Sport-Jahresrückblick 2020
Welche Sport-Highlights gab es im ersten Halbjahr 2020 zu bejubeln? Ein Rückblick

Sport-Jahresrückblick 2020: Diese Sportmomente sorgten im Limmattal in den Monaten Januar bis Juni für Aufsehen.

Ruedi Burkart
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Anfang Jahr jubelten noch Tausende mit
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Ausgelassene Zuschauer am Dietiker Neujahrslauf.
Training in Coronazeiten: Triathlet Jürg Mallepell kurbelt auf dem Balkon.
Mitte Juni dürfen die Dietiker Pontoniere wieder auf die Limmat.
Erfolg in Davos: Alexandra Walz.

Anfang Jahr jubelten noch Tausende mit

Ruedi Burkart

13. Januar: Olympiasiegerin gibt sich die Ehre

Zehn Tage nach dem Neujahrsmarathon in Schlieren gehen bei besten äusseren Bedingungen 1500 Läuferinnen und Läufer beim 53. Dietiker Neujahrslauf an den Start. Trotz einer leisen Enttäuschung bei OK-Präsident Primus Greile («bei diesem Wetter habe ich mehr Startende erwartet») überwiegt schliesslich Zufriedenheit. Zum einen, weil Dietikons Stadtpräsident Roger Bachmann nur lobende Worte für die Durchführung des Anlasses findet («es herrscht eine wunderbare Stimmung»), zum anderen, weil ausserplanmässig Prominenz an der Startlinie steht. ­Nicola Spirig, ihres Zeichens Triathlon-­Olympiasiegerin 2012, schreibt sich kurzfristig ein und pulverisiert den Rekord auf der 12,1 Kilometer langen Hauptstrecke förmlich. Der Grund für Spirigs Stippvisite im Limmattal: Sie ­befinde sich in einem Trainingsblock und könne «das Rennen in Dietikon gut gebrauchen».

25. Januar: FC Dietikon nimmt Anlauf für Abstiegskampf

Mit einem 2:1-Erfolg gegen Buochs auf dem heimischen Kunstrasen starten die 1.-Liga-Fussballer voller Elan ins neue Jahr. Im Kader hat Christian Müller einmal mehr zahlreiche Mutationen vorgenommen. «Wir haben uns gezielt verstärken können», so der Sportchef. In der Tabelle liegen die Limmattaler in ihrer Gruppe 3 nur knapp vor einem Abstiegsplatz. Das grosse Zittern um die Ligazugehörigkeit geht auf der Dornau aber nicht los. Wegen Corona wird keine einzige Partie der Rückrunde gespielt, die Saison wird abgebrochen und es gibt keine Auf- und Absteiger.

2. Februar: Abfahrts-Silber für Alexandra Walz

Dass eine Flachländerin im alpinen Skisport für Furore sorgt, ist selten genug. Im Falle der Schlieremerin Alexandra Walz ist es noch ein bisschen spezieller. In den Trainings zur Abfahrt an den Schweizer U21-Meisterschaften in Davos kommt sie nur auf die Plätze 10 und 18. Doch am Renntag geht der Plan der Studentin der Sportwissenschaften auf – sie wird Zweite. «Also ehrlich, damit hätte ich nicht gerechnet», gibt sie verwundert zu Protokoll.

8. Februar: EHC Urdorf zittert sich in die Playoffs

Dank eines 9:2-Siegs in der abschliessenden Meisterschaftsrunde gegen den inferioren Tabellenletzten Küssnacht am Rigi II qualifizieren sich die Limmattaler 3.-Liga-Eishockeyaner gerade noch für die Aufstiegsplayoffs. Dort treffen sie im Modus Best of three auf Gruppensieger Engelberg-Titlis. Urdorfs spektakulären 4:3-Heimsieg nach Verlängerung sehen 200 begeisterte Anhänger. Schliesslich scheitern die «Stiere» jedoch nach einer 1:4-Niederlage im entscheidenden Spiel. Später wird die Saison wegen Corona ab­gebrochen, es gibt weder Auf- noch ­Absteiger.

