Lokalkomitees

Weshalb sie im eigenen Dorf für eine gerechtere Welt kämpfen

Silvia Mazzarda, Walter Kunz, Stefan Büeler und Maya Aeschbacher werben im Zentrum Oberengstringen für die Initiative.

Silvia Mazzarda, Walter Kunz, Stefan Büeler und Maya Aeschbacher werben im Zentrum Oberengstringen für die Initiative.

In sechs Limmattaler Gemeinden setzen sich lokal gegründete Komitees direkt vor Ort für die Konzernverantwortungsinitiative ein: Wie die Initianten ihr Engagement begründen.

Sogar aus Wirtschaftskreisen erhält die Initiativkampagne für die Konzernverantwortungsinitiative Respekt. Rund 400 Lokalkomitees haben sich im Vorfeld formiert, um für ein Ja am 29.November zu werben. Bis zu 8000 Freiwillige organisierten sich an den vielen Standaktionen und weitere 15000 Frei­willige können bei Bedarf auf­geboten werden. Der personelle und finanzielle Aufwand für die Initiativkampagne ist in der Schweiz beispiellos (die «Limmattaler Zeitung» berichtete).

Auch im Limmattal wurden sechs Unterstützerkomitees für die Initiative gegründet. Neben Birmensdorf, Dietikon, Geroldswil, Schlieren und Urdorf ist in Engstringen ein gemeinsames Komitee für Ober- und Un­terengstringen entstanden. Ob Schulleiterin, Softwareentwickler, Musikerin, Rentner, Wirtschaftsprüferin oder Hotelfachmann: Die Komitees und ihre Unterstützer sind heterogen zusammengestellt. Natürlich mischen auch diverse Lokalpolitiker mit, die mehrheitlich, aber nicht ausschliesslich für die SP oder die Grünen politisieren.

Spontan für lokales ­Engagement zugesagt

«Wer wissentlich oder fahrlässig anderen Menschen Schaden zufügt, muss dafür geradestehen. Wieso soll dieser Grundsatz an der Landesgrenze enden?», sagt Daniel Koeppel, der das Birmensdorfer Komitee mitgründete. Er habe die Initiative schon länger verfolgt und auch finanziell unterstützt, erzählt Koeppel, der als Banking Software Instructor arbeitet. Als er im Februar eine persönliche Anfrage erhielt, um sich lokal zu engagieren, habe er sich spontan dafür entschieden.

Das Ziel der Initiative sei für ihn eine absolute Selbstverständlichkeit und er finde es gut, dass die Initiative über das ganze politische Spektrum von links bis rechts Unterstützung erhalte. «Das ist eine grosse Chance, sich fern von politischen Vorurteilen auf die Sache zu konzentrieren.»

Auch Laura Zangger, die sich im Schlieremer Komitee engagiert, findet die Anliegen der Initiative selbstverständlich. «Wir benötigen endlich Mittel und Werkzeuge, um Menschenrechte und Umweltstandards durchzusetzen», sagt die Präsidentin der Schlieremer Grünen. Die vom Gegenvorschlag gewünschte Berichterstattungspflicht, die in der EU seit längerem in Kraft ist, habe dort kaum Wirkung gezeigt, weswegen in der EU bereits wieder ein strengeres Gesetz ausgearbeitet werde. Sie verweist darauf, dass etwa in Kanada, Frankreich oder den Niederlanden bereits entsprechende Regeln für Grosskonzerne beschlossen worden seien. Und fügt an: «Es geht auch um Fairness gegenüber den Schweizer Firmen, die bereits auf Menschenrechte und Umweltstandards achten.»

Für die Gegenkampagne werde viel Geld investiert, sagt Stefan Bolz von der AL Oberengstringen, der im Engstringer Komitee mitwirkt. «Dem können wir nur entgegenhalten, wenn sich möglichst viele Freiwillige an lokalen Aktionen beteiligen.» Deshalb finde er es wichtig, sich auch lokal für die nationale Initiative einzusetzen. Die Ziele der Initiative stünden in der humanitären Tradition der Schweiz, die es wieder vermehrt zu fördern gelte, sagt der parteilose Oberengstringer Kari Röthlin. «Wenn da und dort für die Schweizer Konzerne leicht weniger Gewinn resultiert, dann sollte der Grund dafür vor allem bei den verbesserten Kompensationen an die Geschädigten liegen.»

Mit Standaktionen und Flyern präsent sein

Die vielen lokalen Komitees ermöglichen es den Befürwortern der Konzernverantwortungsinitiative, mit Standaktionen, Plakaten und Flyern auch direkt vor Ort zu werben. «Wir versuchen auch, Flyer in lokalen Läden aufzulegen und sind für das Aufstellen von grossformatigen Plakaten und Fahnen an den Einfallstrassen verantwortlich», sagt Koeppel. Es sei wertvoll, dass das Initiativkomitee die Aktionen professionell begleite und das nötige Material zur Verfügung stelle.

Auch an koordinierten Telefonaktionen beteiligen sich die Mitglieder der Lokalkomitees. Am 7.November sind an vielen Orten Standaktionen geplant, um noch mal das Gespräch mit der lokalen Bevölkerung zu suchen und vielleicht einzelne Bewohnende noch zu überzeugen. Denn auch auf der Zielgera- den ist der Abstimmungskampf spannend geblieben und der Ausgang völlig offen.

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