgruppe involviert. Möglich wäre aber auch eine Behördeninitiative oder ein Prozess von unten nach oben, wobei die funktionalen Räume sich bei verschiedenen Themen selbst zusammenfinden und sich so definieren, wie Kündig ausführte.

«Unsere Botschaft ist, dass nicht alle Gemeinden alles leisten müssen», sagt Kündig. «Denn zusammen sind sie stärker.» Für das Miteinander brauche es sowohl die kleinen Gemeinden, die Hilfe brauchten, als auch die grossen Zentren, die diese bieten können.

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