Urdorf

Spar nimmt Rücksicht auf Menschen mit Autismus: Das Limmattal macht mit

Spar testet ein Pilotprojekt in vier Filialen. Auch der Urdorfer Laden ist darunter. (Symbolbild)

Spar testet ein Pilotprojekt in vier Filialen. Auch der Urdorfer Laden ist darunter. (Symbolbild)

Die Urdorfer Stiftung Kind und Autismus ist begeistert vom Projekt «stille Stunden». Sie hat zuvor schon von Spenden des Urdorfer Spars profitieren können.

Der Urdorfer Spar nimmt neu Rücksicht auf Menschen mit Autismus: Unter dem Motto «stille Stunde» läuft jeweils dienstags und donnerstags von 13 bis 15 Uhr keine Musik im Laden (die «Limmattaler Zeitung» berichtete). In dieser Zeit gibt es keine Durchsagen, das Licht ist gedimmt und Hilfshunde sind willkommen. Das Pilotprojekt von Spar wird zurzeit in vier Filialen getestet. Auch in den Läden in Weiningen und Spreitenbach sollen bis Ende Jahr «stille Stunden» eingeführt werden.

In der Öffentlichkeit sind Menschen heutzutage permanent vielen Reizen ausgesetzt. Während die meisten diese gut verarbeiten können, lösen sie bei Menschen mit Autismus grosse Stresszustände aus. 

Sie ist begeistert vom Spar-Projekt: «Wir erleben heutzutage sowieso eine ständige Überreizung.» Sie sagt, dass das Einkaufen ein grosses Problem für Menschen mit Autismus sein könne. So gebe es Betroffene, die es nur mit Sonnenbrille und Ohrenschutz in Läden aushalten.

Coop hat Vorbereitungen für Pilotprojekt getroffen

Schneider hofft, dass sich weitere Detailhändler so engagieren wie Spar und dass noch mehr Massnahmen getroffen werden. Der Urdorfer Spar habe sich schon zuvor für Betroffene eingesetzt, indem er Geld für die Stiftung Kind und Autismus gesammelt habe. «Für berufstätige Betroffene wäre es toll, auch zu Randzeiten reizarm einkaufen zu können», sagt sie.

Bislang haben keine anderen Detailhändler in der Region Massnahmen zur Entlastung von Menschen mit Autismus getroffen, wie eine Nachfrage der «Limmattaler Zeitung» bei Migros, Coop, Denner und Volg ergeben hat. Coop habe «die Vorbereitungen für ein Pilotprojekt im Raum Zürich getroffen», sagt eine Sprecherin. Details werden allerdings erst «zu gegebener Zeit» kommuniziert.

Schneider kennt viele Wege, wie Menschen mit Autismus der Alltag erleichtert werden könnte. An öffentlichen Orten wie Bahnhöfen sollten stille Rückzugsräume zum Warten zur Verfügung stehen. Zudem seien visuelle Informationen gegenüber Durchsagen angenehmer. In Supermärkten seien Selbstbedienungskassen hilfreich. Auch die Möglichkeit, online einzukaufen, sei wichtig.

«Schwierig ist, dass man jemandem nicht ansieht, dass er betroffen ist», sagt Schneider. Der Vorteil an den «stillen Stunden» im Spar sei, dass das Personal für das Thema Autismus sensibilisiert ist und Rücksicht nehmen kann. Das Verständnis und die Sensibilisierung der Gesellschaft seien in Bezug auf Autismus zentral. Dass Begleit­hunde in den Laden dürfen, sei keine Selbstverständlichkeit: «Auch wenn viele Assistenzhunde eine Erkennungsweste tragen, werden sie oftmals nicht als solche erkannt», so Schneider.

Coronamassnahmen sind Fluch und Segen zugleich

Auf Menschen mit Autismus habe die Coronakrise unterschiedliche Auswirkungen, sagt Schneider. Viele seien froh über die neuen Verhaltensregeln, zum Beispiel, dass man Abstand halten und keine Hände schütteln soll. Viele Betroffene hätten es zudem geschätzt, von zu Hause aus zu arbeiten oder zu lernen. «Zu Hause gestaltet sich der Alltag teils vorhersehbarer und man kann Reize individuell dosieren», erklärt Schneider.

Anderen Betroffenen habe die Krise zugesetzt, da die Routine wegfiel und die Interaktion mit dem Betreuungsnetz erschwert wurde. Eine enge Schutzmaske zu tragen sei zudem für einige Betroffene unerträglich.

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