Findeldinger

Wenn die Hitze ihren Tribut fordert

Martin von Aesch ist Auto und Musiker. Er lebt in Schlieren.

Martin von Aesch ist Auto und Musiker. Er lebt in Schlieren.

Ich reihe mich mit meinem Wagen ganz hinten in die Kolonne ein. Weit vor mir sehe ich die rote Ampel und schätze, dass ich nach etwa vier Grünphasen die Kreuzung passiert haben werde. Was etwa sechs Minuten Wartezeit bedeutet. Was aber auch heisst, dass meine Klimaanlage es wohl nicht schaffen wird, die Temperatur auf einem angenehmen Niveau zu halten. Denn auf der ganzen Strecke bis zur Ampel ist kein Meter Schatten auszumachen. Schöne Aussichten an diesem Rekordtag, wie Herr Bucheli am Tag zuvor prophezeit hat.

Ich sehe, wie die Ampel ein erstes Mal auf Grün wechselt. Doch nichts bewegt sich. Ob ich wohl ganz kurz hupen soll? Nicht aggressiv, nur ganz fein. Mit der Aussage «Hallo, es wäre grün». Doch ich brauche kein akustisches Zeichen zu geben. Das erledigen etwa zwanzig andere Automobilisten vor mir. Und sie tun es nicht so zurückhaltend, wie ich es getan hätte. Es schaffen es dann doch noch insgesamt drei Wagen, die Ampel zu passieren.

Eine gute Minute später geschieht genau desselbe. Der Fahrer des vordersten Wagens scheint ebenfalls der immensen Hitze Tribut zu zollen, was wiederum ein vielfaches Hupen zur Folge hat. Auch ich fluche leise. Wie kann man nur so unaufmerksam sein, wenn man doch weiss, dass hinter einem viele die Weiterfahrt herbeisehnen? Meine Frage bleibt unbeantwortet, die Folge ist allerdings, dass aus den geschätzten vier Grünphasen wegen dieser Trottel an der Spitze genau zehn werden. Oder anders ausgedrückt: Nach satten zwanzig Minuten an der prallen Sonne stehe endlich ich zuvorderst. Ich merke, wie meine Anspannung zusehend von mir weicht, weil ich doch weiss, dass es für mich gleich losgeht.

Doch dann dies: Ein markdurchdringendes Hupkonzert reisst mich aus meinen Gedanken. Bis ich merke, dass es mir gilt, hat die Ampel doch bereits wieder auf Rot gewechselt. Ich öffne kurz das Fenster, um ein entschuldigendes Zeichen zu geben. Ich weiss, dass mir dasselbe nicht nochmals passieren darf, und bin nun voll bei der Sache. Der erste Gang ist eingelegt, in kurzen Intervallen lasse ich meinen Motor aufheulen, und mein Blick ist stets auf die Ampel gerichtet. Kaum eine Sekunde, nachdem sie auf Grün geschaltet hat, lasse ich die Kupplung spicken und trete aufs Gas. Leider geschieht das derart unkoordiniert, dass ich den Motor abwürge und ihn erst wieder bei Rot gestartet habe.

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