Seit über 30 Jahren lenkt Richard Osterwalder die Geschicke der Weishaupt AG in Geroldswil, eine Tochtergesellschaft des deutschen Wärmeerzeugerherstellers Max Weishaupt GmbH mit Produktionsstandort in der Schweiz. Neben seiner Arbeit als Geschäftsführer prägte er auch die nationale Energiebranche mit diversen Verbandstätigkeiten, gründete 2001 die Wissens- und Netzwerktagung Weishaupt Ingenieur Fachzirkel (WIF) und amtete von 2006 bis 2016 als OK-Präsident des Wirtschaftspodiums Limmattal. Am 1. Juni tritt der 63-jährige Bergdietiker zurück und überlässt sein Büro seinem Nachfolger Thomas Rusch. Kurz davor hat Osterwalder noch einmal zum Gespräch eingeladen. Dabei erzählt er, wofür er sich künftig mehr Zeit nehmen will, was er in drei Jahrzehnten in der Energiebranche erlebt hat und wie er den Klimawandel als Branchenpraktiker einschätzt.

Wie schwierig ist das Loslassen, wenn man eine Firma so lange mitaufgebaut und geprägt hat?
Richard Osterwalder: Einfach ist es nicht, aber hinsichtlich der nächsten Generation ist es eine riesige Chance. Das freut mich für das Unternehmen und für meinen Nachfolger Thomas Rusch. Die Entscheidung zum Rücktritt und zur Übergabe der Geschäftsleitung läuft schon eine Weile. Mit der gefundenen Nachfolgelösung Ende letzten Jahres hat der Ablösungsprozess begonnen. Dafür genug Zeit zu haben, hat sicher geholfen.

Wie wird die Übergabe der Geschäftsleitung ablaufen?
Thomas Rusch bringt sehr gute Voraussetzungen mit und wird am 1. Juni meinen Arbeitsplatz und damit die operative Leitung übernehmen. Aber ich stehe ihm bis Ende Jahr nah zur Seite und versuche, ihm mein ganzes Marktwissen zu übergeben und ihn in die Verbandstätigkeiten einzuführen. Da sind wir zurzeit dran, und er ist schon gut vorbereitet.


Zurück zu den Anfängen: Was hat Sie 1989 besonders daran gereizt, die Geschäftsleitung der Weishaupt AG in der Schweiz zu übernehmen?
Ich bin gelernter Heizungsmonteur und war mein ganzes Arbeitsleben in der Branche tätig. Ich hatte grossen Respekt vor den Produkten und der Technik mit der sprichwörtlichen Weishaupt-Qualität, die in der Schweiz noch nicht bekannt war. Aber auch ganz besonders davor, dass es ein inhabergeführtes Familienunternehmen ist. Es war schön, Siegfried Weishaupt, der das Unternehmen in der zweiten Generation führt, beim Ausbau des Unternehmens begleiten und erleben zu können.

Sie starteten damals mit drei Mitarbeitenden in Zürich. Nach einem Jahr folgte aus Platzmangel der Umzug nach Urdorf und 1999 ging es weiter nach Geroldswil. Wieso fiel die Wahl auf Standorte im Limmattal?
Ich wohnte in Bergdietikon und wollte die Firma in meinem Einzugsgebiet haben, damit die Anfahrtswege möglichst kurz sind. 1998 hatte ich die Gelegenheit, in Geroldswil das letzte Stück Land an der Autobahn zu kaufen, direkt an der Grenze zu Weiningen. Damals waren wir bei den Fachkunden bereits bekannt, aber noch nicht bei den Endkunden. Dank dem Sitz an der Autobahn haben wir mit dem Weishaupt-Logo eine unheimliche Präsenz erhalten. So viele Werbegelder hätten wir gar nicht einsetzen können. Natürlich hat das visuell markante Glasgebäude von Theo Hotz auch seinen Teil dazu beigetragen.

