Am Schluss nützte alles Aufbäumen nichts mehr. Nach 90 begeisternden Minuten jubelte jene Mannschaft, die das in den meisten Fällen tut, wenn sich die Schweiz und Deutschland im Faustball duellieren. Weil sie sich im entscheidenden siebten Satz vor allem defensiv zu viele Fehler leisteten, kassierten die wackeren Eidgenossen im 127. Direktvergleich mit dem Weltmeister die 96. Niederlage. Nach drei Pleiten gegen Österreich in den Tagen vor dem Spiel in Schlieren endete so die Länderspiel-Woche ohne Erfolgserlebnis. Dennoch überwogen bei den Schweizern die positiven Aspekte dieser Kampagne, die aufgrund der abgesagten Europameisterschaft durchgeführt wurde. «Heute ist der Funke auch von uns aufs Publikum übergesprungen und die Zuschauer haben uns getragen. Das hat richtig Spass gemacht», wand Mittelmann Silvan Jung im Gespräch mit dem Medienchef des Schweizer Verbands den Limmattaler Zuschauern ein Kränzchen.

Apropos Zuschauer. Dass am Freitagabend 450 Schaulustige bei besten äusseren Bedingungen auf die Sportanlage Unterrohr gepilgert waren – und über 200 den Live-Stream im Internet verfolgten –, freute einen ganz besonders. «Es ist einfach genial. Super Wetter, viele Fans, ein ausgeglichenes Spiel – was wollen wir mehr?», fragte OK-Präsident Daniel Laubi rhetorisch. Zum Zeitpunkt von Laubis Worten stand die Partie nach einer Stunde Spielzeit noch bei 2:2, nach einem schwachen Beginn holten die Schweizer auf und glichen das Spiel zweimal aus. Nach dem Kraftakt im sechsten Durchgang – mit einem 12:10 stellten die Eidgenossen zum 3:3 nach Sätzen – fehlte nur wenig zur Überraschung.

«Wir pflegen mit ihnen eine ­jahrelange Freundschaft»

Schon lange vor dem Anpfiff herrschte im Unterrohr Volksfest-Ambiance. In besonders fröhlicher Stimmung war man beispielsweise an einem Tisch, der von den Schlieremer Fussballern in Beschlag genommen wurde. «Das wird heute ein wunderbarer Abend», meinte Peter Seifriz, ehemaliger Präsident und aktuell Sponsoring-Berater des FCS. Er sollte Recht behalten. Ein paar Meter weiter sassen Männer bei einem Bier, die man aufgrund ihres Outfits nicht unbedingt an einem Faustballspiel erwarten würde. Mitglieder des Limmattaler Motorrad-Clubs Thors MC unterstützten mit ihrer Anwesenheit die Schweizer Nationalmannschaft. «Das ist eine coole Truppe. Wir Faustballer pflegen mit ihnen eine jahrelange Freundschaft», erklärte Laubi schmunzelnd, «mit einem von ihnen bin ich früher in die Schule gegangen.» Man unterstütze sich immer wieder gegenseitig bei Anlässen. An einer Ecke stand eine Handvoll Schweizer Fans oben ohne und machte während der gesamten Partie lautstark Stimmung. Ein anderer Supporter stand mehr oder weniger die gesamte Spielzeit auf einer Holzbank, schrie, was das Zeug hielt und machte Lärm mit seiner Gasdruck-Hupe. Laubi blickte in die Runde und meinte nur: «Was unsere Fans heute aufführen, das ist einfach grossartig.»

Ein Lob verdienen aber auch die Schlieremer Faustballer für ihre Rolle als Gastgeber beim ersten Länderspiel im Limmattal. Angesichts der sehr kurzen Vorlaufzeit haben sie ganze Arbeit geleistet, die Reaktionen von offizieller Seite fielen entsprechend positiv aus. Auf die Frage, ob dereinst wieder einmal ein Länderspiel im Unterrohr stattfinden könnte, meinte Daniel Laubi mit einem Schmunzeln: «Ja, das ist sehr gut möglich.» Allerdings nicht mehr dieses Jahr: Die Länderspielsaison ging mit der Partie in Schlieren zu Ende.

Der Veranstalter hatte vor, während und nach der Partie viele Hygienevorschriften einzuhalten. So musste man beim Einlass die Kontaktdaten angeben, die Hände desinfizieren und in einem zugeteilten Sektor Platz nehmen. «Hier, falls Sie einmal den Sektor wechseln wollen», meinte einer der Helfer am Eingang und deutete auf eine Schachtel mit ­Hygienemasken. Auch wenn man sich vor dem Essen- und Getränkestand in die Reihe stelle, solle man bitte die Maske aufsetzen. Der Wunsch wurde erhört, so richtig konsequent umgesetzt wurde er aber nicht.

Coach Marcel Kunz war als Linienrichter im Einsatz

Mitglieder der Schlieremer Faustballer waren nicht nur hinter den Kulissen und in der Organisation tätig. Dank Marcel Kunz hatten sie auch auf dem Platz etwas zu sagen. Der Coach der Schlieremer NLB-Männer amtete als einer der beiden Linienrichter. Er machte seine Sache tadellos und dürfte sich von den Nationalspielern den einen oder anderen Spielzug für sein Team abgeguckt haben. Schliesslich will Kunz mit seiner Mannschaft auch nach der kommenden Meisterschaftsrunde vom übernächsten Samstag von der Spitze der Gruppe Ost grüssen.

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