Pandemie

So floss Limmattaler Bier trotz Lockdown – es blieb sogar Zeit zum Experimentieren

Kleinbrauereien wie Ahoi-Bier aus Schlieren mussten während der Coronakrise mit einer Flaute kämpfen.

Kleinbrauereien wie Ahoi-Bier aus Schlieren mussten während der Coronakrise mit einer Flaute kämpfen.

Mit Online-Shops und Lieferdiensten haben sich Limmattaler Kleinbrauereien durch den Lockdown gekämpft und sogar Neukunden gewonnen.

Während dem Lockdown mussten alle Restaurants und Bars schliessen. Das hatte nicht nur weitreichende Folgen für die Gastrobranche, sondern auch für ihre Zulieferer. So fehlten unter anderem vielen Bierbrauereien plötzlich ihre häufig wichtigsten Abnehmer.

Vor allem Kleinbrauereien waren stark von ausbleibenden Bestellungen betroffen und mussten kreative Lösungen finden, um sich über Wasser zu halten. So haben mehrere Limmattaler Bierbrauer ihre Produkte etwa kurzfristig in Onlineshops angeboten und sogar nach Hause geliefert.

Lieferservice rettete Geschäft der Brauereien

Der Umsatz vom Brausyndikat in Dietikon ist laut Oliver Zemp während dem Lockdown um rund 20 Prozent eingebrochen: «Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen. Nur dank dem Onlineshop und dem Lieferservice konnten wir weiterhin gut verkaufen, aber leider nicht wachsen.» Vor allem das Lieferangebot sei beliebt gewesen. Finanziell gross davon profitiert hat das Brausyndikat aber nicht: «Gelohnt hat es sich schon. Einen wirklichen Gewinn haben wir aber nicht gemacht, vor allem wegen des hohen logistischen Aufwandes», sagt er.

Auch wenn dank Lockerungen die Restaurants und Bars wieder offen haben, sei die Situation nun sogar noch schwieriger als während dem Lockdown. Die Brauerei habe den Betrieb des Lieferdienstes einstellen müssen und die Bestellungen über den Onlineshop seien abgeflaut: «Unsere Hauptabnehmer stammen aus der Gastrobranche. Und die haben immer noch nicht sehr viele Gäste. Die Leute sind in den Sommerferien und die meisten Sommerfeste sind abgesagt worden. Sollte es eine zweite Welle geben, wäre das extrem ungünstig für uns», so Zemp. Das Brausyndikat schaut trotzdem zuversichtlich in die Zukunft: «Wir haben trotz der Krise eine neue Abfüllanlage gekauft. Das war eine grosse Investition, aber wir glauben an unsere Idee.»

Es blieb sogar Zeit zum Experimentieren

Der Beginn des Notstands traf Markus Friederich, der in Schlieren das Ahoi-Bier braut, inmitten des Brauprozesses für den Sommer: «Zuerst wollte ich es nicht wahrhaben. Dann habe ich langsam realisiert, dass ich das Bier vielleicht nicht loswerde. Deswegen habe ich sofort aufgehört zu brauen. Leider musste ich einen Teil des Bieres pasteurisieren, damit ich es länger lagern konnte.» Normalerweise pasteurisiere er sein Bier nicht, da ein Teil des Geschmackes verloren gehe.
Um seinen Gerstensaft trotzdem noch verkaufen zu können, hat er anschliessend ebenfalls einen Lieferservice eingerichtet: «Die Solidarität war gross. Das hat mich sehr gefreut. Ich konnte sogar einige Neukunden gewinnen», sagt Friederich. Die Nachfrage sei sogar so gross gewesen, dass er doch noch nachbrauen konnte: «Da ich genug Bier für den Sommer gebraut hatte, konnte ich sogar mit neuen Rezepten experimentieren. Ich konnte unter anderem Sorten herstellen, welche sowieso monatelang im Holzfass lagern.»

Seit den Lockerungen bewegen sich die Verkaufszahlen des Ahoi-Biers wieder fast auf dem normalen Niveau vor der Coronapandemie. Den Lieferservice will Friederich aber weiterhin anbieten, wenn auch mit längeren Lieferzeiten.

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