Am 1. September 2017 kam die Einladung aus Vevey. «Wir waren einer der ersten Kantone, die zugesagt haben», sagt Werner Malär von der Zürcher Staatskanzlei. Das hatte den Vorteil, dass es noch eine Auswahl gab unter den möglichen Daten für einen Gastauftritt an der Fête des Vignerons. Es ist das erste Mal, dass die Deutschschweizer Kantone eingeladen sind, sich je einzeln einen Tag lang an dem rund dreiwöchigen Fest zu präsentieren. Zürich entschied sich für den 4. August, einen Sonntag, womit auch für Publikum gesorgt sein dürfte.

«Alle Kantone haben ein grosses Programm auf die Beine gestellt», weiss Malär. Auch Zürich stemmt «eine grosse Kiste». Der Auftritt beginnt mit Technomusik bereits am Samstagabend und mit klassischer Musik zum Sonnenaufgang. Es geht weiter mit Darbietungen von Pop bis Gipsy. Videokunst wird gezeigt. Auch Dada und Tanz dürfen nicht fehlen. Das Organisationskomitee in Vevey habe ausdrücklich erbeten, dass sich der Kanton auch von seiner modernen Seite zeige und nicht nur Trachten zu sehen seien, sagt Malär.

Vom Stadtrat wechselte er zum Regierungsrat

Er leitet die Abteilung Veranstaltungen und Repräsentation in der Staatskanzlei des Kantons Zürich. Sie ist die zentrale Stabsstelle des Regierungsrates. Malärs Abteilung existiert, seitdem er sie leitet: seit 17 Jahren. Sie umfasst neben ihm eine Mitarbeiterin und das Team der Weibelinnen und Weibel. Zuvor organisierte er 13 Jahre die offiziellen Anlässe des Zürcher Stadtrates.

Zu seinen Aufgaben gehört es, alle repräsentativen Auftritte des Regierungsrates zu organisieren. Das sind rund 100 pro Jahr. Er ist aber auch zuständig für den Empfang eines frisch gewählten Zürcher Nationalratspräsidenten (zuletzt Jürg Stahl, 2016) oder eines Zürcher Bundesrates (zuletzt Ueli Maurer, 2009). Als Rosine, so Malär, gibt es dazwischen auch mal richtig grosse Anlässe. Zuletzt war das der Marché-Concours in Saignelégier, an dem der Kanton Zürich 2016 Gastkanton war – und nun eben die Fête des Vignerons, welche nur einmal pro Generation stattfindet. 1999 wurde das Fest letztmals durchgeführt.

Viele Telefone für die Fête des Vignerons: Werner Malär von der Zürcher Staatskanzlei in seinem Büro.

Viele Telefone für die Fête des Vignerons: Werner Malär von der Zürcher Staatskanzlei in seinem Büro.

An Zürich, den grössten Kanton, werden bei solchen Auftritten auch gewisse Erwartungen gestellt – die man möglichst auch erfüllen will, wie Malär betont. Dazu greift er bei Bedarf auch auf externe Hilfe zurück, in diesem Fall auf die Kommunikationsagentur Eggli Witsch. Mitinhaberin Rea Eggli ist versierte Kulturmanagerin und auch bekannt als Mitbegründerin der Zürcher Crowdfunding- Plattform Wemakeit.com, ausserdem als Macherin von Letsmuseum. Letzteres ist eine Plattform, die alternative Museumstouren verkauft, unterstützt vom Migros-Kulturprozent.

Die Agentur konnte einen nicht zu schlagenden Vorteil vorweisen: Sie ist im Auftrag der Fête des Vignerons auch als Schnittstelle für die Betreuung aller Deutschschweizer Gastkantone zuständig. Somit ist man nah dran am OK in Vevey. Malär: «Das hat uns sehr viel gebracht.»

