Region Limmattal

Sicherheitsbericht der Stadt Winterthur: Deshalb zeigt sich der Polizeikommandant besorgt

Diese Imitate beschlagnahmte die Stadtpolizei 2019 bei Jugendlichen. Vermehrt tragen junge Täter aber echte Waffen.

Diese Imitate beschlagnahmte die Stadtpolizei 2019 bei Jugendlichen. Vermehrt tragen junge Täter aber echte Waffen.

Die Stadt Winterthur zählt gemäss Sicherheitsbericht im Kanton Zürich am meisten jugendliche Intensivtäter.

Winterthur belegt laut dem neuesten städtischen Sicherheitsbericht einen beunruhigenden Spitzenplatz im Kanton Zürich: Die Stadt weist im Vergleich mit den anderen Regionen die meisten jugendlichen Intensivstraftäter auf. «Dieser Trend ist alarmierend und wird sich dereinst in Form einer weiteren negativen kriminellen Entwicklung im Erwachsenenalter akzentuieren», schreiben die Autoren im Bericht.

Brennpunkte der Delinquenz gibt es mehrere, es sind dem Vernehmen nach unter anderem der Eulachpark in Hegi und der Stadtpark. An diesen Orten soll es in den letzten Monaten mehrmals zu Überfällen durch Jugendgruppen gekommen sein, die nicht publik wurden. Seit Jahren steigen in der Stadt die Deliktzahlen bei Jugendlichen. Bei den Delikten gegen das Vermögen war der Anstieg 2018 mit knapp 22 Prozent (258 Delikte) und 2019 mit nochmals 31 Prozent (338 Delikte) laut dem Sicherheitsbericht «ausserordentlich stark». Die Straftaten gegen Leib und Leben haben sich seit 2012 von 64 auf 126 Delikte beinahe verdoppelt.

Nur ein Jugendlicher ohne Migrationshintergrund

Bemerkenswert ist zudem: Neunzehn Intensivstraftäter sind für mehr als die Hälfte aller Jugendstraftaten in Winterthur verantwortlich. Laut dem Bericht spielt «ein antiquiertes Männlichkeitsbild, das archaische Ehrbegriffe einschliesst», eine zentrale Rolle. «Jugendliche tragen vermehrt Waffen mit der Absicht, damit Anerkennung durch Dominanz und Wehrhaftigkeit in der Gruppe zu erlangen, allenfalls dienen sie auch dem Selbstschutz.»

Die ethnische Herkunft der Intensivstraftäter dürfte zudem laut Bericht eine Rolle spielen. Dafür spreche, «dass nur gerade ein Intensivstraftäter keinen Migrationshintergrund hat». Polizeikommandant Fritz Lehmann sagt auf Anfrage: «Es ist tatsächlich besorgniserregend, dass Winterthur und Umgebung ein kantonaler Hotspot für jugendliche Intensivtäter ist.»

Lehmann spricht von einem «Phänomen», die Gründe dafür seien aber noch nicht bekannt. «Es handelt sich nicht um Gangs, aber es existieren lose Netzwerke unter den jungen Männern.» Diese würden «in teils wechselnden Formationen zusammen delinquieren».

Immer häufiger würden Messer bei den Jugendlichen sichergestellt. «Das ist der grosse Trend, es werden legale und verbotene Messer oder Schlagringe getragen», sagt Lehmann. Der Kommandant wünscht sich nun aber nicht vordringlich eine Aufstockung der Jugendpolizei: «Wir sind zurzeit soweit gut aufgestellt. Wichtig ist, dass wir den Weg der Vernetzung weitergehen, zusammen mit der Kesb, der Jugendanwaltschaft, der Sozialarbeit, den Eltern und auch den Schulen.»

Beat Sutter ist Teamleiter bei der Mobilen Jugendarbeit Mojawi. Die Jugendarbeiter würden nicht gezielt Kontakt zu jugendlichen Straftätern aufnehmen. «Im Alltag hören wir aber natürlich immer wieder von Delikten», sagt Sutter.

Er bestätigt die «ungute Entwicklung», dass Waffen immer häufiger Thema seien. «Jugendliche haben heute viel schneller einmal ein Messer dabei», sagt Sutter. «Die Argumentation ist jeweils, dass die Waffe nur zur Selbstverteidigung dient.» Es finde in dieser Hinsicht sicher bei einzelnen ein Aufrüsten statt, sagt Sutter. «Ein Breitenphänomen ist es aber nicht.»

Ein Fokusthema sind die Jugendlichen im Sicherheitsbericht auch im Kapitel religiöser Extremismus und Extremismus. Denn trotz Schliessung der An’nur-Moschee und dem scheinbaren Verschwinden des religiösen Extremismus aus der Öffentlichkeit nehme die Anhängerzahl tendenziell zu, und es würden sich auch Jugendliche nach wie vor radikalisieren. «Die damit einhergehende soziale Segregation und Bildung von Parallelgesellschaften, wie sie teilweise in Frankreich und Deutschland bereits bestehen, wollen wir in Winterthur mit allen Mitteln verhindern.»

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