Bahnhof Glanzenberg

Wegen Grundwasser und einer Velospur: Allmend erhält wohl keine Unterführung

Eine Verlängerung der Unterführung des Bahnhofes Glanzenberg wird es in naher Zukunft nicht geben – zu teuer, sagen Stadt und Kanton.

Die Gummiböötler an der Nötzliwiese sind für die Anwohner ein Ärgernis (die «Limmattaler Zeitung» berichtete). Sie hinterlassen Abfall und machen Lärm. Um diesem Problem Herr zu werden, versucht die Stadt Dietikon die 2019 eröffnete Allmend Glanzenberg als neue Ausstiegsstelle zu etablieren. Seit neuestem gibt es dort auch einen Sommerkiosk. Eine weitere Möglichkeit, um die Allmend noch attraktiver zu machen, wäre eine Verlängerung der Unterführung vom Mittelperron des Bahnhofs Glanzenberg zur Allmend. Bisher gibt es nur einen Umweg über eine Brücke zur Allmend.

2009 war eine Unterführung für Fussgänger bereits ein Thema. Damals stand der bessere Zugang zum Naherholungsgebiet der Limmat und der neuen Siedlung Limmatblick im Vordergrund. Aufgrund der kantonalen Velonetzplanung wurde der geplanten Unterführung ein zusätzlicher Zweck zugedacht: Sie soll auch als Velounterführung dienen. Für die Unterführung war zu diesem Zeitpunkt eine Million Franken eingeplant.

Velospur und Grundwasser machen es nicht einfacher

Die Finanzierung ist der Grund, warum es bis jetzt keine Unterführung zur Limmat gibt. Der Kanton beteiligt sich laut dem Stadtplanungsamt der Stadt Dietikon nur an den Kosten, wenn die Unterführung auch eine Velospur besitzt. Damit kommen neue bauliche Bestimmungen dazu. In der Nähe der Unterführung befindet sich die Grundwasserschutzzone Schönenwerd, auf welche während einem Bau Rücksicht genommen werden müsste. Von Seiten der SBB gibt es ebenfalls Sicherheitsvorgaben. So müssten den SBB für die Bauzeit Langsamfahrentschädigungen und Mieten für Überführungsbrücken gezahlt werden. Dadurch erhöhen sich die Kosten des Gesamtprojektes um ein Mehrfaches.

Laut dem Stadtplanungsamt Dietikon liegen die Kosten vermutlich «im oberen einstelligen Millionenbereich». Für die Stadt Dietikon und den Kanton Zürich würden die Kosten damit in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen: «Es gibt mit der Brücke eine Alternative zur Unterführung. Deswegen wird die Unterführung nicht zwingend benötigt.» Ein weiteres Problem, vor dem die Stadt steht, sind die Fördergelder. Diese werden entsprechend der Budgetierung im Agglomerationsprogramm ausgesprochen. Derzeit ist im Agglomerationsprogramm nur eine Million Franken für die Allmend Glanzenberg eingeplant. Von dieser Million übernimmt der Bund maximal 35 Prozent. Die Stadt würde also maximal 350 000 Franken erhalten. Um einen höheren Förderbeitrag zu erhalten, müsste die Stadt somit auf das nächste Agglomerationsprogramm warten und darauf hoffen, dass die Verlängerung der Unterführung erneut aufgenommen wird und das Budget erhöht wird.

Eine weitere Herausforderung sind die Besitzverhältnisse des Bahnhofs. Der Bahnhof Glanzenberg gehört nicht der SBB, sondern den vier Trägergemeinden Schlieren, Dietikon, Urdorf und Unterengstringen. Einem Bauvorhaben müssten somit alle vier Gemeinden zustimmen. Sollten die anderen Gemeinden in der Unterführung zu wenig Nutzen sehen und keinen Anteil zahlen wollen, so müsste Dietikon allein für die ganzen Kosten aufkommen. Laut dem Stadtplanungsamt Dietikon ist die Verlängerung deswegen ein mittelfristiges Projekt: «Die Unterführung könnte zwischen 2032 und 2035 gebaut werden, aber nur wenn nicht andere Baustellen auf der Strecke anfallen.» In einer parlamentarischen Fragestunde im Mai 2019 hiess es von Seiten der Stadt noch, dass ein Realisierungszeitpunkt zwischen 2023 und 2028 zu erwarten sei.

SBB wollen vorerst keinen Ausbau der Unterführung

Auch die SBB planen keinen Ausbau des Bahnhofes und der Unterführung. Wie sie auf Anfrage erklären, seien «die Kapazitäten der Publikumsanlagen derzeit genügend und entsprechen im Horizont 2025 den Anforderungen». Die SBB seien jedoch bezüglich der laufenden Projekte sowohl mit der Stadt Dietikon als auch dem Kanton Zürich in regelmässigem Austausch.

Die Gummiböötler müssen bei der Allmend Glanzenberg noch lange auf eine attraktive Unterführung warten – und den Umweg über die Brücke in Kauf nehmen.

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