Coronavirus

Unser Praktikant ist kurzfristig ins Militär eingerückt – um den Viren Einhalt zu gebieten

Joël Decurtins ist in der Kaserne Frauenfeld untergebracht. (Symbolbild)

Joël Decurtins ist in der Kaserne Frauenfeld untergebracht. (Symbolbild)

Joël Decurtins, Praktikant der Limmattaler Zeitung, ist kurzfristig ins Militär eingerückt. Hier berichtet er von seinen ersten Tagen in der Kaserne.

Bis vor kurzem hätte ich nicht daran geglaubt, dass ich die nächsten Wochen oder Monate in einer Kaserne statt mit der Familie im Homeoffice verbringen würde. Doch vor rund einer Woche mussten ich und andere Militärangehörige kurzfristig ihre Sachen packen und ins Militär einrücken. Weil in der Schweiz die Anzahl der Coronavirus-Infektionen kontinuierlich anstieg und das Schweizer Gesundheitssystem dadurch immer stärker belastet wurde, hatte der Bundesrat am Montag, 16. März verkündet, dass bis zu 8000 Soldaten zur Unterstützung der zivilen Behörden mobilisiert werden können. Gleichentags am Abend wurden erste Aufgebote per SMS oder E-Mail versandt.

Im Nu in der Kaserne

Innert weniger Tage wurden so Angehörige von vier Spitalbataillons und mehreren Sanitätskompanien eingezogen. Am Abend meines Aufgebots schrieb ich noch einen Artikel fertig, am nächsten Morgen stand ich schon in grüner Montur am Mobilmachungsstandort des Spitalbataillons 75 bereit. Nach einer kurzen Auffrischung der fundamentalen Fähigkeiten, wie Erste-Hilfe-Massnahmen und Pistolenschiessen, zog das Bataillon in die Kaserne Frauenfeld ein.

Hygienevorschriften werden optimiert

Hier haben wir Ausbildungen, die uns auf den Einsatz in den Gesundheitseinrichtungen vorbereiten sollen. Wie der Einsatz genau aussieht, war lange nicht klar, weshalb wir sowohl Lektionen am Sanitätswagen als auch solche zur Patientenpflege im Spital hatten. Viele Lektionen sind improvisiert, da die Situation für alle neu ist und das Übungsmaterial erst aufgetrieben werden musste. Auch die Einhaltung der Hygienevorschriften des Bundes erweist sich auf den räumlich begrenzten Militäreinrichtungen teils als ziemlich schwierig. Täglich werden aber neue Ideen umgesetzt, die die Ansteckungsgefahr vermindern sollen. So wurden vor dem Essenssaal Becken und Seife zum Händewaschen aufgestellt und in den Betten schlafen wir abwechslungsweise mit dem Kopf zur Wand und zur Zimmermitte, um den Abstand zu vergrössern.

Weil wir uns im Zivilen anstecken könnten, bleiben wir bis auf weiteres die ganze Woche in der Kaserne und warten auf einen Auftrag. Teile unseres Bataillons werden bald bei der Reaktivierung des alten Bettenhochhauses des Kantonsspitals Frauenfeld eingesetzt.

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