Spital Limmattal

Wegen mehr Lärm: Anwohner wehren sich gegen den Helikopter auf dem Limmi-Dach

Heli-Lärm: Anwohner mobilisieren gegen Spital Limmattal

Heli-Lärm: Anwohner mobilisieren gegen Spital Limmattal

Seit der ersten Corona-Welle ist der Ambulanz-Helikopter nicht mehr auf dem Flugplatz Birrfeld stationiert, sondern auf dem Dach des Spitals Limmattal. Und das möchte das Spital auch nach Corona beibehalten. Dagegen sammeln genervte Anwohner nun Unterschriften.

Das Spital Limmattal wird in einem Brief dazu aufgefordert, die Zusammenarbeit mit der Alpine Air Ambulance zu beenden.

Gegen den Helikopter-Einsatzstandort auf dem Dach des Spitals Limmattal regt sich Widerstand. Anwohnerin Anita Vollenweider setzte einen Brief auf und sammelt Unterschriften, damit der Helikopter der Alpine Air Ambulance (AAA) das Limmattal verlässt und zurück an seinen Standort auf dem Flugplatz Birrfeld kehrt. Den Brief und die Unterschriften will sie dem Stadtrat nach den Sommerferien überreichen.

Als die erste Coronawelle erwartet wurde, ist auf dem Landeplatz des Limmi tagsüber eine Maschine der AAA bereitgestellt worden. Der Helikopter leistete in dieser Zeit über 80 Einsätze für Coronapatienten. Daneben rückte er auch bei 36 Notrufen in der Region aus. Aufgrund der guten Erfahrungen gaben das Spital und die AAA letzte Woche bekannt, dass sie weiterhin zusammenspannen wollen. Das bedeutet, dass dem blau-gelben AAA-Helikopter auch über die Coronazeit hinaus das Limmi-Dach als Landebasis zur Verfügung stehen soll.

Lebensqualität sinkt durch die Helikopter-Flüge

Im staubelasteten und mit vielen Baustellen versehenen Limmattal führe die Kollaboration zu einer Verbesserung der Versorgungsqualität in der Region und einer professionellen Rettung von Patienten, begründet das Spital Limmattal die Verlängerung der Zusammenarbeit mit der AAA. Das passt vielen Bewohnerinnen und Bewohnern im Spitalquartier aber nicht. «Die Lebensqualität und Sicherheit im Limmattal wird durch die lärmintensiven Flüge nicht verbessert», steht im Brief von Initiantin Anita Vollenweider, der an den Schlieremer Stadtrat, das Spital und die AAA gerichtet ist. Der auf dem Limmi stationierte Helikopter fliege an einzelnen Tagen so viel, wie vorher in einem ganzen Jahr. Meistens hätten die Flüge nichts mit dem Spital zu tun. Medizinisch würden sie daher keinen Sinn machen. «Ich sehe den Helikopter oft wegfliegen, aber nicht in der Nähe landen oder zurück zum Limmi kommen. Das heisst, dass man von der Basis im Birrfeld doch in der gleichen Frist zum Einsatzort fliegen könnte und die Station in Schlieren nicht zwingend ist», sagt Vollenweider. Ein Helikopter sei selten als erste Rettungsequipe am Unfallort, schon gar nicht im dicht besiedelten Limmattal. Das von der Spital-Leitung vorgebrachte Argument, mit dem Helikopter schneller Erste Hilfe leisten zu können, überzeugt sie deshalb nicht.

Für Vollenweider steckt ein anderes Motiv hinter dem neuen Einsatzstandort. «Es handelt sich um einen Verdrängungskampf zwischen der Rega und der AAA.» Sie bittet das Spital und die AAA im Brief, sich mit dem Schlieremer Stadtrat an einen Tisch zu setzen. «Wir wünschen uns den Zustand vor der Coronakrise zurück und hoffen, dass der Helikopter vom Spital Limmattal abzieht.»

Unterstützt wird das Begehren auch von der Schlieremer CVP-Gemeinderätin Heidemarie Busch. «Wir ersticken zurzeit im Dreck und im Lärm, haben dann noch die Sanitätswagen, die ohne Rücksicht auf Ruhebedürfnisse durchs Spitalquartier fahren und jetzt auch noch diesen Helikopterparkplatz.» Sie weiss, dass sich beinahe das ganze Spitalquartier hinter Vollenweiders Anliegen stellt und den Brief unterschreiben wird. Vor allem jetzt im Sommer, wenn die Fenster geöffnet seien, man im Garten oder auf dem Balkon sitze, sei der Lärm besonders mühsam. «Auch für die Senioren im Altersheim, die in unmittelbarer Nähe des Landeplatzes wohnen, ist es eine grosse Belastung.» Sie würden sich jedes Mal die Ohren zuhalten.


Die Verantwortlichen des Spitalverbandes Limmattal nehmen die Beschwerden bezüglich der Lärmbelastung ernst. «Es ist nachvollziehbar, dass die Anwohnerschaft über die zusätzlichen Flugbewegungen nicht erfreut ist. Man ist gerne für einen konstruktiven Dialog bereit», sagt Limmi-Mediensprecher Stefan Strusinski. Er betont aber auch, dass diesem Anliegen eine für rund 180000 Menschen verbesserte Gesundheitsversorgung gegenüberstehe. «Niemand wird behaupten, dass er oder sie nicht froh ist, bei einem gravierenden Vorfall schnell gerettet zu werden und allenfalls von einem Helikopter über den Verkehrsstau hinweg etwa nach Zürich geflogen zu werden.»

Der Landeplatz auf dem Limmi steht allen offen

Bei den 36 Helikopter-Einsätzen im Bezirk Dietikon zwischen Mitte März und Ende Juni seien in rund 40 Prozent der Rettungen Kinder, die in gravierende Unfälle verwickelt waren, involviert gewesen. «Die schnelle Rettung durch den Helikopter hat dabei auch zu einer qualitativ guten Versorgung beigetragen, zu der wir uns als Rettungsorganisation unserer Region verpflichtet fühlen», so Strusinski. Man finde deshalb, dass die rund 500 Flüge im Jahr – also ein bis zwei Flüge am Tag – sehr wohl medizinisch sinnvoll seien. Denn: Niemals würden kommerzielle Flüge stattfinden, sondern nur solche, um Personen mit gravierenden medizinische Problemen zu transportieren.

Klar gestellt wird auch, dass es sich um keinen Verdrängungskampf zwischen der Rega und der AAA handle. «Unser Landeplatz steht allen Organisationen der Flugrettung offen und kann jederzeit angeflogen werden.» Bezüglich der Lärmemissionen seien Vereinbarungen getroffen worden. Die AAA darf den Landeplatz wochentags zwischen 8 und 20 Uhr, an Sonn- und Feiertagen zwischen 10 und 20 Uhr benützen. Zu bedenken gilt es laut Strusinski auch, dass die Helikopterflüge in der Region dazu führen, dass der ebenso lärmintensive Einsatz mit Sirene und Blaulicht abnimmt.

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