In der römisch-katholischen Pfarrkirche von Urdorf laufen die Vorbereitungen für dieses besondere Ereignis seit Tagen auf Hochtouren: Diesen Sonntag wird die Primizfeier von Johannes Häuselmann abgehalten und nicht weniger als 500 Menschen werden zur heiligen Messe erwartet. Der 31-jährige Urdorfer wurde am 8. Dezember in Rom zum Priester geweiht und die Primiz ist der vorläufige Höhepunkt im Leben von Häuselmann. «Ich freue mich auf die Messe und auch darauf, dass sie in meiner Heimat stattfindet», sagt er. Seine Begeisterung ist ansteckend und es fällt schwer, zu glauben, dass er vor gut zehn Jahren noch als Banker Karriere machen wollte.

Häuselmann wuchs zunächst mit zwei Brüdern in Dietikon auf, seine Mutter war eine streng gläubige Katholikin, sein Vater jedoch reformiert. Als er drei Jahre alt war, zog die Familie nach Urdorf. «Der Glaube spielte immer eine grosse Rolle in unserem Leben. Wir gingen sonntags zur Kirche und pflegten das Gebet.» Früh habe er von seiner Mutter gelernt, dass «Gott gut sei» und man dankbar für seine Liebe sein dürfe, so Häuselmann.

Der Moment, der alles änderte

Obwohl Häuselmann seine Religion liebte, geriet sie für einige Jahren etwas in den Hintergrund, als die Pubertät begann. «Fussball interessierte mich sehr, Sport generell. Und als die Zeit reif war, ging ich oft mit Kollegen in den Ausgang», erinnert er sich. Er absolvierte eine Banklehre, wollte das Leben einfach geniessen und die Welt bereisen. Diesen Weg hätte er vielleicht bis heute gehen können, doch ein einschneidendes Erlebnis sollte alles ändern. «Meine Mutter starb, als ich 19 Jahre alt war und ich begann, mich nach dem Sinn des Lebens zu fragen», so Häuselmann. Die Antwort fand er im Glauben an Gott. Seine Grosseltern, ebenfalls Katholiken, waren dabei seine Vorbilder. «In der damals grossen Trauer schöpften sie aus der Religion die notwendige Kraft. Das hat mich sehr beeindruckt.»

Der Wunsch, ausschliesslich Gott zu dienen, reifte in ihm heran. «Glaube muss man entwickeln», sagt er. Mit 23 Jahren besuchte er ein katholisches Seminar in Rom und diese Gebetstage beschreibt er als Hauptauslöser, um Priester zu werden. Nun galt es, die nötigen Schritte einzuleiten und seinem Umfeld zu erklären, dass er sich entschlossen habe, Priester zu werden. Die Reaktionen waren mehrheitlich positiv: «Am meisten gefreut haben sich meine Grosseltern. Mein Vater, meine Brüder sowie meine Freunde und Arbeitskollegen meinten, dass ich diesen Weg gehen soll, wenn ich damit glücklich werde.»

Der Weg zum Priester

Für Häuselmann begann der klassische Weg zum Priester. Zunächst stellte er sich die Frage, wo er das obligate Einführungsjahr machen sollte. Dieses soll klären, ob man überhaupt zum Priester berufen ist. Er wählte dafür das Priesterseminar in Chur, doch nach einem Jahr trat er in die Gemeinschaft ein, die er bereits in Rom kennenlernte: Das «Werk Jesu des Hohenpriesters – Familie Mariens», das sich in verschiedenen Ländern von Europa der Seelsorge widmet, aber auch mit Missionsstellen in Ländern wie Russland oder Kasachstan karitativ tätig ist. Bei dieser Gemeinschaft absolviert man statt dem üblichen Einführungsjahr ein zweijähriges Vorseminar, bis man mit den philosophischen und theologischen Studien beginnen kann.

Häuselmann tat dies in der Päpstlichen Universität vom Heiligen Kreuz. «Das Studium ist für alle angehenden Priester sehr wertvoll, denn als Priester benötigt es dieses Wissen, um die richtigen Antworten zu geben», sagt er. In dieser Zeit wurde nicht zuletzt auch dank der Gemeinschaft «Werk Jesu des Hohenpriesters» Rom zu seiner neuen Heimat und zum Ort, an dem er sich klar wurde, dass er sich auf die zölibatäre Lebensweise der katholischen Kirche einlassen kann.

Die ungeteilte Liebe

«In den sieben Jahren des Studiums wird vieles klar, auch meine Einstellung zum Zölibat», sagt Häuselmann. Er weiss, dass dies ein Thema ist, an dem sich die Geister scheiden. «Natürlich ist es eine Herausforderung, aber es ist auch lebbar. Schlussendlich geht es um die ungeteilte Liebe zu Gott.» Mit diesem Entschluss – und dem erfolgreichen Studium in der Tasche – folgte die Weihe zum Diakon. Als solcher durfte Häuselmann schon predigen und Gebete leiten. Bis er im Dezember sein langjähriges Ziel erreichte: die Weihe zum Priester. «Es war ein sehr bedeutender und bewegender Moment für mich», erinnert er sich. Nach der Weihe folgte seine erste Messe, sozusagen der zweite Höhepunkt, dem nun mit der Primizfeier auf Einladung der Gemeinde Urdorf ein dritter folgt.

Danach steht die Rückkehr nach Rom auf dem Plan. Zurück in die Gemeinschaft «Werk Jesu des Hohenpriesters», bei der Häuselmann derzeit in der Administration tätig ist und am Wochenende als Seelsorger wirkt. Auch geht es zurück in die Wohngemeinschaft; mit zwei Mitbrüdern teilt er sich ein Appartement. Das Leben in der Ewigen Stadt sei nicht anders als anderswo, wo man in einem Büro arbeite, so Häuselmann. Natürlich nehme das Gebet viel Platz ein, aber Fussball spiele er trotzdem noch. Auf die Frage, ob sein nächster Schritt nun die Bischofsweihe sei, reagiert Häuselmann gelassen: «Für mich gibt es in der Katholischen Kirche und als Priester keine Karriereleiter. Ich will ausschliesslich Gott und den Menschen dienen.»