Zürich

Volk muss wohl erneut über Hardturm-Areal abstimmen

So könnte das zukünftige Fussballstadion auf dem Hardturm-Areal in Zürich aussehen. (Archivbild)

So könnte das zukünftige Fussballstadion auf dem Hardturm-Areal in Zürich aussehen. (Archivbild)

Bis der erste Ball im neuen Fussballstadion auf dem Zürcher Hardturm-Areal rollt, dürfte es länger dauern als geplant. Denn gegen den privaten Gestaltungsplan für das Projekt «Ensemble» wird das Referendum ergriffen. Damit droht eine weitere Stadion-Volksabstimmung.

Lanciert wird das Referendum von der IG Freiräume Zürich West, wie diese am Freitag mitteilte. Kommen mindestens 2000 Unterschriften zusammen, gibt es eine weitere städtische Volksabstimmung zum Stadion. Wahrscheinlich im Herbst 2020.

Der private Gestaltungsplan «Areal Hardturm - Stadion» wird voraussichtlich am 23. Oktober im Zürcher Stadtparlament behandelt. Er schafft die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die Realisierung. Erforderlich ist er vor allem aufgrund der Gebäudehöhe der beiden geplanten Hochhäuser.

Zudem werden im privaten Gestaltungsplan auch Festlegungen zu den Bau- und Nutzungsbestimmungen, zur Erschliessung, zu Freiräumen, zum Lärmschutz sowie zu weiteren Umweltaspekten getroffen.

Nach der Behandlung im Gemeinderat wird die IG voraussichtlich Ende Oktober mit der Unterschriftensammlung beginnen. Im Referendumskomitee sitzt unter anderen Gemeinderat Markus Knauss (Grüne).

«Klimaverträglichere Entwicklung»

Die IG setze sich für eine sozial- und klimaverträgliche Entwicklung des Hardturm-Areals ein und damit für eine bessere Zukunft als das Projekt «Ensemble» zu bieten habe.

Die IG fordert «die Gestaltung des Areals mit gemeinnützigem Wohnungsbau sowie einem grossen Park für Spiel, Breitensport, Naherholung und Kultur.» Ihrer Ansicht nach hat das Bauprojekt der Credit Suisse «kaum urbane Qualitäten.» Zudem bewirkten Hochhäuser mit teuren Wohnungen «nur eine Scheinverdichtung.»

Und diese Scheinverdichtung erhitze Zürich West, heisst es weiter. Denn die komplette Versiegelung des 55'000 Quadratmeter grossen Areals mit durchgehender Tiefgarage werde die Entwicklung des Quartiers zur Hitzeinsel vorantreiben.

Schon heute seien die Temperaturen an den Sommerabenden gemäss der ETH und dem Klimamodell des Kantons Zürich in Zürich West 5 Grad höher als am Stadtrand.

Lange Abstimmungs-Geschichte

Die Stadtzürcher Stimmberechtigten müssen sich immer wieder zur Stadion-Frage äussern. 2003 hatten sie das privat finanzierte Projekt Pentagon an der Urne bewilligt, es kam aber nie zustande. 2013 lehnten sie ein städtisch finanziertes Projekt ab.

Im vergangenen November haben sie das Projekt «Ensemble» mit 53,8 Prozent Ja-Stimmenanteil angenommen. «Ensemble» stammt von den Investoren HRS, Immobiliengefässe der Credit Suisse sowie Allgemeine Baugenossenschaft Zürich (ABZ).

Es sieht auf dem rund 55'000 Quadratmeter grossen Areal 174 Genossenschaftswohnungen, ein Stadion für rund 18'000 Zuschauer und zwei 137 Meter hohe Wohn- und Bürotürme mit rund 570 Wohnungen vor. Die gesamten Investitionen belaufen sich auf rund 570 Millionen Franken.

Der Investor will mit den Wohntürmen das Stadion querfinanzieren. Dadurch muss sich die Stadt weder am Bau noch am Betrieb finanziell beteiligen. Mit einem reduzierten Baurechtszins auf dem Baufeld, auf dem die Türme stehen werden, unterstützt sie das Projekt aber dennoch. Denn aus der Reduktion resultiert ein wiederkehrender Einnahmenverzicht von jährlich maximal 1,7 Millionen Franken.

Die Fussballclubs FCZ und GC werden also den Letzigrund, ein Leichtathletik- und Event-Stadion, verlassen und auf dem Hardturm-Areal eine neue Heimat in einem richtigen Fussballstadion erhalten.

Dort sollen dann die Stimmung an den Spielen und die Einnahmen für die Clubs besser werden, hoffen diese. Das neue Stadion soll 2022 fertig sein. Der erste Ball könnte in der Saison 2022/23 rollen. Die Hochhäuser und der gemeinnützige Wohnungsbau werden etappiert ab 2023 fertiggestellt. Dieser Zeitplan dürfte sich nun etwas verzögern.

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