Mit der kantonalen Kulturfachstelle und Eggli Witsch zusammen wurde eine Liste von Künstlerinnen und Künstlern zusammengestellt. Praktisch alle hätten zugesagt, freut sich Malär. An der Gage allein liegt es nicht. Eine solche werde zwar gezahlt, es sei aber auch Freiwilligenarbeit gefragt. Die Bühnen für die Auftritte werden vom Fest-Komitee zur Verfügung gestellt. Ihre elektronische Ausstattung ist jedoch eher bescheiden. Diesbezüglich konnten nicht alle Wünsche der Künstler erfüllt werden, wie Malär sagt. Zu hören sein werden zum Beispiel Sebass, Michael von der Heide oder die ETH Big Band.

Eine halbe Million Franken für den Auftritt

Das Budget für den Zürcher Auftritt beträgt 500'000 Franken. In dieser Grössenordnung kann der Regierungsrat in Eigenregie Beiträge aus dem Lotteriefonds beschliessen. Es gibt aber auch Sponsoring. «M4Music» vom Migros-Kulturprozent fördert seit 22 Jahren Nachwuchstalente und bespielt eine Bühne in Vevey. Fünf Formationen von Punkrock bis Electro-Trip-Hop treten auf. «Eine gute Gelegenheit für junge Talente, sich auch in der Romandie zu präsentieren», erklärt Malär deren Interesse an einem Auftritt. Dieser fordert allein schon von der Anreise her einiges an Eigeninitiative.

Auf einige Erfahrung kann «Zürich tanzt» zurückblicken. Nach dem Festival in Zürich präsentiert es sich am 4. August mit diversen Aktivitäten in Vevey. Geboten werden Performances, Workshops und Kurse für alle. Im Weiteren werden mit Projektionen Einblicke in die Zürcher Videokunst geboten. Das Cabaret Voltaire entführt mit einem Pop-up-Museum in die Welt des Dadaismus. «Food Zürich» und der Marktladen «Berg und Tal» präsentieren handverlesene Zürcher Esswaren. Das finanzielle Risiko tragen sie selbst, betont Malär.

Regierung wollte zuerst auf Umzug verzichten

Und dann gibt es auch noch einen Umzug. Neben dem Kulturprogramm war seitens des OK ausdrücklich ein solcher gewünscht worden. Der Regierungsrat wollte darauf verzichten – zu teuer, zu aufwendig. Dann stellte sich heraus, dass eine grössere Zahl Zürcher Zünfter ohnehin einen Abstecher nach Vevey vorhatte – wie schon 1999, kostümiert in einem Extrazug. Sie erkundigten sich beim OK in Vevey, wie sie sich ins Fest integrieren können – und wurden an die Staatskanzlei verwiesen. «Ein Glücksfall», sagt Malär. Aus rund 800 kostümierten Zünftern lässt sich gut ein Umzug formen. Der Wunsch des Kantons war, dass auch die Begleiterinnen kostümiert sind. Die Zünfter zahlen den Extrazug sowie ihre Eintrittsbillette zum Winzerschauspiel, die Staatskanzlei offeriert einen Lunch-Sack für die Fahrt.

Die Musik der Kantonspolizei, die Spielsektion des Unteroffiziersvereins (UOV) Zürich und die Stadtharmonie Winterthur Töss komplementieren die Parade. Im Zug reist auch die offizielle Zürcher Delegation mit Regierungspräsidentin Carmen Walker Späh an der Spitze mit. Sie wird eine Rede halten. Zünfter und Offizielle werden sich gemeinsam die um 11 Uhr beginnende Show in der grossen Arena anschauen. Der Umzug beginnt um 17 Uhr.

Malär ist Winterthurer. Sein Berufsleben hat er mit einer Kochlehre begonnen. Er hat auf Kreuzfahrtschiffen gearbeitet und sich an der Luzerner Hotelfachschule weitergebildet. Ein Anlass wie die Fête des Vignerons bedeute viel Teamarbeit aller Beteiligten, betont er. Für den Auftritt in Vevey leitet er seit einem Jahr alle drei Wochen eine Koordinationssitzung. Am meisten Arbeit und zuweilen auch Überstunden verursachen ihm die Details. Er will den Aufwand aber auch nicht übertrieben dargestellt sehen. Er dürfte sich in der Grössenordnung einer Einladung an die Olma bewegen, sagt er. Mit einer solchen rechnet er bis 2024 oder 2025.