Geroldswil

Zu hochgesteckte Klimaziele? Was der Geschäftsführer der Weishaupt AG künftig erreichen will

Thomas Rusch im markanten Weishaupt-Hauptsitz direkt an der Autobahn, das mit seiner Glasfassade viele Blicke auf sich zieht. Thomas Rusch im markanten Weishaupt-Hauptsitz direkt an der Autobahn, das mit seiner Glasfassade viele Blicke auf sich zieht. (Geroldswil, 17. Juni 2020)

Thomas Rusch im markanten Weishaupt-Hauptsitz direkt an der Autobahn, das mit seiner Glasfassade viele Blicke auf sich zieht. Thomas Rusch im markanten Weishaupt-Hauptsitz direkt an der Autobahn, das mit seiner Glasfassade viele Blicke auf sich zieht. (Geroldswil, 17. Juni 2020)

Thomas Rusch, Geschäftsführer der Geroldswiler Weishaupt AG, über seinen Einstieg im Limmattal und ambitionierte Klimaziele.

Im Juni 2019 haben Sie Richard Osterwalder nach drei Jahrzehnten als Geschäftsführer der Weishaupt AG mit Sitz in Geroldswil abgelöst. Wie war es für Sie, das Erbe von Osterwalder anzutreten?

Thomas Rusch: Richard Osterwalder hat das Unternehmen aufgebaut und geprägt. Da musste zunächst ein Abnabelungsprozess stattfinden, damit die Begriffe Weishaupt und Osterwalder nicht mehr automatisch miteinander verknüpft sind und eine neue Ära beginnen kann.

Was war zu Beginn besonders fordernd?

Eine meiner grössten Herausforderungen war, dass das Ganze für mich mit einem Branchenwechsel verbunden und deshalb für mich alles neu war.

Wieso haben Sie sich für diesen Wechsel entschieden?

Neben der Position an sich hat es mich gereizt, in eine dynamische Branche im Wandel hin zu erneuerbaren Energien einzusteigen und Teil des Veränderungsprozesses zu sein. Und die Kultur der Firma Weishaupt als Familienunternehmen mit präsentem Inhaber hat mich angesprochen.

Osterwalder ist Ihnen nach der Amtsübernahme noch eine Weile zur Seite gestanden. Konnten Sie von seiner Erfahrung profitieren?

Ich habe sehr viel von ihm gelernt über die Geschichte von Weishaupt und wie die Firma funktioniert. Weil er sehr gut vernetzt ist, war er für mich auch ein wertvoller Türöffner, um Unternehmer, Kunden und Partnerfirmen kennenzulernen und in der Region fusszufassen.

Und persönlich?

Themen wie Führung und Werte sind sehr individuell. Da finde ich es wichtig, dass man sich selbst treu bleibt. Ein gewisser Erfahrungsaustausch kann sicher stattfinden, aber jeder muss für sich seinen Weg festlegen.

Nach nicht mal einem Jahr an der Spitze von Weishaupt mussten Sie sich mit der Coronakrise auseinandersetzen. Wie hat der Notstand den Betrieb beeinflusst?

Wichtig ist, dass wir selbst keine Infektion hatten in der Firma. Aber es war eine intensive Zeit, in der wir mit dem Management-Team eng zusammenarbeiteten, um mögliche Szenarien auszuarbeiten und Lösungen zu finden. Beim Innendienst trennten wir die Mitarbeitenden in zwei Gruppen, die sich zweiwöchentlich zwischen Homeoffice und Bürodienst abwechselten. Weil wir bisher kaum Homeoffice praktizierten, war das eine grosse Herausforderung. Rückblickend ist unsere Branche während des Notstands aber ziemlich verschont geblieben.

Wie schätzen Sie die ­längerfristigen Folgen ein?

Ganz spurlos wird es an uns bestimmt nicht vorbeigehen. Ich glaube, unsere Branche wird die Auswirkungen des Coronavirus erst in den kommenden Monaten spüren. Für uns wird die Frage sein, wie schnell die Wirtschaft wieder zur Normalität zurückkehrt und wieder mehr investiert wird. Die wirtschaftlichen Folgen sind aber noch schwierig vorherzusehen, die Prognosen renommierter Institute gehen weit auseinander.

