Neun Jahre und vier Monate: So lautet das Urteil gegen den Kinderschänder, dessen höllisches Treiben die ganze Schweiz erschaudern liess. Rund einen Viertel der Strafe hat der pädophile Ex-Leiter einer Limmattaler Cevi schon hinter sich. Bis und mit heute verbrachte er 845 Tage in Haft. Er hatte sich während 20 Jahren an diversen Knaben im Alter von 5 bis 15 Jahren vergriffen, nachdem er sie zum Teil betäubt hatte. Letzteres ist mit 37 Videos belegt.

Der Täter ist psychisch gestört. Der Befund: Kernpädophilie mit hoher Rückfallwahrscheinlichkeit. Die sexuelle Präferenzstörung lässt sich nicht ursächlich beseitigen. So das Fazit der Psychiater, das Gerichtspräsident Stephan Aeschbacher am Freitag resümierte.

Kleine Verwahrung vorbehalten

Nun soll der 51-jährige Schweizer lernen, seine Triebe zu unterbinden: Das Gericht hat eine strafvollzugsbegleitende ambulante Massnahme angeordnet.

Das ist nicht alles. Aeschbacher wies mit aller Deutlichkeit darauf hin, dass das Gericht eine stationäre Massnahme debattieren müsste, sollte die ambulante scheitern. Im Volksmund gesprochen: Die Option einer kleinen Verwahrung ist noch nicht vom Tisch. Diese Art des Freiheitsentzugs lässt sich alle fünf Jahre verlängern.

Eine Stunde dauerte die Eröffnung und Erläuterung des Urteils. Das Gericht sprach den Angeklagten wegen sieben Tatbeständen schuldig: der mehrfachen sexuellen Nötigung von sechs Knaben, der mehrfachen Schändung eines Knaben, der mehrfachen sexuellen Handlungen mit acht Knaben, sowie der mehrfachen Pornografie, der mehrfachen Verletzung des Geheim- und Privatbereichs durch Aufnahmegeräte, des mehrfachen Verabreichens gesundheitsgefährdender Stoffe und der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Zwei Fälle waren ganz verjährt

Bei zwei der insgesamt zehn von der Staatsanwaltschaft aufgelisteten Opfer stellte das Gericht das Verfahren ganz ein, da die Taten verjährt sind. Bei drei weiteren Vorfällen wurde das Verfahren teilweise eingestellt.

Das schwerwiegendste Delikt war die mehrfache sexuelle Nötigung. Dafür sind bis zu zehn Jahre Strafe möglich. Das Verschulden erachtete das Gericht als schwer, die vorgenommenen Handlungen als mittelschwer, unter anderem weil der Täter keine schmerzhafte Gewalt anwendete. Zur subjektiven Tatschwere meinte Aeschbacher: «Es ist von einem perfiden, verwerflichen und egoistischen Vorgehen zu sprechen.» Die kriminelle Energie sei gross. Insgesamt gab es für die mehrfache sexuelle Nötigung eine Einsatzstrafe von sieben Jahren. Für die restlichen Tatbestände gab es zwei Jahre und vier Monate. Das Gericht betonte, dass es nicht jede Tat separat bestrafen und diese Strafen zusammenzählen kann, sondern nach dem sogenannten Asperationsprinzip vorgehen muss. Könnte es jede Tat einzeln bestrafen, hätte es eine weitaus höhere Strafe gegeben: Das Gericht sah 400 bis 500 Übergriffe als erwiesen an.

Kommt der früher in Dietikon wohnhafte Mann dereinst frei, könnte er wieder mit Kindern und Jugendlichen zusammenarbeiten. Das Gericht durfte kein Tätigkeitsverbot aussprechen, da das entsprechende Gesetz erst seit 1. Januar 2015 in Kraft ist.

Der Limmattaler muss nicht nur die Strafe absitzen, sondern auch hohe Geldzahlungen leisten: 52 000 Franken Genugtuung, 2000 Franken Schadenersatz und über 12 000 Franken Prozessentschädigung erhalten die Geschädigten. Dazu kommen Zinsen von fünf Prozent, die teilweise bis in die 90er-Jahre zurückgehen. Es könnte aber noch mehr werden, da das Gericht einen Teil der Forderungen auf den Zivilweg verwies. Weiter hat es dem Täter die Untersuchungs- und Gerichtskosten auferlegt. Allein die Gerichtsgebühr beträgt 10 000 Franken. Der Verteidiger des nun verurteilten Mannes wird aus der Gerichtskasse mit gerundet 52 000 Franken entschädigt.

Die Berufungsfrist beträgt zehn Tage. Demnächst erhalten die Verfahrensbeteiligten noch das schriftliche Urteil. «Sie können von etwa 150 Seiten ausgehen», sagte Gerichtspräsident Aeschbacher zum Schluss.