Coronavirus

Zu Maskenpflicht, Clubs und Grossveranstaltungen: Das sind die neuen Beschlüsse des Zürcher Regierungsrats

Die Maskenpflicht in den Läden gilt einen weiteren Monat.

Die Maskenpflicht in den Läden gilt einen weiteren Monat.

Der Zürcher Regierungsrat hat neue Massnahmen bis Ende Oktober beschlossen. Was ändert sich im Kanton, was gilt weiterhin? Eine Übersicht.

Ende August hat der Zürcher Regierungsrat die Schraube angezogen. Weil die Zahl der Corona-Erkrankten stieg, verfügte er die Maskenpflicht in Läden – was seither heiss diskutiert wird. Die Massnahme gilt, ebenso wie andere im Kanton Zürich, befristet bis Ende September. Nun hat der Regierungsrat bekannt gegeben, wie es bis Ende Oktober weitergeht. So präsentiert sich die Situation im Kanton Zürich derzeit:

Ansteckungszahl sinkt wieder

Im Kanton Zürich ist es gelungen, die Zahl der Ansteckungen zu senken. «Der Regierungsrat ist zufrieden mit der Entwicklung in den vergangenen Wochen», sagte dessen Präsidentin Silvia Steiner (CVP). Bevor der Regierungsrat vor einem Monat strengere Massnahmen beschlossen hatte, war die Zahl der positiv Getesteten von 20 auf fast 70 gestiegen. Mittlerweile beträgt sie gut 60. Steiner bleibt aber vorsichtig: «Die Lage ist labil, die Krise noch lange nicht ausgestanden.»

Verlängerte Maskenpflicht

Die Maskenpflicht in Läden wird um einen Monat verlängert. Sie zu lockern, beispielsweise für kleine Läden, kommt für den Regierungsrat nicht in Frage. «Für die Bevölkerung wäre es schwierig, zu verstehen, was wo gilt», sagte Steiner. Kritik für das Festhalten an der Maskenpflicht kommt vom KMU- und Gewerbeverband des Kantons Zürich. Der Regierungsrat zeige, dass er nicht gewillt sei, auf die Anliegen der KMU-Wirtschaft einzugehen, schreibt er in einer Mitteilung. Nach den schwerwiegenden Auswirkungen des Lockdowns hätten die Zürcher Detaillisten nun auch weiterhin mit der Konkurrenz in den Nachbarkantonen zu kämpfen, in denen keine Maskenpflicht herrsche. Der Regierungsrat solle sich endlich von seiner übervorsichtigen Politik verabschieden, fordert der Verband.

In Gastronomie und Clubs fortan 300 Personen erlaubt 

Restaurants müssen weiterhin die Kontaktdaten ihrer Gäste erfassen. Die bisherigen Auflagen verändern sich somit nicht. In Bars und Clubs war die Zahl der Besucher bisher auf 100 Personen beschränkt. Neu können sich in ihnen 300 Personen aufhalten, sofern sie eine Maske tragen. Im Innen- und Aussenbereich zusammen dürfen jedoch höchstens 300 Personen gleichzeitig anwesend sein. Das Erfassen der Kontaktdaten ist weiterhin obligatorisch. Mit der Lockerung der Regeln für Bars und Clubs will der Regierungsrat der krisengeschüttelten Branche entgegenkommen. «Sie ermöglicht den geregelten Betrieb während der kälteren Jahreszeit», so Steiner.

Die Bar- und Clubkommission Zürich begrüsst die neuen Regeln. «Sie bieten vor allem kleineren und mittleren Nachtkulturunternehmen, die über keinen Aussenbereich verfügen, eine wichtige zusätzliche Perspektive», heisst es in einer Stellungnahme. Die wirtschaftliche Situation der Clubs bleibe aber prekär. Die Betreiber hoffen nun, dass Partygänger auch dann kommen, wenn Maskenpflicht gilt. Sie versuchen, es mit einem Argument schmackhaft zu machen, das auch Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP) an der Medienkonferenz ins Feld führte: Wer eine Maske getragen hat, muss nicht in Quarantäne, wenn ihn ein Contact-Tracer wegen einer möglichen Ansteckung kontaktiert.

Grossveranstaltungen wieder zulässig

Grossveranstaltungen sind ab dem 1. Oktober wieder zulässig. Bis am Mittwoch seien elf Gesuche für Veranstaltungen mit über 1000 Personen eingegangen, wie Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP) ausführte. Mehr als die Hälfte betreffen den Sport. Bewilligt worden sind – unter Auflagen wie Maskenpflicht – die Heimspiele der ZSC Lions, des EHC Kloten und des EHC Winterthur sowie jene von FCZ und GC. Hinzu kommen kulturelle Anlässe wie das Konzert von Pegasus im Hallenstadion.

Alltag in Schulen grösstenteils unverändert

In den Schulen verändert sich wenig. Jugendliche an der Sekundarstufe II müssen ausserhalb des Unterrichtszimmers weiterhin Masken tragen. Neu gilt: Mischen sich an Gymnasien und Fachmittelschulen Schüler aus verschiedenen Klassen, zum Beispiel in einem gemeinsamen Kurs, müssen sie entweder durch Plexiglas abgeschirmt sein oder eine Maske anziehen. Ebenso können Lehrer erkältete Schüler dazu anhalten, eine Maske zu tragen. Bildungsdirektorin Silvia Steiner sagte zudem: «Kranke Kinder sollen zu Hause bleiben.» Das gilt auch in der Volksschule.

Prostitutionsgewerbe mit weiteren Auflagen

Ansteckungen im Milieu haben in den vergangenen Wochen für Schlagzeilen gesorgt, weil die Contact-Tracer die Freier kaum ausfindig machen konnten. Neu muss das Prostitutionsgewerbe Kontaktdaten erfassen, von den Freiern einen amtlichen Ausweis verlangen und auch die Handynummer überprüfen. Anbieter, die sich nicht daran halten, und Freier, die falsche Angaben machen, können gebüsst werden.

Keine Stellung nehmen wollte der Regierungsrat zur Frage, ob es stimmt, dass er ausländischen Sex-Arbeiterinnen grundsätzlich keine Arbeitsbewilligungen mehr erteilt. Er will sich dazu am Montag im Kantonsrat äussern. Gegenüber Radio 1 hatte Milieu-Anwalt Valentin Landmann gesagt, dass das kantonale Migrationsamt entsprechende Kurzarbeitsbewilligungen neuerdings konsequent verweigere.

Schutzkonzept-Kontrollen auch in Zukunft

Der Kanton Zürich überprüft weiterhin die Schutzkonzepte von Restaurants, Clubs, Läden und Veranstaltern. Bislang hätten über 3000 Kontrollen stattgefunden, sagte der zuständige Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP). Dabei seien in etwas mehr als 700 Fällen Mängel festgestellt worden, also bei fast jedem vierten kontrollierten Betrieb. Allerdings seien die Verantwortlichen sehr kooperativ und würden die Mängel beheben.

Einzelne Unternehmer – etwa eine renitente Ladenbesitzerin in Winterthur – wurden verzeigt. Seit August haben die Statthalterämter im Kanton Zürich 29 Verzeigungen ausgesprochen. Nur in drei Fällen ging es jedoch darum, dass ein Betrieb das Schutzkonzept nicht umgesetzt hatte. In 14 Fällen hatte jemand gegen die Quarantänepflicht verstossen, sechsmal hatten Personen die Meldepflicht nach der Rückkehr aus dem Ausland missachtet.

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