Mit Ihrem Wechsel von Schindler zu Weishaupt hat sich Ihr Arbeitsort vom luzernischen Ebikon nach Geroldswil verschoben. Wie ist Ihr Bezug zur Region nach einem Jahr?

Das Limmattal ist eine sehr dynamische Region. Wie viele andere hab ich es vor allem vom Durchfahren gekannt. Wenn man dann mal dort ist und seine Erfahrungen macht, erschliessen sich einem plötzlich ganz andere Facetten. Zudem hatte ich das Glück, dass Richard Osterwalder so gut vernetzt ist und ich über ihn Bekanntschaften schliessen konnte zu ansässigen Unternehmen und Verbänden. Ich freue mich, dass das Netzwerken jetzt wieder langsam stattfinden kann.

Die politische Entwicklung geht dahin, den Einsatz fossiler Brennstoffe zu reduzieren. Bei Heizsystemen werden etwa Wärmepumpen zu Lasten von Gas- und Ölheizungen gefördert. Wie reagiert Ihr Unternehmen, das von fossilen Brennstoffen herkommt, auf ­diesen Wandel?

Seit über zehn Jahren sind wir auch im Wärmepumpen-Markt aktiv und konnten viel Erfahrung sammeln. Wärmepumpen sind eine der möglichen Heiz-­Lösungen, um auf den gesellschaftlichen Trend zu reagieren. Bei den Wärmepumpen ist unsere Stärke, dass über 100 Forscher und Entwickler im deutschen Mutterhaus in Schwendi an neuen Technologien arbeiten. Etwa um Lärmemissionen zu mindern und die Effizienz zu erhöhen. Als Resultat haben wir letztes Jahr unsere erste komplett selbst entwickelte Wärmepumpe auf den Markt gebracht. Diese wird in der Schweiz produziert. Das ist für unsere Firma auch eine Chance, um zu zeigen, zu was wir in der Lage sind.

Zeigt sich diese Entwicklung auch in den Verkaufszahlen?

Gas- und Öl-Heizsysteme sind immer noch dominant, aber wir stellen bei den Wärmepumpen über die letzten Jahre eine starke Zunahme fest. Schweizweit beträgt der Marktanteil von Wärmepumpen bereits rund 40 Prozent.

Finden Sie es richtig, dass die Politik den Kurs stark prägt?

Das ist eine schwierige Frage. Das Ziel, den CO2-Ausstoss zu reduzieren, ist Wille der Gesellschaft und unbestritten richtig. Die Richtung ist gut, aber die Frage ist: Sind die Herangehensweise und die Geschwindigkeit richtig? Wie stark will man in die Rechte von Menschen und Hauseigentümern eingreifen? Da gibt es sicher unterschiedliche Meinungen, aber letztlich muss das Stimmvolk darüber entscheiden. Für Unternehmen hilft es, wenn wir konkret wissen, in welche Richtung die Entwicklung geht. Kantonal gibt es sehr unterschiedliche Herangehensweisen. Deshalb wäre eine Harmonisierung unter den Kantonen begrüssenswert, um die Planungssicherheit für die Hersteller und die Liegenschaftenbesitzer zu erhöhen.

Was halten Sie persönlich von hochgesteckten Klimazielen?

Es ist richtig, wenn wir uns als Gesellschaft ambitionierte, vielleicht auch zu hohe, Ziele setzen, um den richtigen Weg einzuschlagen. Aber dem sollte nicht alles untergeordnet werden. Es hilft, eine Vision zu haben, aber diese sollte in vielen kleinen Schritten umgesetzt werden.

Was bedeutet das in der Praxis? Können Sie ein Beispiel nennen?

Bei alten, ineffizienten Öl- und Gasanlagen stellt sich die Frage, ob es richtig ist, gleich den grossen Schritt zu einer neuen Technologie zu fordern. Denn dies birgt die Gefahr, dass dann gar nicht oder erst viel später gehandelt wird. Wäre es nicht besser, mit einem Zwischenschritt schnell einen Teilerfolg zu erzielen. Von den Emissionen her sind die modernsten Öl- und Gasheizungen nämlich spitze und tragen auch einen Teil zur Dekarbonisierung bei. Eine ausgewogene Herangehensweise mit der Co-Existenz von alten und neuen Technologien ist notwendig. Da sind die Politik und die Branche gefordert, einen gemeinsamen Weg zu finden.

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