Schlieren

Zweite Bauetappe der Limmattalbahn sorgt für Ärger bei Anwohnern: «Es kotzt uns einfach an»

Viele im Spitalquartier in Schlieren sind von der Limmattalbahn-Baustelle genervt. Sie haben nun den ganzen Dreck praktisch vor der Haustüre. Gemeinderätin Heidemarie Busch zeigt das Ausmass von ihrem Balkon aus.

Dunkelbraune Spuren auf der Strasse, vereinzelt liegen Dreckklumpen umher. Arbeiter stapfen mit schweren Schuhen durch den Schmutz und treten die Brocken in den Asphalt. Die Szenerie wird untermalt von lautem Hämmern und Bohren. Mit dieser Situation sieht sich zurzeit das Schlieremer Spitalquartier konfrontiert, der Ort des erbittertesten Widerstands gegen den Bau der Limmattalbahn.

Viele der Anwohner sind schon vor Jahrzehnten hierher gezogen, im Glauben, sich eine Wohnung an ruhiger Lage geleistet zu haben. In der Zwischenzeit hat sich die Stadt aber unaufhaltsam ausgebreitet, die Umgebung wurde immer dichter bebaut. Mit der Idylle ist es längst vorbei. Und nun kam es für die Anwohner noch dicker: Jahrelang schon mussten sie sich mit dem Bau des Limmattalspitals herumschlagen, dann begann der Bau des neuen Pflegeheims direkt daneben, jetzt kam auch noch die Limmattalbahn hinzu.

Lange setzte sich die Interessengemeinschaft von Quartierbewohnern um CVP-Gemeinderätin Heidemarie Busch dafür ein, die ursprüngliche Lebensqualität zu erhalten, indem sie eine Verlängerung des Tunnels bis ins Urdorfer Industriegebiet Luberzen forderten. Ihre Gründe: Die engen Platzverhältnisse in der Strasse, die Sicherheitsrisiken und die befürchteten Lärmemissionen. Doch all ihre Bemühungen halfen nichts. Die Bahn führt wie geplant durch den Tunnel von der Badenerstrasse zur Färberhüslistrasse und von dort aus über die Spitalstrasse.

Lastwagen verteilten den Dreck im ganzen Quartier

Der Ärger im Quartier ist riesig. «Es kotzt uns alle einfach nur an», sagt Busch geradeheraus. Die Gemeinderätin wohnt im sechsten Stock eines Hochhauses an der Spitalstrasse. Von ihrem Balkon aus sieht man das Ausmass der Baustellen: Ganz links befindet sich die aufgerissene Spitalstrasse, etwas weiter vorne wird der Tunnel für die Limmattalbahn gebaut, rechts steht das Limmattalspital, daneben entsteht das neue Pflegeheim.

Viel Betrieb: Blick über die Limmattalbahnbaustelle beim Spitalquartier.

Viel Betrieb: Blick über die Limmattalbahnbaustelle beim Spitalquartier.

Von der einen Baustelle dringt ein Klopfen herüber, von der anderen ein Hämmern, von der dritten ein Bohren. «Im Winter, wenn man die Fenster eh geschlossen hat, ist der Lärm erträglich», sagt Busch. Doch der Sommer wird kommen und die Baustelle wird bleiben. Und die Geduld ist seit den jahrelangen Rechtsstreitigkeiten sowieso schon am Ende.

Das Schlimmste für die Anwohner ist aber nicht der Lärm. Den gebe es halt bei einer Baustelle. «Die LKWs, die vom Tunnel her kommen, schleppten so viel Dreck mit sich, dass die ganze Strasse einem Acker glich», sagt Busch. «Ich hätte mein Auto jeden Tag in die Waschanlage bringen können. Es war der Horror.»

