Spreitenbach/Zürich

Zieht Globus-Zentrale wegen zu viel Leerfläche weg? Das ist nicht der einzige Grund

Im Herbst 2018 räumt Globus seinen Hauptsitz an der Spreitenbacher Industriestrasse.

Im Herbst 2018 räumt Globus seinen Hauptsitz an der Spreitenbacher Industriestrasse.

Die Migros-Tochter zieht mit ihren 320 Mitarbeitern nach Zürich, weil die Mietfläche zu gross geworden sei. Für die Gemeinde ist das ein Verlust.

Es ist ein grosser Verlust von Arbeitsplätzen in der Gemeinde: In gut einem Jahr verlegt die Warenhaus-Gruppe Globus ihren Hauptsitz von der Industriestrasse in Spreitenbach ins Zentrum von Zürich. Damit gehen in der Limmattaler Gemeinde 320 Arbeitsplätze verloren. Betroffen sind die Mitarbeitenden aus den Bereichen Marketing, Einkauf, Finanzen, Digital und Human Resources.

Sie werden künftig oberhalb des heutigen Schild-Modehauses arbeiten – in unmittelbarer Nähe zum Globus-Flaggschiff an der Zürcher Bahnhofstrasse. «Das genaue Umzugsdatum steht noch nicht fest», schreibt Globus in einer Medienmitteilung. Und: «Aufgrund des Umzugs erfolgt kein Stellenabbau.»

Die künftige Nähe zum Kunden und zur Ware sei ein Vorteil, begründet das Unternehmen seinen Umzug. Zudem stehe die Marke Globus für ein urbanes Warenhaus, entsprechend solle sich der Firmenhauptsitz in einem urbanen Umfeld befinden und die dortige Firmenkultur urban geprägt sein.

Mietfläche ist zu gross geworden

Das sind jedoch nicht die einzigen Gründe für den Wegzug: Bereits im Mai hatte das Warenhaus-Unternehmen bekannt gegeben, das die Modehaus-Kette Schild mit Globus zusammengelegt werde. Beide gehören zur Migros-Gruppe. Künftig treten Schild sowie Globus unter der einheitlichen Marke «Globus» auf. Als Folge baue das Unternehmen in der Zentrale in Spreitenbach 80 der bis dahin 400 Stellen ab, wie es damals mitteilte. Mit der Reduktion auf 320 Arbeitsplätze ist die gemietete Fläche an der Spreitenbacher Industriestrasse zu gross, wie das Unternehmen gegenüber der «NZZ» sagt. «Im Herbst 2018 läuft zudem der bestehende Mietvertrag aus», heisst es in der Mitteilung.

Schmid: «Verlust verkraftbar»

Gemeindepräsident Valentin Schmid (FDP) sagt auf Anfrage des «Badener Tagblatts»: «Uns schmerzt der Verlust der Arbeitsplätze, insbesondere, weil es Stellen im Verwaltungsbereich sind, von denen es in Spreitenbach nicht sehr viele gibt.» Schmid relativiert aber, man habe rund 8000 Arbeitsplätze in Spreitenbach. «320 Stellen sind zwar viele und der Verlust ist bedauernswert, aber wir können den Wegzug dieser Firma verkraften.» Erst vor 14 Jahren wurde der Globus-Hauptsitz von Zürich nach Spreitenbach verlegt. Schmid bedauert, dass die Arbeitnehmer aus der Region bald nach Zürich pendeln müssen.

Für den Gemeinderat kommt die Nachricht des Wegzugs nicht ganz überraschend. «Die Gemeinde stand bereits beim Stellenabbau wegen der Schild-Übernahme mit dem Unternehmen in Kontakt. Es war für uns absehbar, dass sich das Unternehmen in diese Richtung entwickeln könnte», sagt Schmid.

Mit Globus verschwinden nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch Steuereinnahmen, die der Hauptsitz der Gemeinde einbringt. Genaue Zahlen gibt die Gemeinde zwar nicht bekannt. «Die Steuereinbusse wird für die Gemeinde aber verkraftbar sein», sagt Schmid. Sicher gehöre Globus zu den grösseren Firmen in der Gemeinde. «Aber wir haben mehrere hundert Unternehmen und bei einer Firmenstruktur wie jener der Migros-Genossenschaft – zu der die Globus-Zentrale ja gehört – fallen nicht sämtliche Steuereinannahmen ihrer Tochter-Unternehmen in der jeweiligen Standortgemeinde an.»

Was andere Unternehmen in der Gemeinde betrifft, so stehe man mit zahlreichen von ihnen in Kontakt. «Dort zeichnet sich eher eine Standortsicherung ab», sagt Schmid. Gleichzeitig müsse man sich bewusst sein, dass solche Entwicklungen wie jene bei Globus oft schlicht nicht vorhersehbar seien.

Hoffen auf neue Firmensitze

Wer allenfalls im Herbst 2018 an die Industriestrasse ziehen wird und die leeren Büros von Globus wieder füllt, ist noch offen. «Das Gebäude steht an bester Verkehrslage und wird in wenigen Jahren von der Limmattalbahn erschlossen sein», sagt Schmid und fügt an, «es wäre schön, wenn wieder ein Unternehmenshauptsitz einziehen würde.» Das allerdings kann die Gemeinde kaum beeinflussen. Das Gebäude, in dem sich noch das Möbelhaus Interio befindet, das ebenfalls zur Migros-Gruppe gehört, ist im Besitz eines Immobilienfonds, der von der Credit Suisse verwaltet wird. «Als Gemeinde können wir lediglich vermitteln und beim Marketing unterstützend wirken», sagt Schmid.

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