Schlieren

Start-up aus dem Bio-Technopark will Prostatakrebs besser diagnostizieren

Meilenstein nach über zehn Jahren Forschung:  Ralph Schiess brachte einen Test für Prostatakrebs auf den Markt.

Meilenstein nach über zehn Jahren Forschung: Ralph Schiess brachte einen Test für Prostatakrebs auf den Markt.

Der Test von Proteomedix aus dem Wagi-Areal in Schlieren zeigt Patienten auf, ob sie an Prostatakrebs leiden.

Immer wieder rufen besorgte Männer bei Proteomedix im Wagi-Areal in Schlieren an. Sie möchten einen Test erhalten, um zu wissen, ob sie an Prostatakrebs erkrankt sind. Landläufig wird dies mit einem Bluttest bestimmt. Da dieser jedoch häufig falsche positive Resultate anzeigt, ist er kontrovers. Während seiner Doktorarbeit entdeckte Ralph Schiess einen neuen, verlässlicheren Tumormarker für Prostatakrebs im Blut. Unmittelbar nach dem Abschluss gründete er 2010 das Unternehmen Proteomedix. «Hätten wir das Start-up nicht gegründet, wären die Forschungsresultate einfach liegen geblieben», sagt der 41-jährige Zürcher.

Bisher wurde das Prostata-spezifische Antigen (PSA), ein Protein, das von den Prostatadrüsen gebildet wird, untersucht. Dieser Laborwert soll nun mit dem neuartigen Test von Proteomedix ergänzt werden. «Heute muss man nach einem positiven PSA-Test eine Biopsie machen, um Klarheit zu erhalten», sagt Schiess. Das führe dazu, dass viele Biopsien an gesunden Männern durchgeführt würden. «Von den unnötigen Biopsien können wir mit dem Test 43 Prozent verhindern», sagt Schiess. Dies sei wichtig, da Biopsien nicht nur unangenehm sind, sondern auch je rund 1500 Franken kosten – das ist ungefähr sechs- bis achtmal so viel wie beim Bluttest des Schlieremer Start-ups. Der neue Test soll dazu dienen, die Diagnose zu festigen und die weiterführende Therapie des Krebses zu bestimmen. Da Prostatakrebs in den meisten Fällen langsam verläuft und nicht immer aggressiv ist, raten die Ärzte nicht in jedem Fall zur Therapie.

Prostatakrebs-Prävention scheidet die Geister

Die Meinung zum Thema Früherkennung ist unter Medizinern gespalten. Die Gegner bemängeln, dass das PSA-Screening zu ungenau sei und nicht zwischen aggressiven und harmlosen Prostatakrebs-Formen unterscheiden könne. Die Krebsliga empfiehlt, individuell zu entscheiden, und rät von einer systematischen Früherkennung von Prostatakrebs im Rahmen von Programmen ab. Anders als in Deutschland wird der Test hierzulande aber von der Krankenkasse übernommen. Den Früherkennungstest ganz wegzulassen sei gefährlich, sagt Schiess. «Als man den Früherkennungstest in den USA nicht mehr durchführte, stieg die Anzahl der neu diagnostizierten aggressiven Tumore und somit die Sterblichkeit an Prostatakrebs.» Deshalb werden die Tests je nach Wunsch, Alter und Risiko des Patienten wieder durchgeführt.

Die Dissertation von Schiess zur präziseren Erkennung von Prostatakrebs mittels Blutanalyse liegt mittlerweile zehn Jahre zurück. Ende Februar erhielt er nun die Genehmigung, den Test zu vertreiben. In den nächsten Wochen sollten die ersten Tests im Labor durchgeführt werden. «Die Entwicklung brauchte Ausdauer, aber es ist sehr erfüllend, wenn die Tests bei Patienten verwendet werden», sagt Schiess. Auch wenn es lange dauerte, bis das Produkt auf den Markt gekommen ist, so sei der Weg doch spannend gewesen. Aktuell beschäftigt Schiess ein 15-köpfiges Team. Für die Vermarktungsphase hat er dieses ausgebaut und zusätzliche Räume im Bio-Technopark in Schlieren gemietet.

Ziel: In zwei Jahren selbsttragend sein

Seit einigen Monaten ist Schiess nicht mehr CEO, sondern wissenschaftlicher Leiter. In diesem Bereich, der den Kontakt mit dem medizinischen Personal, den Kunden und der Wissenschaft beinhaltet, fühle er sich am wohlsten. Sein wirtschaftliches Ziel ist, dass das Unternehmen in zwei Jahren selbsttragend wird. Aktuell erhält das Unternehmen Gelder von der Zürcher Kantonalbank und privaten Investoren. Nach der Lancierung in der Schweiz soll der Test auch in Deutschland, Österreich und weiteren europäischen Ländern eingesetzt werden. Anfangs werden insbesondere Fachärzte den Test verordnen, doch langfristig soll er auch bei Hausärzten bekannt werden. «Wir achten darauf, dass man den Test möglichst an vielen Orten und einfach einsetzen kann», sagt Schiess. Aus diesem Grund könne man ihn 18 Monate aufbewahren und um die ganze Welt verschicken. Das ist momentan auch nötig, da erst ein Labor in der Schweiz den Test auswerten kann.

Prostatafrüherkennung ist nicht nur in der Wissenschaft ein umstrittenes Thema. Viele Jahre wurde es auch von Männern so stark wie möglich gemieden. Lange galt: Mann geht erst zum Arzt, wenn Frau ihn anmeldet. Früher sei sogar die Werbung für Prostatakrebsprävention auf die Frau ausgerichtet gewesen, sagt Schiess. «Das hat sich nun geändert, der Mann ist informiert und oft auch besorgt um seine Gesundheit.» Trotzdem sei die Prostatauntersuchung noch lange nicht so alltäglich wie etwa die Brustkrebsprävention bei Frauen.

In zwei Jahren soll der Bluttest laut Schiess von der Krankenkasse übernommen werden. Bis dahin wird wohl bereits ein neuer Test aus dem Labor des Schlieremer Start-ups im Handel sein. «Wir sind daran, einen zweiten Test zu entwickeln, um zu zeigen, ob die Behandlung ausreichend ist», sagt Schiess. Dank des nächsten Produkts soll der Patient erfahren, ob er Metastasen hat und wie weit der Krebs fortgeschritten ist.

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