War. Denn nach wochenlangem Reklamieren wird seit anfangs dieser Woche endlich geputzt. Mehrmals am Tag fährt eine Kehrmaschine durch die Strassen, die Arbeiter haben Besen geschultert. Zweimal wurde die Strasse auch schon mit einem Hochdruckreiniger gesäubert. Wegen der Kälte sei das nun aber nicht mehr möglich. «Wenn das Wasser gefriert, hätten wir dann auch noch eine Eisbahn.»

«Es ist nicht blitzblank, aber so geht es»

Die Gemeinderätin steht auf dem Balkon und lässt ihren Blick schweifen. In der Ferne spritzt ein Arbeiter die Reifen eines Lastwagens mit einem Wasserschlauch ab. Der LKW steht aber noch gut 20 Meter vom geteerten Teil der Strasse entfernt. Mit den nassen Reifen fährt er dann die restlichen paar Meter durch den Dreck, bevor er auf die Strasse einbiegt und dort seine Spuren hinterlässt. Busch schüttelt den Kopf. «So bringt das nichts. Er verteilt den Schmutz ja nur.»

Immerhin fahre die Putzmaschine in ein paar Stunden wieder die Strassen ab. «Es ist zwar nicht blitzblank, aber so geht es», sagt Busch. «Ich bin jetzt nur gespannt, wie es aussieht, wenn es wieder regnet und die Strassen nass werden.» Schliesslich könne man den Dreck dann nicht einfach wegwischen. Der grösste Teil der Aushub-Transporte finde aber über die Badenerstrasse auf der anderen Seite des Tunnels statt, wie Limmattalbahn-Gesamtprojektleiter Daniel Issler sagt. «Für eine erhöhte Sauberkeit wurden zudem zusätzliche Verbesserungsmassnahmen vereinbart.»

Alle Bäume auf der Südseite der Strasse wurden gefällt

Das schlimmste Problem hat sich folglich vorerst einmal erledigt. Doch deshalb wird die Stimmung im Spitalquartier nicht besser. Nun wurden auch noch alle Bäume auf der Südseite der Strasse gefällt, um Platz für den Bau eines Weges zu schaffen, den die Landbesitzer so forderten. Nur einer steht noch. «Ausgerechnet der hässlichste», sagt Busch und lacht. «Aber der musste halt nicht aus dem Weg.» Sie sei ja wirklich kein Freund der Limmattalbahn, meint die Gemeinderätin. «Aber immerhin hauen sie nur um, was wirklich umgehauen werden muss.»

Busch ärgert sich. Aber seit die Strassen geputzt werden, ist wenigstens ein Teil ihrer Wut verflogen. Nicht so bei einem anderen Bewohner. In einem Brief an die Limmattaler Zeitung verschafft er seinem Ärger Luft: «Es gibt bereits Schäden», schreibt er. Grosse Risse an Häusern etwa oder ein Veloständerbalken, der aus der Wand gerissen wurde. Zudem sei bei ihm schon das Wasser abgestellt worden, ohne dass er darüber informiert wurde. Seitens der Limmattalbahn hat man von grösseren Schäden hingegen keine Kenntnis. «Aufgrund von Missverständnissen kam es zu kurzen Unterbrüchen ohne Voranmeldung der Wasserabstellungen», sagt Daniel Issler. «Wir entschuldigen uns und bemühen uns, dass dies nicht mehr vorkommt.»

Im Allgemeinen stehe die Limmattalbahn AG laufend im Austausch mit den Quartieranwohnern. Zudem finden monatliche Baustellenbegehungen mit der Bauleitung statt. Aus Isslers Sicht zahlen sich diese Bemühungen aus: «Dadurch konnten bereits verschiedene Verbesserungen erzielt werden.»

Wir nehmen Sie mit auf eine Fahrt auf der Strecke der Limmattalbahn:

Von Zürich-Altstetten nach Killwangen – eine Fahrt auf der Strecke der geplanten Limmattalbahn, inklusive Haltestellen

Von Zürich-Altstetten nach Killwangen – eine Fahrt auf der Strecke der geplanten Limmattalbahn, inklusive Haltestellen

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