Seit dem Schuljahr 2010/2011 arbeitete die Sekundarlehrerin in einem Stadtzürcher Schulhaus. Das Pensum wechselte von neun bis zwölf Wochenlektionen, je nach Semester.

Anfang Oktober 2016 setzte die Kreisschulpflege das Pensum der Lehrerin mit einer Änderungsverfügung auf zehn Lektionen oder 36 Stellenprozent fest. Da dies einer Pensenreduktion gleichkam, handelte es sich um eine Teilkündigung.

Bereits Ende November unterzeichneten die Lehrerin und ihr vorgesetzter Schulleiter eine Absichtserklärung fürs kommende Schuljahr (2017/2018). Neu sollte das Pensum auf 43 Stellenprozente oder elf kantonale und eine kommunale Lektion erhöht werden.

Anfang März 2017, also vier Monate später, informierte die Lehrerin den Schulleiter, dass sie voraussichtlich Anfang August, also kurz vor Schuljahresbeginn, ein Kind gebären wird.

Ende März unterschrieben die beiden eine Pensenvereinbarung über 46 Stellenprozent. Abgemacht waren per 1. August 2017 jetzt zwölf kantonale Wochenlektionen und eine Lektion für kommunale Aufgabenhilfe. Gegenüber der Verfügung der Schulpflege vom Oktober 2016 erhöhte sich das Pensum damit um 10 Prozent.

Die Kreisschulpflege korrigierte die Pensenvereinbarung zwischen dem Schulleiter und der Lehrerin in der Folge auf zehn Wochenlektionen. Damit war man wieder bei 36 Prozent angelangt. Die Schulpflege lehnte die Pensenerhöhung von 36 auf 46 Prozent also nachträglich ab. Die Lehrerin könne wegen Schwangerschaft das Wahlfach nicht erteilen, lautete die Begründung.

Die Lehrerin akzeptierte diesen Entscheid nicht und rekurrierte erfolglos bei der Bildungsdirektion. So wandte sie sich ans Verwaltungsgericht.

Dieses hat der Seklehrerin Recht gegeben. Die Kreisschulpflege hat gegen das Gleichstellungsgesetz verstossen und die Lehrerin diskriminiert. «Die Anknüpfung an die Schwangerschaft stellt immer eine direkte Diskriminierung dar, da dieses Merkmal nur Angehörige eines Geschlechts erfüllen können», so das Verwaltungsgericht.

Man habe die Lehrerin in diskriminierender Weise nicht berücksichtigt, wenn ihr die geplante und bereits abgemachte Erhöhung des Pensums verweigert werde, weil sie schwanger sei. Die Sekundarlehrerin muss nun nachträglich auf den 1. August 2017 mit einem Pensum von zwölf Wochenlektionen angestellt werden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Betroffene hatte sich übrigens selber gar nicht auf das Gleichstellungsgesetz berufen, sondern argumentierte mit Kündigungsschutz wegen Schwangerschaft und dass die Schulpflege gegen Treu und Glauben verstossen habe. Laut Verwaltungsgericht spielt das aber keine Rolle. Das Gericht ist nicht an die Begründung der Parteien gebunden. Es wendet das Recht von Amtes wegen an. Kündigungsschutz hatte die Frau nicht, weil sie zum Zeitpunkt der Teilkündigung noch gar nicht schwanger war. Auf eine Verletzung von Treu und Glauben durch die Schulpflege konnte sie sich nicht berufen, weil die Vereinbarung zwischen ihr und dem Schulleiter nämlich nur im Einverständnis mit der Schulpflege gelte. (pag)