Seit dem Bezug des Gebäudes ist die Weishaupt weiter stark gewachsen.
Ja, heute sind in der Schweiz rund 240 Mitarbeiter für Weishaupt tätig, davon rund 80 im Hauptsitz in Geroldswil.

Was wird Ihnen besonders in Erinnerung bleiben aus den 30 Jahren als Geschäftsleiter?
In diesem Zeitraum haben wir in der Schweiz einen unglaublichen Wandel in der Energieszene gemacht. Die 1992 eingeführte Luftreinhalte-Verordnung mit deutlich verschärften Emissionsvorschriften stellte die ganze Branche auf den Kopf. Das war der Start zur Veränderung in der Energiebranche, auch mit der darauffolgenden Einführung von Brennwerttechnik und Wärmepumpen. Das war hoch spannend, da bleibt mir jede Episode erhalten, weil ich im Verband aktiv daran mitarbeiten durfte.

Wie konnten Sie sich im Verband einbringen?
Ich war einer der wenigen Geschäftsführer, der einen heizungstechnischen Hintergrund hat. In Gesprächen mit dem Bundesamt für Energie habe ich immer dafür gekämpft, dass Bern zuerst die Branche fragt, bevor einfach Vorschriften in die Welt gesetzt werden.

Worauf freuen Sie sich am meisten nach Ihrer Pensionierung?
Auf alles, das in den letzten 30 Jahren zu kurz gekommen ist. Das ist primär meine Familie. Meine zwei erwachsenen Töchter konnte ich neben dem Aufbau der Unternehmung zu wenig erleben. Jetzt habe ich den grossen Vorteil und die Freude, dass eine Tochter zwei Enkel hat. Ich erlebe das Heranwachsen jetzt quasi eine Generation später aus der Nähe (lacht). Das ist etwas vom Schönsten. Aber ich freue mich auch, mehr Zeit für Freunde und meine Hobbys zu haben. Zeit ist eines der wichtigsten Güter, die wir in der heutigen Schnelllebigkeit haben.

Wie stehen Sie als Praktiker zum Klimawandel?
Man muss sich des Themas auf vernünftige Art annehmen. Wir dürfen keine geistigen Grenzen um die Schweiz bauen. Statt politisch mit vielen Theorien, die Unsicherheit auslösen können, zu blockieren, braucht es praktische Lösungen, die von den Investoren auch umgesetzt werden. Man muss der Energieszene die Sicherheit geben, dass man zusammen den richtigen Weg einschlägt.

Was denken Sie über die ökologische Jugendbewegung, die auch in der Schweiz aktiv ist?
Die Welt verändert sich immer mit Menschen, die sich mit Herzblut für etwas einsetzen. Das ist mit Sicherheit auch bei Greta Thunberg der Fall. Wichtig ist, dass man Veränderung mit dem richtigen Ziel vor den Augen verfolgt. In der Energiebranche ist es wichtig, dass alle Mitwirkenden zusammen nachhaltige Lösungen ausarbeiten, die in der Praxis umsetzbar sind. Das war immer mein grosses Interesse. Deshalb habe ich auch den «Weishaupt Ingenieur Fachzirkel» (WIF) ins Leben gerufen.

Seit 35 Jahren wohnen Sie in Bergdietikon. Welchen Bezug haben Sie zum Limmattal aufgebaut?
Es ist ein Privileg, in Bergdietikon wohnen zu dürfen. Ich bin so schnell im Zentrum und lebe trotzdem voll auf dem Land. Im Limmattal fand ich es immer spannend. Als Unternehmer trifft man in der Region auf viele andere spannende Unternehmer. Ich habe mich gern hier engagiert und war zehn Jahre OK-Präsident des Wirtschaftspodiums Limmattal. Das Limmattal ist ein spannendes Pflaster mit einer tollen Entwicklung und es ist schön, dass ich hier etwas beitragen durfte.