Dietikon

Warum eine Firma den Bruno-Weber-Park durchfegt

Mitarbeitende einer Baustofffirma aus Seuzach säubern anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens freiwillig den Skulpturenpark des 2011 verstorbenen Künstlers.

Die Baumkronen zittern, grüne Blätter wirbeln durch die Luft. Am Boden ziehen zwei Männer an einer Waldrebe, deren Ranken sich ihren Weg bis in die obersten Wipfel der Bäume gebahnt haben. Einer der beiden Männer versucht, das wuchernde Gewächs mit einer grossen Gartenschere zu bezwingen. Er wischt sich die Schweissperlen von der Stirn. «Die Arbeit ist anstrengend, aber ich mache sie gerne. Schliesslich ist es für einen guten Zweck», sagt Ruedi Behr.

Er und elf seiner Arbeitskollegen griffen Maria Anna Weber am vergangenen Donnerstag bei der Gartenarbeit im Bruno-Weber-Park in Dietikon unter die Arme. Gärtner von Beruf sind sie aber nicht. Alle arbeiten für die Firma Schwenk Putztechnik, die ihren Sitz in Seuzach hat und Baustoffe wie Beton und Mörtel herstellt sowie vertreibt.

Anlass der freiwilligen Aktion ist das 100-Jahr-Jubiläum der Firmengruppe Sievert, zu der das Unternehmen Schwenk Putztechnik gehört. «Für die 100 Jahre möchten wir 100 gute Taten vollbringen», erklärte Geschäftsführer Serge Disiviscour. Man wolle der Gesellschaft, die den erfolgreichen Aufbau der Firma ermöglicht habe, etwas zurückgeben. «Es war von Anfang an klar, dass unser Engagement nicht aus einer Geldspende bestehen soll, sondern dass wir mit eigenen Händen anpacken», so Disiviscour. Es sei schön, dass sich alle Mitarbeitenden, die körperlich dazu in der Lage sind, dafür bereit erklärt hätten. Damit das Tagesgeschäft der Baustofffirma durch die Unterstützung im Skulpturenpark nicht leidet, wurden die Angestellten in vier Arbeitsgruppen eingeteilt. Ein weiterer Einsatz findet am 19. September statt.

Die Kirchenpflege brachte die Idee

Dass die Firma auf den Park des 2011 verstorbenen Künstlers Bruno Weber aufmerksam wurde, hat sie ihrem Mitarbeiter Roman Fleisch zu verdanken. Er ist Mitglied der Katholischen Kirchenpflege Geroldswil. «Jeder Mitarbeitende war angehalten, Ideen für wohltätige Aktionen zu sammeln. Roman erhielt Tipps von seinen Kollegen aus der Kirchenpflege», verriet Disiviscour. «Ich legte ihm den Bruno-Weber-Park ans Herz und vermittelte», sagte Brigitte Geyer, Mitglied der Katholischen Kirchenpflege. Die Oetwilerin war am Donnerstag ebenso vor Ort und liess es sich nicht nehmen, die Hilfsaktion zu unterstützen.

Auch wenn noch keiner der 30 Mitarbeiter je die 10 000 Quadratmeter grosse Anlage besucht hat, und einige davon sie nicht einmal kannten, war für die Geschäftsleitung sofort klar, dass sie dem Bruno-Weber-Park helfen will. «Wir sind eine Baustofffirma und Bruno Weber schuf mit Baustoffen diesen wunderschönen Park. Das passt einfach zusammen», sagte Disiviscour. «Bruno liebte Beton. Es war ihm wichtig, zu zeigen, was daraus entstehen kann», ergänzte Maria Anna Weber. Sie schätze das Engagement des Unternehmens sehr. «Es ist ein Geschenk, das ich gerne annehme.»

Begeisterung und Schnappschüsse mit dem Handy

Die Helfer hatten nicht nur mit Schlingpflanzen zu kämpfen, sondern entfernten auch Brombeerstauden, sammelten Holz und Laub zusammen und entfernten Moos und Flechten von den Skulpturen. «Es ist eine Abwechslung zu meiner Arbeit im Innendienst. Der Bruno-Weber-Park ist etwas Einzigartiges», sagte Gina Brunner. Ihr Kollege Matthias Hirth zeigte sich ebenso begeistert: «Es ist unglaublich, was Bruno Weber hier erschaffen hat. Die Aktion finde ich super, auch weil wir so mit Kollegen zusammenarbeiten, die wir im Arbeitsalltag selten sehen.» Die Mitarbeitenden liessen es sich nicht nehmen, immer wieder Handybilder von Bruno Webers Zauberwelt zu schiessen. Felix Kuster war so angetan, dass er bereits Pläne schmiedete: «Ich muss bald mit meiner Frau hierherkommen.»

Autor

Sibylle Egloff

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