Dietikon
Trotz Corona ist im Gleis 21 etwas los: Das Streaming-Festival stream21 lässt Kultur vom Sofa aus erleben

Während zwei Tagen findet das schweizweit erste Streaming-Festival für Bühnenkunst im Gleis 21 statt. Von Musik über Komik bis hin zu Theatersport: Kulturinteressierte sollen von zu Hause aus auf ihre Kosten kommen.

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stream21

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Trotz Pandemie dürfen sich Kulturliebhaber freuen: Am 28. und 29. Januar wird das Streaming-­Festival «stream21» live aus dem «Gleis 21» am Bahnhof Dietikon übertragen. An den zwei Abenden werden verschiedene national bekannte Künstler auftreten. Auch ein Experten-Talk und ein Auftrittsfenster für ambitionierte Hobbykünstler stehen auf dem Programm. Die Zuschauerinnen und Zuschauer können das Festival zu Hause am Bildschirm mitverfolgen. Die auftretenden Künstler werden teils im «Gleis 21» live gefilmt, teils zugeschaltet. Billette für den Livestream kann man als Ein- oder Zweitagespass für 29 beziehungsweise 49 Franken kaufen.

Das Programm ist vielfältig: Der Berner Komiker Semih Yavsaner, besser bekannt als Müslüm, und die bekannte Moderatorin Gülsha Adilji wollen die Zuschauer zum Lachen bringen, Slampoetin Lisa Christ präsentiert ihre mit viel Wortwitz gespickten Texte über ihren Alltag und das Leben als Frau. Auch eine Lesung der Bündner Autorin Ramona Ganzoni und ein interaktives Improvisationstheater sind geplant. Für musikalische Unterhaltung sorgen das Jazzduo Philipp Rellstab und Albert Gabriel, die Mani-­Matter-Coverband Ueli Schmezer’s MatterLive und der Reggae- und Dancehall-Sänger Collie Herb.

«Ich bin am meisten auf den interaktiven Theatersport gespannt», sagt Gesamtleiter Manuel Reinhard, der ein Team aus sechs kulturerprobten Organisatorinnen und Organisatoren führt. Collie Herbs Auftritt werde ebenfalls spannend: Er wolle nämlich basierend auf Zuschauerinputs Reggae-Musik improvisieren. Ein Highlight für Reinhard verspricht auch der sogenannte Talk zu werden. Für diesen kommen sechs Experten aus den Bereichen Kultur und Digitalisierung zu einer Diskussionsrunde zusammen. Debattiert wird über die Chancen und Schwierigkeiten der Digitalisierung für die Kulturbranche. Interessierte können sich kostenlos zum «Talk» zuschalten.

Digitalisierung werde auch nach Corona präsent sein

Obwohl mit dem «stream21» erstmals ein Streaming-­Festival für Bühnenkunst in der Schweiz durchgeführt wird, geht sein Ursprung nicht erst auf letztes Jahr zurück. «Wir hatten schon seit ein paar Jahren die Idee, Kultur digital stattfinden zu lassen», sagt Reinhard. Die Pandemie habe die Durchführung nun zwar aufgedrängt, die Idee sei aber entstanden, weil früher oder später jede Branche digitalisiert werde. Reinhard ist überzeugt, dass diese Entwicklung in der Kultur auch nach der Coronakrise präsent bleiben wird und sich Kulturschaffende so oder so mit dem Thema auseinandersetzen müssen. «Wir wollen mit dem Festival eine Plattform bieten, wo man digitalisierte Kultur erleben und sich einbringen kann.» Weil momentan wenig anderes stattfindet, sei der Zeitpunkt perfekt, um auf diesem Weg trotzdem Kultur zu den Menschen zu bringen.

«Der Ticketverkauf ist gut angelaufen», sagt Reinhard. «Es liegt aber in der Natur von Streaming-Events, dass die Leute ihre Tickets sehr kurzfristig buchen.» Er rechnet damit, dass 80 Prozent des Publikums ihre Billette erst in den letzten zwei Tagen oder sogar in den letzten paar Stunden vor Beginn besorgen werden.

Ende Oktober hat Reinhard Kontakt mit der Stadt Dietikon aufgenommen. Auf Dietikon als Durchführungsort sei er gekommen, weil die Stadt bereits Kundin seiner Firma Ticketpark gewesen sei und er mit ihr gute Erfahrungen gesammelt habe. «Ab dann ist alles sehr sportlich und hektisch zu- und hergegangen», sagt er und lacht. Künstler zu finden, die mitmachen wollen, sei nicht schwierig gewesen. «Viele waren sehr froh um die Anfrage und dank dem gut vernetzten Team vom ‹Gleis 21› haben wir viele Kontakte erhalten.» Einige seien dem digitalen Übertragungsweg gegenüber skeptisch, aber dennoch gespannt auf die neue Erfahrung.

Sie zeigen, wie man Streaming-Events gestaltet

Speziell ist auch, dass sich einige Künstler selber aktiv für das Festival angemeldet haben. Einige der erwähnten Kulturschaffenden sind Teil des Programmpunkts «The Art of Streaming Art». Dabei handelt es sich um kurze Auftritte, die illustrieren sollen, wie man Streaming-Vorstellungen gestalten kann.

«Das Festival ist eine Bereicherung. Gerade jetzt, wo man viel zu viel Zeit damit verbringt, irgendwelche Serien zu streamen», sagt die Dietiker Kulturbeauftragte Irene Brioschi, die in der Festivalorganisation als Vermittlerin tätig war. Sie hofft, dass «stream21» weit über die Regionsgrenzen hinaus ausgestrahlt und neue Publikumssegmente erreichen wird. Zudem wünscht sie sich, dass das Dietiker Kulturangebot bekannter wird. «Besonders freue ich mich auf das neue Kleinkunstprogramm von Müslüm, die Liveschaltung zu Gülsha Adilji und den Expertentalk», sagt Brioschi.

Ob das Streaming-Festival, das seinen Namen sowohl vom aktuellen Jahr als auch vom Durchführungsort ableitet, in Zukunft wieder stattfinden wird, ist noch unklar. «Wir lassen das bewusst noch offen und werden sehen, wie das Feedback ausfällt», sagt Reinhard. Zudem wolle man abwarten, wie sich die Digitalisierungstendenzen und die Pandemie im Verlauf des nächsten halben Jahres entwickeln. Gibt es nächstes Jahr eine Fortsetzung, könnte der Standort auf jeden Fall beibehalten werden: «Mit dem Team aus Dietikon haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht.»

Streaming-Festival «stream21»

Ein Eintagespass ist online für 29 Franken, ein Zweitagespass für 49 Franken zu kaufen. Die Vorstellungen beginnen am 28. Januar um 18.50 Uhr, am 29. Januar um 18 Uhr.