22. Februar: Unihockeyaner aus Dietikon gewinnt Cupfinal

Es sind Erinnerungen wie an eine ferne Vergangenheit. 3200 Zuschauer füllen an jenem Samstagabend die Berner Sporthalle, die Stimmung ist grossartig. Und mittendrin im Final des Schweizer Unihockey-Cups ist der 22-jährige Tim Mock. Der frühere Junior von Uni­hockey Limmattal führt die NLA-­Truppe von Zug United als Captain gegen Alligator Malans aufs Feld. Und stemmt nach einem an Dramatik kaum zu überbietenden Endspiel die Trophäe in die Höhe. «Jetzt wollen wir auch in den Playoffs etwas reissen», sagt der Dietiker. Doch dann kommen Corona und der Lockdown Mock und seinem Team in die Quere. Die Saison wird abgebrochen, es gibt keinen Meister. Aber einen Cupsieger – und diesen Erfolg nimmt Tim Mock und seinen Zugern niemand weg.

3. April: Publikum wählt ­Aescher Fechterin

Die 20-jährige Fiona Hatz ist kaum zu stoppen. Zusammen mit ihren ­Kolleginnen gewann sie 2019 an der U20-Weltmeisterschaft im Fechten die Bronzemedaille. Knapp ein Jahr später folgt der verdiente Lohn: Im Rahmen eines Online-Votings wird die talentierte Schweizer Mannschaft zum Sportler-Nachwuchsteam des ­Jahres 2019 gewählt. Wegen Corona gibt es keine grosse Feier. Die ­Fechterinnen müssen sich im Stillen freuen.

2. Mai: Als «Ironman» in der Risikogruppe

Jürg Mallepell ist nicht zu stoppen. Der unverwüstliche Urdorfer Triathlet hat sich mit seinen 66 Jahren zum vierten Mal für die Langdistanz-WM auf Hawaii qualifiziert. Trotz aller ­Un­gewissheit wegen der Corona-­Pandemie bereitet er sich minutiös auf den Ironman vom 10. Oktober vor. «Ich übertreibe es nicht mit dem Training», sagt er, «schliesslich gehöre ich mit meinem Alter ja der Risiko­gruppe an. Wenn der Körper über­fordert wird, ist er anfälliger für Viren. Das Immunsystem darf man in der ­jetzigen Situation nicht überfordern.» Unter anderem schwitzt der Urdorfer auf seinem Spinningvelo auf dem ­Balkon seiner Wohnung. Mit dem sportlichen Abstecher ans andere Ende der Welt ist bekanntlich heuer nichts geworden, der Ironman Hawaii wurde abgesagt. «Jetzt werde ich wohl noch ein Jahr anhängen», so Mallepell.

9. Mai: Ein Besessener tritt leise ab

Er gewann Anfang der 1990er-Jahre mit dem Nachwuchs der Grasshoppers den Schweizer Cup, hinterliess beim FC Dietikon und bei Oetwil-Geroldswil Spuren, und schliesslich formte er zuletzt während vier Jahren den FC Engstringen zu einem respektablen 3.-Liga-Verein, der ganz vorne mit­mischen kann. «Doch einmal ist Schluss», begründet Roger Balmer ­seinen Rückzug aus dem Fussball nach drei Jahrzehnten. Dennoch die Frage: Ist er jemandem auf die Füsse getreten? Wurde er im Klub gar zu mächtig? «Nichts von alledem», sagt Balmer schmunzelnd. Es sei ­einfach an der Zeit, etwas anderes zu unternehmen. Er werde in Zukunft mal auf eine grössere Reise gehen.

15. Juni: Der Freudentag für die Pontoniere

Wegen Corona sassen sie sprich­wörtlich wochen- und monatelang auf dem Trockenen. Doch jetzt ist das Stacheln in der Limmat wieder ­erlaubt. «Uns fällt ein Stein vom ­Herzen», äussert sich Klubpräsident Roland Keller. Aber Wettkämpfe im ­Corona-Jahr 2020? Fehlanzeige. ­Sowohl regionale als auch nationale Wettbewerbe werden ersatzlos gestrichen und vorzeitig auf das kommende Jahr verschoben. «So etwas habe ich noch nie erlebt. Das ist ­traurig», sagt Keller. Dass der dies­jährige Glanzenburg-Cup, der Heimanlass der Dietiker mit 350 Schiffen, im Mai nicht hatte durchgeführt werden können, trifft die Limmattaler sportlich und auch ­finanziell. «Jetzt freuen wir uns halt auf den Glanzenburg-Cup am 29. Mai 2021», so Keller.

Hier geht es zum zweiten Teil des Sport-Jahresrückblicks. Den gewöhnlichen Limmattal-Jahresrückblick kann man hier lesen.