Coronavirus

Rettung in Not: Gewerbeverein kämpft mit Gutscheinen gegen die Krise

Bis Geschäfte und Restaurants wieder offen sind, können Gäste Solidaritätsgutscheine lösen.

Bis Geschäfte und Restaurants wieder offen sind, können Gäste Solidaritätsgutscheine lösen.

Der Gewerbeverein Geroldswil-Oetwil will mit der Aktion «Mitenand – Fürenand» Geschäften und Firmen die Chance bieten, trotz Coronakrise etwas Geld zu verdienen.

Geschlossene Restaurants und Geschäfte, blockierte Betriebe, ausbleibende Einnahmen für Unternehmen: Die Schweizer Wirtschaft leidet unter dem grassierenden Coronavirus. Gross ist die Sorge um das Gewerbe auch im Limmattal. Der Gewerbeverein Geroldswil-Oetwil will den kleinen und mittleren Firmen in der Region in dieser schweren Zeit unter die Arme greifen. Er lancierte deshalb kürzlich die Aktion «Mitenand – Fürenand». Auf der Website des Gewerbevereins können Kundinnen und Kunden des lokalen Gewerbes Solidaritätsgutscheine im Wert von 20 bis 200 Franken erwerben und einlösen, sobald die vom Bundesrat angeordnete Schliessung aufgehoben wird und das betreffende Geschäft wieder geöffnet hat.

«Wir haben von den täglichen Hiobsbotschaften die Nase voll und wollen dem Limmattaler Gewerbe auf die Schnelle die Möglichkeit geben, trotz Coronakrise gutes Geld in Form von Solidaritätsgutscheinen zu verdienen», sagt Marco Kälin, Präsident des Gewerbevereins Geroldswil-Oetwil. Man könne den Betrieben die Sorgen nicht abnehmen, aber man könne versuchen, sie zu lindern. Die vom Bund zugesicherten Kredite brächten etwas Beruhigung, doch die Angst sei nach wie vor da. Vor allem weil man nicht wisse, wie lange die Schliessung und Einschränkungen noch andauern würden.

30 Vereinsmitglieder stehen auf der Kippe

Für Kälin ist das Ziel klar: «Wir wollen so viele Geschäfte wie möglich retten und ihnen Hoffnung geben. Es darf nicht sein, dass das Gewerbe im Limmattal zugrunde geht. Zahlreiche Arbeitsplätze sind betroffen.» Der Gewerbeverein Geroldswil-Oetwil ist der Ansicht, dass er sich gerade jetzt in dieser Notlage für seine Mitglieder einsetzen muss.  «Unsere Aufgabe besteht nicht nur darin, Cüpli-Events zum Netzwerken oder Vereinsausflüge zu organisieren, sondern auch in schlechten Zeiten für unsere Mitglieder da zu sein», findet Kälin. Er selbst führte eine Analyse bei den 120 Mitgliedern seines Vereins durch, um herauszufinden, wie es um die Betriebe steht. «30 von ihnen stehen schätzungsweise auf der Kippe, weitere 30 werden die Krise wohl knapp überleben.» Gute Chancen rechnet Kälin Unternehmen aus, die seit mehreren Jahren bestehen und sich ein Polster ansparen konnten.

Letzte Woche programmierte der selbstständige Unternehmer das Gutschein-Angebot auf der Website des Gewerbevereins. So funktioniert es: «Kunden kaufen Gutscheine von den ihnen bevorzugten Läden und Geschäften. Die Beträge werden auf das Konto des Gewerbevereins einbezahlt und dann an die jeweiligen Unternehmen transferiert», erklärt Kälin. So behalte man die Kontrolle, damit alles rechtens verlaufe.

Teilnehmer müssen Mitglied in lokalem Gewerbeverein sein

Alle Gewerbebetreibenden aus dem Limmattal zwischen Zürich und Baden können sich auf der Website gratis eintragen. Einzige Bedingung: Sie müssen Mitglied eines Limmattaler Gewerbevereins sein. «Sollte das Geschäft nicht wieder öffnen, steht das Vereinsmitglied auf dessen Namen die Gutscheine lauten in der Schuld des Gutschein-Käufers in der Höhe des jeweiligen Gutscheinwerts», sagt Kälin.

Unterstützt wird die Aktion von den Gewerbevereinen Uetikon-Waldegg und Birmensdorf-Aesch. «Die Präsidenten haben ihre Mitglieder über das Angebot informiert und tragen damit zum Erfolg bei.» Bisher haben sich 26 Unternehmen registriert. Mit dabei sind unter anderem das Restaurant Frohsinn aus Uitikon, die Pape Werbe AG aus Weiningen, die Drogerie Locher aus Dietikon, die Schleifwerkstatt «Feinschleiferei» aus Geroldswil oder die Sahli Sicherheits AG aus Birmensdorf. Insgesamt wurden bereits 24 Gutscheine in der Höhe von 1000 Franken erworben. «Wir hoffen natürlich, dass sich noch viel mehr Gewerbler anmelden und die Kunden fleissig Gutscheine kaufen», sagt Kälin. Wenn man damit nur ein Geschäft vor der endgültigen Schliessung bewahren könne, sei das schon ein riesiger Erfolg.

Sich Anmelden oder Solidaritätsgutscheine kaufen können Sie hier.

Autor

Sibylle Egloff

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