Uitikon

Unihockeycrack mit Kochschurz: Nik Gassmann unterrichtet Hauswirtschaft

Nik Gassmann erklärt die Theorie zum Thema Rohkost.Katja Landolt

Nik Gassmann erklärt die Theorie zum Thema Rohkost.Katja Landolt

Nik Gassmann beschäftigt sich die ganze Woche mit Unihockey. Doch den Beruf, den er gewählt hat, hat gar nichts mit Sport zu tun. Er ist einer der wenigen Männer, die Hauswirtschaft unterrichten.

Die Zwiebel kullert vom Schneidbrett. Unzerschnitten. Nik Gassmann greift ein, nimmt dem Schüler das Messer aus den Fingern und lässt die anderen sich versammeln. «Mit den Fingern immer schön das Tunnel machen», sagt Gassmann, klemmt die Zwiebel fest und zerlegt sie in Einzelteile.

Es ist kurz vor 11 Uhr. Die Sonne scheint schräg durch die Lamellenstoren in die Küche im Untergeschoss des Schulhauses Schwerzgrueb in Uitikon. Es riecht, wie es in allen Kochschulräumen riecht: nach Öl, nach Zwiebeln, nach Kochdunst. Zum Zmittag gibt es Flammkuchen mit ordentlich Speck und Zwiebeln, Blattsalat und zum Dessert Beerenquarkcrème mit frischen Himbeeren. Vorher aber müssen die Schüler noch zum Thema Rohkost Aufgaben lösen. Ganz normaler Hauswirtschaftsunterricht eben. Und doch nicht ganz. An der Wandtafel steht nicht die typische Hauswirtschaftslehrerin, wie man sie in der Schulzeit selbst erlebt hat. Seit den Sommerferien steht hier Nik Gassmann, 21 Jahre alt, Unihockeyspieler in der höchsten Schweizer Liga.

Vom Sport zur Hauswirtschaft

Gassmann trainiert drei Mal pro Woche mit seiner Unihockeymannschaft, zwei Mal trainiert er individuell und pro Woche stehen ein bis zwei Spiele auf dem Programm. Es liegt auf der Hand, dass er eigentlich Sportlehrer werden wollte. So hat er sich auch an der Pädagogischen Hochschule in Zürich eingeschrieben. Doch er merkte schnell, dass das nichts für ihn ist. «Sport muss Spass machen und Herausforderung sein, ich muss im Spiel drin sein», sagt er. An der Seitenlinie zu stehen und die Schüler herumrennen und Bälle werfen zu lassen, das war ihm, dem Mannschaftssportler, fremd.

Gassmann suchte nach einer Alternative und fand sie in der Küche. «Ich wollte etwas ganz anderes machen», sagt er. Jetzt hat er vier Fächer belegt: Geschichte, Deutsch, Englisch und Hauswirtschaft. Seit Mitte August unterrichtet Gassmann nun jeden Dienstag Uitiker Erst-Sekler in Hauswirtschaft. Sind die Hauswirtschaftslektionen um 12.40 Uhr um, drückt Gassmann am Nachmittag selbst die Schulbank. Noch muss er dreieinhalb Jahre zur Schule, bis er fixfertiger Lehrer ist. Seine Anstellung an der Schule Uitikon ist quasi ein Nebenjob; während seine Studienkollegen in Bars und Restaurants arbeiten, arbeitet Gassmann eben als Lehrer. «Es ist ein riesen Glücksfall, dass ich hier drei Lektionen unterrichten kann», sagt er.

Auch Schulleiter Amadé Koller ist von seinem neuen Hauswirtschaftslehrer angetan. Das jugendliche Alter Gassmanns sei für ihn kein Argument gewesen, die Bewerbung auszusortieren, im Gegenteil. «Das Alter ist nicht entscheidend, sondern, was die Person darstellt», sagt Koller. Bedenken, dass die Schüler in Gassmann eher einen Kumpel denn einen Lehrer sehen, habe er keine. Gassmann habe ausserdem von seinem sportlichem Engagement her sehr gute Voraussetzungen. «Wie in der Schule gilt auch im Sport, dass man sich an klare Regeln halten muss.»

«Keine negativen Reaktionen»

Zurück in der Schulküche: Die Schüler sammeln sich die Lebensmittel zusammen, die sie zum Kochen brauchen, und stibitzen sich gegenseitig die Himbeeren aus den Körbchen. Gassmann beugt sich derweil über die Geschirrwaschmaschine. Sie hat nicht sauber abgewaschen, ein Messer ist aus dem Korb gerutscht und hat die Maschine blockiert. Dann sucht er für die eine Gruppe die Käseraffel aus dem Schrank, erklärt einer Schülerin, wo er sein T-Shirt gekauft hat, und kontrolliert zwischendurch die Mise en place. Es ist aufgeregt und laut, aber Gassmann nimmt das gelassen.

Was sagen eigentlich seine Freunde zu seinem eher ungewöhnlichen Beruf? Gassmann grinst. Die Frage sei meist, warum er denn nicht Sportlehrer sei. Aber grundsätzlich komme sein Beruf sehr gut an. «Ich habe noch nie eine negative Reaktion bekommen, im Gegenteil. Viele sagen, als Hauswirtschaftslehrer zu arbeiten, täte mir gut.»

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