Unterengstringen

Schlacht zwischen Russen und Franzosen: «Ich danke der Schweiz für ihre Bereitschaft, unsere Geschichte zu ehren»

Im Gedenken an die vor 221 Jahren in Unterengstringen gefallenen russischen Soldaten wurde am Freitag ein Kranz niedergelegt.

Regen und Wind begleitete die diesjährige Kranzniederlegung in Unterengstringen. Standhaft trotzte eine rund 20-köpfige Menschenmenge den frischen Morgentemperaturen. Bereits zum 16. Mal fand am Freitag­vormittag die Gedenkfeier zu Ehren der gefallenen russischen Soldaten statt.

Auf einer kleinen Anhöhe oberhalb des Klosters Fahr befindet sich das Denkmal. Unter der sogenannten Russenlinde liegt ein grosser Stein mit der Aufschrift: «Den gefallenen Soldaten». Die Stätte erinnert an die 1000 Russen, die am 25. September 1799 in der Zweiten Schlacht um Zürich ihr Leben lassen mussten.

In einem Überraschungs­angriff von Dietikon her attackierten die Franzosen damals die in Unterengstringen stationierten Kosaken. Dieser Sieg der Franzosen war für den weiteren Verlauf des Zweiten Koalitionskrieges in Europa von grosser Bedeutung, auch für die Schweiz. Die Russen zogen sich zurück und die Schweiz fiel für die nächsten 16 Jahre unter französische Besatzung.

Gemeinsamkeit und Zusammenhalt

«Heute ist es hier friedlich», sagte Simon Wirth (FDP), der Gemeindepräsident von Unterengstringen, in seiner Ansprache. Seit 2004 erinnert die Feier an die damalige Schlacht. Auf Anfrage der Kosakenvereinigung und in Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Unterengstringer Gemeindepräsidenten Willy Haderer ist diese Tradition entstanden. Für das Denkmal pflanzte die Gemeinde extra einen Baum. «Die Linde steht stellvertretend für die gefallenen Soldaten», sagte Wirth. In seiner Rede sprach der Gemeindepräsident neben dem historischen Ereignis auch aktuelle Konflikte in anderen Ortschaften an. Um etwas zu bewirken, brauche es Gemeinsamkeit, sagte Wirth.

Der erste russische Botschaftsrat Alexey Grigoriev betonte in seiner Ansprache ebenfalls den Zusammenhalt zwischen den Nationen. «Ich danke der Schweiz für ihre Bereitschaft, unsere gemeinsame Geschichte zu ehren», sagte er.

Abgesehen von dieser Zeremonie in Unterengstringen ­finden in diesen Tagen schweizweit Gedenkfeiern zur Be­sinnung auf das historische Ereignis statt. In Unterengstringen war Grigoriev jedoch zum ersten Mal. «Es herrscht hier eine sehr herzliche und angenehme Stimmung», sagte er.

Kommen bald auch die Franzosen?

Auf Grund der Einreisebestimmungen beschränkte sich die russische Delegation dieses Jahr auf den ersten Botschaftsrat und den stellvertretenden Militärattaché Anton Ananiin. «Da der Anlass draussen stattfindet und nicht viele Leute anwesend sind, braucht es aber keine speziellen Corona-Schutzmassnahmen», sagte Wirth. Ein kleiner Apéro beendete die Zeremonie. Nicht zu missen dabei: ein Glas Wodka auf die Freundschaft. Das ist gemäss Grigoriev eine alte ­russische Tradition und gehört zum gemeinsamen Feiern. Und: «Wodka ist eine kleine Impfung gegen das Coronavirus», sagte der erste russische Botschaftsrat mit einem Lächeln. Für die Zukunft hat Wirth einen Wunsch: «Es wäre schön, wenn auch die Franzosen kommen würden.»

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