Der «Pink Bag» ist eigentlich eine gute Sache: Umweltbewusste Menschen können die Säcke mit Wertstoffen füllen. Die vollen Säcke werden anschliessend von einem Service-Dienstleister auf dem Privatgrund des Besitzers abgeholt. Danach wird der Inhalt der Säcke in bestehende Recycling-Kanäle eingespeist. Doch das Nischenangebot stösst bei der Stadt Dietikon auf Ablehnung.

Mitte Juni erhielten die Bewohner einer Liegenschaft an der Schöneggstrasse in Dietikon ein Schreiben der Stadt, das eine Leserin der Limmattaler Zeitung übermittelte. Darin steht, dass am 11. Juni 2019 zwei «Pink Bag»-Säcke mit Abfällen und Wertstoffen vor der Liegenschaft gefunden worden seien. Doch die Firma Pink Bag Recycling hätte keine Konzession für die Durchführung dieser Sammlungen von der Stadt Dietikon erhalten. «Aus rechtlicher Sicht handelt es sich um eine illegale Entsorgung von Abfällen», heisst es im Brief der Dietiker Infrastrukturabteilung. Die Bewohner werden aufgefordert, diese Art der Entsorgung «sofort einzustellen».

«Ohne schriftliche Bewilligung nicht erlaubt»

Denn gemäss eidgenössischem Umweltgesetz und kantonalem Abfallgesetz liegt das Entsorgungsmonopol beim Staat. Konkret sind die Städte und Gemeinden zuständig. «Privaten Entsorgungs- und Recyclingunternehmen ist es daher ohne schriftliche Bewilligung nicht erlaubt, eine Sammlung auf Dietiker Boden durchzuführen», erklärt Torsten Hartmann, Leiter des Abfallwesens der Stadt Dietikon.

Trotz fehlender Bewilligung machten die Anbieter aber Geschäfte in Dietikon. Das akzeptiert die Stadt nicht. Den betroffenen Bewohnern der Schöneggstrasse empfiehlt sie, die Sammelstelle an der Ecke Schönegg- und Birmensdorferstrasse zu nutzen – ohne Dienstleistungsunternehmen.

Die Stadt Dietikon ist eigentlich nicht abgeneigt

Welche Bedingungen müssten denn erfüllt sein, damit die Stadt mit den Service-Dienstleistern kooperieren würde? «Zuerst muss ein Gesuch gestellt werden. Dann muss das Konzept der Firma stimmen. Das heisst, die Stoffströme und Transportwege müssen transparent sein. Ausserdem möchte die Infrastrukturabteilung Dietikon wissen, wie die Wertstoffe recycelt werden.» Die Stadt sei mit mehreren Anbietern von sogenannten Wertstoffsäcken in Kontakt und beobachte deren Entwicklung. Doch aufgrund einiger Faktoren könne die Stadt bisher keinen der Anbieter unterstützen. «Teilweise werden nur 50 Prozent des gesammelten Materials recycelt. Der Rest wandert als Brennstoff in Zementfabriken oder wird nach Asien exportiert, ohne dass man weiss, was dort passiert», erklärt Hartmann. Sobald ein nachgewiesenermassen stimmiges Verfahren vor Ort existiere, werde die Stadt Dietikon mit Anbietern der Wertstoffsäcke einen Vertrag abschliessen.

Was meint das Unternehmen Pink Bag Recycling zu den Vorwürfen? «Gewisse Gemeinden denken, dass wir eine Bewilligung benötigen. Doch wir sind kein Entsorgungsunternehmen, sondern transportieren lediglich die Säcke zu den Recycling-Stationen. Demnach sind wir ein Service-Dienstleister», meint Oliver Ettlin, Geschäftsführer von «Pink Bag». Dietikon habe mit dem Unternehmen keinen Kontakt aufgenommen. Deshalb werden die Sammelaktionen wie gewohnt weitergeführt. Als Ergänzung zum bestehenden Angebot der Gemeinden werde die Dienstleistung des Unternehmens als durchaus positiv wahrgenommen.

Besonders lobenswert sei dabei die Stadt Uster, welche mit einem der Konkurrenten, Mr. Green, zusammenarbeite, sagt Ettlin. «Uster finanziert körperlich beeinträchtigten Personen und Menschen im Pensionsalter ein Abonnement. So kann das Recycling-Material trotz gesundheitlichen Einschränkungen ökologisch und mit gutem Gewissen entsorgt werden.»

«Uns wurde untersagt, den Service anzubieten»

Wie sieht es bei den anderen beiden Anbietern im Limmattal aus? «Uns wurde schriftlich untersagt bis zur Klärung der Situation den Abholservice anzubieten», sagt Markus Kämpfer, Geschäftsführer von «We Recycle». Aufgrund des Verbotes nehme das Unternehmen keine Neukunden in Dietikon auf. Mit anderen Gemeinden wie beispielsweise Dübendorf funktioniere die Arbeit hingegen sehr gut. Ausserdem werde «We Recycle» auf deren Entsorgungskalender aufgeführt.

Auch das dritte Dienstleistungs-Unternehmen, «Mr. Green», ist mit der Zusammenarbeit der Zürcher Gemeinden durchaus zufrieden. «Häufig ziehen wir zum Wohle der Umwelt am gleichen Strick, obwohl die rechtliche Lage aufgrund der Meinungsverschiedenheiten eine schwierige ist», meint Valentin Fisler, Geschäftsführer von «Mr. Green». Doch die Handhabung variiere von Gemeinde zu Gemeinde. «An einzelnen, wenigen Orten brauchen wir eine offizielle Bewilligung. In der Stadt Zürich beispielsweise müssen wir die Menge an eingesammelten Wertstoffen melden.» Dietikon habe bisher keinen Kontakt mit Mr. Green gesucht, daher sei dem Unternehmen auch nichts von einem Verbot bekannt. Ausserdem habe das Unternehmen in Dietikon lediglich 25 Kunden. «Mr. Green funktioniert als Nischenangebot und Ergänzung zu den Sammelstellen», sagt Valentin Fisler.

Schlieren ist bisher zufrieden mit «Mr. Green»

Die Stadt Schlieren spannt seit diesem Jahr mit dem Unternehmen Mr. Green zusammen. Die Zwischenbilanz sei durchaus positiv, wie André Thoma, stellvertretender Abteilungsleiter Werke, Versorgung und Anlagen auf Anfrage mitteilt. «Es gibt schweizweit sehr viele solche Organisationen», sagt Thoma. Mit der Zusammenarbeit mit Mr. Green soll deshalb auch vermieden werden, dass verschiedene Unternehmen in die Stadt einfahren und so Mehrverkehr verursachen. Diese Meinung teilt auch Hartmann. Deshalb will die Stadt Dietikon demnächst die Anbieter einladen. Diese sollen ihre Konzepte vorstellen.

Eine zukünftige Zusammenarbeit zwischen den Organisationen und der Stadt Dietikon ist daher nicht ausgeschlossen. Sofern die Dienstleistung auf legale und umweltfreundliche Weise erfolgt.

Die drei Unternehmen bieten ihren Service sowohl Privatpersonen als auch Firmen an. Dabei ist die Sackgrösse bei allen Anbietern dieselbe, nämlich 35 Liter. «Mr. Green» verlangt 17.50 Franken für eine Abholung von drei Säcken im Monat. Für den gleichen Service verrechnet «Pink Bag» zwei Franken mehr. «We Recycle» ist am teuersten: Hier kostet die Abholung von zwei Säcken pro Monat 19.90 Franken.